23 I Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 179
hunderts ihre Urkunden meist in böhmischer Sprache abfassen, und dieOppelner Herzöge thaten desgleichen, obschon auch deutsche Urkundendes Oppeiner Hauses 'von HOC—1480 reichlich vorliegen 1 ). Dem Bei-spiel der landesfürstlichen Kanzleien folgten die Klöster und zum Teildie Städte in jenen Gegenden nach. Aber eine Tschechisierung derDeutschen in Oppeln—Ratibor—Troppau ist damit nicht geschehen 2 ).Ausser dem Neisser Lande und einem Teil des Leobschützer Bezirkswar ganz Oberschlesien (abgerechnet einen Teil der städtischen Be-wohner) damals noch polnisch oder in den zum Olmützer Bistum ge-hörigen Strichen mährisch 3 ). Die deutsche Volkssprache konnte alsodort gar nicht verdrängt werden. Es handelte sich nur um die Ver-drängung der deutschen Geschäftssprache durch die tschechische,die denu auch erreicht worden ist. Erst im 17. Jahrhundert ist dasBöhmische dort wieder dem Deutschen im Amtsgebrauche gewichen.Ja die Troppauer Landbücher sind bis 1744 tschechisch geführt worden 4 ).
Von der Zähigkeit, mit welcher die Oppelner Herzöge im Polni-schen haften blieben, gibt das Ende Herzogs Nikolaus IL ein tragischesBeispiel. Wegen einer im Irrsinn begangenen That Hessen bekanntlichdie in Neisse versammelten Fürsten den Herzog am 27. Juni 1497 ent-haupten. Da er nur Polnisch konnte, vermochte er das deutsch ab-gefasste Todesurteil nicht einmal zu verstehen!
Hinneigung zu polnischer Art können wir auch noch später selbstbei den niederschlesischen Piasten nicht in Abrede stellen. Jene traurigeWirtschaft am Liegnitzer Hofe, worein Hans von Schweinichens Tage-bücher so tief blicken lassen, war polnische Wirtschaft. Und es warenehrliche Worte, die Herzog Heinrich XL dem Kaiser auf die Anklagewegen Praktiken gegen die Majestät und gegen Schlesien 1581 ant-wortete: „Weil Ihre fürstliche Gnaden aus dem löblichen Stamme derKönige aus Polen wären, so waltete das polnische Geblüte in Ihro fürstl.Gnaden, dass sie sonderliche Zuneigung zu den Polen hätten" 5 ).
Die Grafschaft Glatz, ein Teil Böhmens, der sich in seinem altenUmfange mit dem Glatzer Dekanate deckt, wozu Lewin mit seinentschechischen Dörfern und die Burg Hummel nicht gehören, war im14. Jahrhundert ein ganz deutsches Ländchen, indem nur in den altenKammerdörfern um das Glatzer Schloss noch tschechische Bauern sassen,für welche in der Wenzelskirche auf dem Schloss tschechisch gepredigtward. Zur Zeit des Hussitenkriegs verlieren sich dieselben unter denDeutschen. Wo im 15. Jahrhundert in den Stadtbüchern ein tschechischerName vorkommt, wird ausdrücklich bemerkt, dass sein Träger ein Böhmeist. Die böhmischen Edelleute, die infolge des Krieges in der Graf-schaft Güter erhalten, sind nicht; imstande, das Deutsche irgend zu
') Vgl. Lehns- und Besitzurkunden T, 324—339.
") ich weiche von Grünbagens Auffassung hier bestimmt ab.
3 ) Dass das Mährische im Troppauer und, Leobschützer Lande echtes Tsche-chisch ist, hat W. P r a s e k in seiner Abhandlung Cestina v Opavsku (Programm desk. k. slavischen Obergymnasiums zu Olmütz 1877) bewiesen.
4 ) A. Peter, Volkstümliches aus Oesterreichisch-Sehlesien 3, 17.s j Scriptor. rer. silesiac. IV, 108.