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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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49] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 205

durch. . Er schickte Boten nach Utrecht und dem Rheinland (ad locaRheno contigua) sowie nach Holland, Seeland und Flandern, und imUeberfluss kamen, wie Helmold erzählt*), die fremden Ansiedler in dieMarkgrafschaft gezogen. Bedeutendes leisteten dabei die Bischöfe unddie Klöster. Ganz besonders eifrig war Erzbischof Wichmann vonMagdeburg, der schon als Naumburger Bischof Fläminge und Holländerin seinem Sprengel angesiedelt hatte, der im Jüterbogker Lande, dasAlbrecht der Bär 1147 eroberte, ebenfalls Fläminge ansetzte und auchdie Magdeburg auf dem anderen Eibufer gegenüberliegende Fläche vonMöckern bis Sandau zu einerflämischen Seite" machte.

Auch Bischof Anselm von Havelberg, Bischof Dietrich von Halber-stadt, Bischof Gerung von Meissen, die Aebte von Nienburg, Ballen-stedt, Pforte und manche andere Klostervorstände haben auf menschen-leeren und ungebrochenen Landstrecken damals Holländer oder Flandrer,wie es gewöhnlich heisst, angesiedelt und durch die Zinsen der neu-entstehenden Dörfer ihre Einkünfte bedeutend gesteigert. Sie machtenalle ein vortreffliches Geschäft.

Auch in Mecklenburg knüpft sich die Germanisation an die Be-siedelung von Klostergütern, diew ahrscheinlich durch Bauern aus derNähe des Mutterklosters von Doberan, Amelungsborn im HildesheimerSprengel, geschehen ist.

Ausdrücklich werden hier überall Holländer, Flandrer oder Flä-minge, daneben Westfalen und Sachsen, als die Anbauer genannt, unddie niederdeutsche Sprache, welche in den bezeichneten Gebieten bisheute herrscht oder bis in neue Zeit, wo sie einem gemengten Mittel-deutsch wich, geherrscht hat, bestätigt die Urkunden.

Anders liegt die Sache in Thüringen, wo die niederdeutschenKolonisten sich allmählich unter der eingeborenen Bevölkerung ver-loren; ferner in den Naumburg-Zeitzer, Merseburger und MeissenerSprengein, das ist in den thüringischen Marken, wo nach der herr-schenden mitteldeutschen Mundart zu schliessen, die niederdeutscheEinwanderung, die wir auch hier als erste annehmen dürfen, durcheine zweite mitteldeutsche überholt und aufgesogen worden ist.

Dasselbe gilt für Schlesien und die Gespanschaft Zips im ost-ungrischen Berglande.

Für Schlesien eine erste niederdeutsche Einwanderung zu beweisen,wird bald unsere Aufgabe sein. Für die Zips, wo die mitteldeutsche Be-völkerung bis zur Gegenwart, in der sie sich jämmerlich magyarisiert,bestanden hat, gibt es zwar keine geschriebenen Beweise der niederdeut-schen Einwanderung sowenig als in Schlesien. Allein der enge Zusammen-hang der Zipser und der Siebenbürger Deutschen, der sich durch ver-wandtschaftliche Züge der Mundart und durch alte ungeschriebene Ueber-lieferung bekundet 2 ), deutet bestimmt darauf, dass auch in der Zips

') Chronic. Slavor. I, 88.

2 ) K. J. Schröer, Versuch einer Darstellung der deutschen Mundarten desungrisohen Berglandes. Wien 1864, S. 18 f. Beitrag zu einem Wörterbuch derdeutschen Mundarten des ungrischen Berglandes. Wien 1858, S. 13 f. Krones,Zur Geschiehte des deutschen Volkstums im Karpathenlande mit besonderer Rück-sicht auf die Zips und ihr Nachbargebiet. Graz 1878.

Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. II. 3. 14