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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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206 Karl Weinhold, [50

unter einer zweiten Schicht Ansiedler, die sich wahrscheinlich vonSchlesien heraufschob, eine erste liegt, die mit den Siebenbürger Sachseneiner Herkunft war.

Was aber diese betrifft, unsre treuen Volksgenossen im Karpathen-lande zwischen Miresch, Alt und den beiden Kukeln, deren Haupt-einwanderung zwischen 1141 und 1161 geschehen, ist, so werden siein einer Urkunde, die 1192—1196 fällt, Flandrenses, in einer jüngerenvon 1238 Saxones genannt, und der letzte Name ist ihnen geblieben.Beide Namen aber stimmen nicht zu dem Charakter des siebenbürgisch-deutschen Dialekts, der entschieden auf mittelfränkische, ribuarischeHeimat zeigt J ). Sie bezeugen nur, dass. man in jenen Zeiten geneigtund gewöhnt war, die von Westen kommenden Einwanderer Flandreroder Sachsen zu nennen, ohne genaue Untersuchung ihrer eigentlichenAbstammung.

Kehren wir nun von dieser Abschweifung, die aus guten Gründengemacht ist, nach Schlesien zurück!

Es ist im ersten Abschnitt erzählt worden, dass sich die frühestenNachrichten über die deutsche Einwanderung in Schlesien an die Stif-tung des Cistercienserkloster Leubus im Jahre 1175 haften, welchesmit Mönchen aus der Thüringer Porta coeli besetzt ward. Wir wissenferner, dass die Pförtner Güter durch niederländische oder flämischeKolonisten urbar gemacht worden sind. Es ist nun sehr wahrschein-lich, dass die Leubuser Mönche Bauern derselben Art auf die ihnenvom Herzog geschenkten Ländereien beriefen. Man darf aber bezwei-feln, dass dieses die ersten sogenannten Pläminge oder Niederländerwaren, welche schlesischen Boden betreten haben, denn der Durchzugder Rheinländer, welche König Geisa II. nach Siebenbürgen einlud, istnach dem vorhin über die Zips bemerkten höchst wahrscheinlich durchSchlesien gegangeri. Und es ist um so eher anzunehmen, dass mancheder durchziehenden im Oderlande zurückblieben, .als wir von neuenoder Kolonistendörfern in der Liegnitzer Pflege bei der Bewidmung vonLeubus erfahren, welche also älter als die ersten Leubuser Unterneh-mungen gewesen sind.

Auf eine ziemliche Menge niederdeutscher oder mindestens mittel-fränkischer (ribuarischer) Einwanderer während des 12. Jahrhundertsund wohl auch noch in der ersten Zeit des 13. zu schliessen, veranlasstuns die Untersuchung der deutschen Sprache in Schlesien.

Dieselbe gilt freilich, und ganz mit Recht, für eine mitteldeutscheMundart, und schon die ältesten deutschen Schriften aus dem 13. und14. Jahrhunderte, die in Schlesien entstunden, zeigen ein einheitlichesOstmitteldeutsch 2 ).

') Marienburg, Ueber das Verhältnis der siebenbürgisch-sächsischen Sprachezu den niedersächsischen und niederrheinischen Dialekten, im Archiv des Vereinsfür siebenbürg. Landeskunde I, 3. 45—70! K. Reissenberger, Die Forschungenüber die Herkunft des siebenbüfg. Sachsenvolkes, Hennannstadt, 1877.

2 ) H. Rückert, Zur Charakteristik der deutschen Mundarten in Schlesien,in Zachers Zeitechr. f. deutsche Philol. I, 199 ff.; IV, 322 fg.; V, 125 fg. —Rückert, Entwurf einer systematischen Darstellung der schlesischen Mundart imMittelalter. Mit einem Anhang herausgeg. von P. Pietsch. Paderborn 1878. —