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Die in Schlesien häufigen Namen in — ke J ) kommen teilweiseauf niederdeutsche Rechnung. Zum grösseren Teil sind es slavischeNamenskürzungen auf ko oder ka, wie z. B. der ungemein zahlreicheName Hanke, wie ferner Blaschke, Franzke, Hantschke Henschke,Jäschke Jaschke, Leske Leschke Löschke, Matschke, Nitschke, Paschke,Pietschke, Raschke, Wenzke.
Von deutschen Bildungen derart seien ausser den oben schonangeführten Hipke und Lampke besonders genannt der aus Gerungentstandene Name Gerke (Gerko 1298, Regesten 3, 25), auch zu Girke,Gierke, Gurke gemacht; ferner Heinke, Henke, Hinke aus Heinrich,Radeke aus Radulf.
Niederdeutschen Ursprung bezeugen auch die in schlesischen Ur-kunden des späteren 13. Jahrhunderts vorkommenden Namen Cerstan,Rodger, Rolant und Rulant.
Familiennamen, die aus Appellativen entstunden und nieder-deutsche Form zeigen, sind mir folgende aufgefallen:Boer, Böer (auf dem Lande nicht selten), ist doch nichts anderes alsnl. boer, der Bauer. Nur wird das oe in Schlesien als langes ö ge-sprochen. Ganz ebenso ist zu beurteilen der schlesische FamilienameBroer, Bröer, der nl. broer, broeder, Bruder ist.Naeve, Naefe, Näve, Näfe ist nd. neve, nl. neef, Neffe, entfernterer
Verwandter überhaupt.Schröer ist nd. Form für schroeder, Schneider, mit Ausfall des d,
wie broer aus broeder entstund. — Brem. Wb. IV, 688.Tilgner, der Anpflanzer von tilgen oder telgen, Baumreisern. Hollän-disch ist telgqueckery die Baumschule.
In einigen der verzeichneten Worte niederdeutscher Herkunft sind,wie hervorgehoben ward, unverschobene p, t, k erhalten, ebenso tratnd. cht = hochd. ft hervor. Diese Zeugen niederdeutschen Konsonanten-standes können nun durch t = hochd. z (ß) in einigen Worten Ver-stärkung finden, die sich in dem entlegensten Osten Schlesiens, in derUmgegend von Bielitz, erhalten 2 ) haben, nämlich in dot (daß), det (diß),im Adverb etta (itzo) und vielleicht auch im Partizip gesott (gesezt).Zwingende Beweise für niederdeutsche Einwanderung liegen des-halb nicht in diesem t, weil dat und dit sich im Mitteldeutschen bisin dessen südlichste Striche unverschoben erhielten, und weil gesät(Ptc. zu setzen) md. wie obd. oft genug vorkommt s ). Sie könnendaher auch für die mitteldeutsche Eimvanderung in Anspruch genommenwerden. Anders liegt es mit etta, das auf nd. ietto 4 ) zurückgeht undals sicherer Beweis niederdeutscher Heimat gelten darf. Von hier undvon Worten wie tage, tieren, trecken, wittigen, ferner läpe, Keike, mauken,juchten, schachtern kommt eine Stärkung der Beurteilung von dot, det,
^ ') Man sehe die überraschend reiche Sarnmhing solcher Namen, die Hoff-
mann v. Fallersieben in seinem scherzhaften Breslauer Namenhüchlein, Leip-zig 1843, S. 22-24, vorgelegt hat.
2 ) Waniek, Zum Vokalismus der schlesischen Mundart S. 7.
*) Meine mittelhochdeutsche Grammatik §§ 197. 194, 2. Aufl.
4 ) Belege dieser Form bei Schiller-Lübben mittelniederdeutsches Wörter-buch 2, 412 f.