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9. Oktober 1355 unter Zustimmung der Kurfürsten bestätigte. Als1392 die Fürstentümer Schweidnitz und Jauer durch den Tod derletzten Herzogin Agnes im Erbgang an Böhmen fielen, -war ganzSchlesien ein böhmisches Nebenland geworden und für immer vonPolen losgerissen. Es stund nun wenigstens mittelbar verbunden zumrömischen Reiche deutscher Nation. Die Loslösung des Breslau er Bis-tums von dem Gnesener erzbischöflichen Stuhl und die Verbindungmit dem Präger Erzsprengel gelang jedoch dem Kaiser nicht.
Wenn die beiden Luxemburger Johann und Karl das Deutschtumin Schlesien auch nicht unmittelbar förderten und pflegten, so geschahes doch sicher mittelbar, vornehmlich durch Förderung von Handel undGewerbe in den Städten, somit durch Steigerung des Wohlstandes desdeutschen Bürgertums. Das Bewusstsein, deutsche Reichsfürsten, ja inKarl IV. den Kaiser selbst zum obersten Herzog zu haben, ist fürdie deutschen Schlesier von hohem Werte gewesen. Den Unterschiedempfanden sie schon unter Karls Sohn, König Wenzel. Aber dannkam wieder unter König Sigismund ein Freudentag, als derselbe an-fangs 1420 einen Reichstag nach Breslau berief. Damit war Breslauals ansehnliche Stadt des deutschen Königs beglaubigt.
Wie stark da3 deutsche Bewusstsein bei den deutschen Schlesien!im Anfang des 15. Jahrhunderts entwickelt war, bezeugt das Auftretender schlesischen Professoren an der Prager Universität gegen die vonHuss geführte und von König Wenzel gestützte tschechische Anmassung.Die Führer des Auszugs der nicht tschechischen Lehrer und Studentenvon Prag nach Leipzig im Jahre 1409 waren die Schlesier JohannesOttonis von Münsterberg und Johann Hoffmann von Schweidnitz.Johann Münsterberg ward der erste Rektor der neuen Universität ander Pleisse. Ihm folgten im ersten Jahrhundert ihres Bestandes nichtweniger als vierundzwanzig Landsleute im Rektorate nach ').
In den Hussitenkriegen haben sich die Schlesier als erbitterte,wenn auch unglückliche Feinde der Böhmen erwiesen. Ausser demkirchlichen hat der nationale Gegensatz dabei gewirkt. Auch derWiderstand gegen König Georg Podiebrad, den freilich nur die StadtBreslau durchzuführen vermochte, beruhte nicht bloss auf der Abneigunggegen den Ketzer, sondern auch gegen den Tschechen, der kein WortDeutsch konnte und nicht bloss tschechische Verfügungen nach Schlesienschickte 2 ), sondern auch tschechische Antwort forderte. Als nach GeorgsTode Matthias von Ungarn Regent Schlesiens wurde, setzte er den.Magyaren Stephan Zapolya 1475 zum Landeshauptmann ein, der desDeutschen ganz unkundig war.
In jenen Zeiten hat das Tschechische als Geschäftssprache inOberschlesien um sich gegriffen 3 ). " Die Herzöge von Ratibor undTroppau aus przemislidischem Stamm Hessen seit Mitte des 15. Jahr-
') P. Pfotenhauer, Schlesier als Rektoren der Universität Leipzig:Zeitschr. f. schles. Geschichte XVII, S. 177—229.
'') Baas er übrigens auch deutsche Urkunden für Schlesien gab, beweisen die-Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens von Grünhagen und Markgraf II, 339.
3 * Grünhagen, Geschichte Schlesiens I, 395 und in der Zeitschr. f. Gesch.Schlesiens XVIII, 28 ff.