21] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 177
in dem 13. und 14. Jahrhundert bezeugt x ). Durch das ganze 14. Jahr-hundert lässt sich ein erfreulicher Aufschwung der wissenschaftlichenBildung in Schlesien von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wachsend verfolgen.Es entstehen geistliche, geschichtliche, medizinische Schriften in deut-scher und lateinischer Sprache 2 ), und so wird der Grund zu der gutenhumanistischen Bildung gelegt, durch welche sich die Schlesier im16. Jahrhundert auszeichneten, wie kein geringerer als Philippu3 Melanch-thon von ihnen rühmt, der auch die weite Verbreitung solcher Bildungunter den Schlesiern und ihre Begabung für Poesie und Redekunsthervorhebt 3 ).
Das Deutsche war in den Städten des Landes früh Geschäfts-und Amtssprache. Zwar wurden die Urkunden und Protokolle im13. Jahrhundert grösstenteils nach dem Brauche der Zeit lateinischabgefasst. Allein mit dem Jahre 1261, als die Magdeburger Schöffendas Weistum über ihre Stadtverfassung deutsch an Herzog Heinrich III.zur Uebertragung auf Breslau gaben, erhielt das Deutsche eine Stellungneben dem Latein. Mit 1280 beginnen deutsche Urkunden in Schlesien,herzogliche und städtische. Von 1314 besitzen wir die deutsche Urkundeeines Geistlichen, des Abts vom Vincentkloster in Breslau. Und inder zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts greift der schriftliche Amts-gebrauch des Deutschen selbst in Oberschlesien bei Weltlichen immerweiter um sich.
In Brieg beschloss der Rat mit Aeltesten und Geschworenen 1396,die Eintragungen in die Schöffenbücher fortab deutsch machen zu lassen,weil im Latein Irrtümer unterlaufen könnten. Erwähnung verdient auch,däss Herzog Heinrich VI. die Bürger von Breslau davon befreite, • dassdas polnische Landgericht, die zuda, sie polnisch vor sich laden dürfe 4 ).
Aber trotz der Fortschritte ging es für die Deutschen nicht ohneKampf ab. Der Gegensatz der beiden Nationen hatte schon in demKircheustreit unter Herzog Heinrich IV. gewirkt, wie wir früher er-wähnten. Er trat in den Zeiten des streitlustigen Bischofs Nanker(1327 —1341) besonders scharf hervor 8 ). Der Klerus war nationalgespalten. Die polnische Partei fand an den Gnesener Metropoliten,an dem päpstlichen Legaten und durch diesen beim Papst selbst Unter-stützung. Die deutsche ward durch König Johann von Böhmen be-günstigt, der seine Erwerbungen schlesischer Fürstentümer damalsbegann. Sein Werk vollendete der Sohn, Karl IV., der 1348 alsrömischer König vierzehn schlesische Fürstentümer der Krone Böhmenals Lehen verband und diese Einverleibung als römischer Kaiser am
') Stenzel, Geschichte Schlesiens S. 324 ff.
2 ) H. Rückert, Entwurf einer systemat. Darstellung der schles. Mundartim Mittelalter, herausgegeben von P. Pietsch, S. 18—22. Stenzel, GeschichteSchlesiens S. 331. A. Th. Hens"Chel, Schlesiens wissenschaftl. Zustände im14. Jahrhundert. Breslau 1850.
3 ) Melanchthon schrieb an Herzog Heinrich von Liegnitz: „Non alia gensin Germania plures habet eruditos viros in tota philosophia — nee in ulla parteGermaniae plures ex populo discunt et intelligunt doctrinas, multi etiam ad poesinet eloquentiam idonei sunt.
*) Klose, Von Breslau I, 626.
6 ) Grünhagen, Geschichte Schlesiens I, 161 ff.