571 Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 213
gesott als Niederschläge niederdeutscher Sprache der ältesten Einwan-derer in Schlesien.
Die Gründe werden nach allem Ausgeführten hinreichend befundenwerden, um eine erste Einwanderung niederdeutscher und niederrheini-scher Kolonisten in nicht kleinen Mengen zu behaupten, und zwar mussdieselbe nicht auf einzelne Gegenden beschränkt gewesen sein, sondernüberall da, wo wir überhaupt deutsche Ansiedelung Fuss fassen sehen,Spaten und Axt eingesetzt haben. Die örtliche Verbreitung der vonuns beigebrachten sprachlichen Belege spricht dafür.
Aus Volksgebräuchen weiss ich eine einzige Spur niederdeutschenVolkstums in Schlesien anzuführen. Während in dem ganzen deutschenSchlesien die Johannisfeuer lodern, sind nämlich im Leobsehützer KreiseOsterfeuer üblich. Für die Stadt Leobschütz ist flämische Besiedelungziemlich sicher 1 ). Die Osterfeuer bestätigen niederdeutsche Einwande-rung, da sie dem sächsischen Volke eigentümlich sind 2 ).
Die mitteldeutsche Einwanderung.
üeber die niederdeutsche erste Einwanderung hat sich eine zweitemitteldeutsche gezogen, die stark genug gewesen ist, um jene fast ganzaufzusaugen und Schlesien zu einem Lande von durchaus mitteldeutscherArt zu machen. Dieselbe drückt sich aus in der Mundart, in den Orts-und Personennamen, in der Anlage von Haus und Hof, und in derVolksüberlieferung.
Untersucht man nach den bezeichneten vier Richtungen, so trittüberdies eine enge Gemeinschaft hervor zwischen Schlesien, den nörd-lichen deutschen Gegenden von Böhmen und Mähren, ferner der Ober-lausitz, Meissen und dem Pleissnerlande. Diese Länder stehen sich nachjenen Richtungen so nahe, dass sie eine einheitliche Gruppe bilden, diedes mitteldeutschen Kolonisationsgebietes. Die Zips und Siebenbürgen,hier vornehmlich das Burzenland, das unter König Andreas IL derdeutsche Orden germanisierte, können wir dazu stellen.
Auch hier sind wir von geschriebenen Quellen verlassen. DieEntstehung dieser Gruppe muss auf anderem Wege begriffen werden.
Das Pleissnerland und Meissen wurden am frühsten, schon im9. und 10. Jahrhundert mit Deutschen besetzt. Das natürlichste war,dass in diese thüringischen Marken Thüringer einzogen. Von den so-genannten niederländischen Kolonien des 12. und 13. Jahrhunderts wardfrüher schon gesprochen.
Zu den Thüringern und Niederländern kamen dann Ostfranken.Wiprecht v. Groitzsch rief 1104 aus der Gegend von Lengefeld in FrankenAnsiedler in das Pleissner Land, wie in seiner Lobensgeschichte be-richtet wird. Diese Angabe deutet an, von wo überhaupt ein neuerEinwandrerstrom in die Länder des Ostens an der Elbe und Oder und
') Tomaschelf, Deutsches Recht in Oesterreich S. 75.') J. Grimm, Deutsche Mythologie S..581, 2. Aufl.