wenige, und wir wollen es gleich sagen, dass es uns ferne liegt, mit Hypothesenvon Bild zu Bild eine Stufenleiter aufzubauen. Was uns gewiss erscheint, ist dies,dass die Kunstanschauungen Rembrandt's, dessen grossartige und erfolgreicheBehandlung von Problemen des geschlossenen Lichtes in der ganzen Kunstwelt eineArt von Aufruhr verursachten, ihn nicht unberührt Hessen, und was wir glaubenmöchten, ist dies, dass die breiter und weicher gemalten, in der Regel auch mitgrösseren und wenigeren Figuren ausgestatteten Bibelbilder, in denen dieser EinfiussRembrandt's zu Tage tritt, der Mehrzahl nach den ersten anderthalb Decennienseiner Thätigkeit, etwa von 1630 bis 1645 hin, angehört, die feiner und zierlichergemalten »Historien < aber — um den Sandrart'schen Ausdruck zu gebrauchen —,nach Maassgabe des Schweriner Bildes von 1651 mit seinen Vorstufen und desUtrechter Bildes von 1654, wesentlich in die letzten anderthalb Decennien seinesLebens zu setzen sind. Diese letzten Werke sind es, in denen die Kunstrichtungen,die sein Leben nach einander beherrscht haben: die blühende Vielfarbigkeit derBloemaart'schen Schule, die Neigung der Caravaggisten, schwierige zeichnerischeProbleme perspektivischer Verkürzung zu überwinden, und Rembrandt'sches Hell-dunkel, womit er die Bloemaart'schen Farbenakkorde zusammenstimmt und oft, weitüber Bloemaart hinaus, in anziehendster Weise verfeinert — zu harmonischer Ver-schmelzung mit einander gelangen.
Um nun näher auf die hier vorgeführten Bilder einzugehen, so möchten wirz. B. das Dresdener Familienbild zeitlich nicht weit von dem figurenreichen CasslerBilde entfernen, finden wir doch in diesem die Verwendung von Studien an seinerFrau und seinen Kindern in der Gruppe auf der Estrade. Nun ist aber Knüpfer aufdem Familienbilde offenbar ein Mann im Alter von 35 bis 40 Jahren; darnachkönnten beide Bilder um 1640 herum entstanden sein. Die beiden SchwerinerBibelbilder und das Breslauer Bild aus dem Leben Salomo's dagegen möchten wiretwas später setzen, die Fusswaschung z. B. nicht weit ab von dem Opfer Salomo's,und letzteres wiederum nicht allzu weit vom Schweriner grossen Contento entfernt,also nicht allzuviel vor 1651. Man vergleiche nur die Kopfstellung des Petrus,welchem Jesus die Füsse wäscht mit der Kopfstellung des knieenden Salomo, derdas Räucherfass schwingt, und den mit einer Art Pelzmütze bedeckten Jünger, derhinter dem Tisch das eine Bein auf einen Stuhl gestellt hat und damit beschäftigt
19