In der That bewährte das Bild seine Kraft aufs Nachdrücklichste, nur stiesses nicht den um, auf welchen es abgesehen war, sondern den, der es als Waffegebrauchen wollte. Und viel fehlte nicht, dann wären auch Andere, die vorschnelldem Autor ihre Sympathie kundzugeben bereit waren, in den tragikomischen Sturzmithineingezogen worden.
Doch die Götter hatten ein Einsehen.
Wer aber ist der, dessen Verkennung soviel Unheil nach sich ziehen sollte?Ist es wirklich ein Meister, dessen Werke dazu verführen können, ihn mit Rem-brandt und Bol zu verwechseln?
Nun, Nikolaus Knüpfer ist keiner jener grossen Maler ersten Ranges, derenName genügt, um eine ganze Fluth angenehmer Empfindungen und Vorstellungenin die Seele zu rufen, doch hat er seine Vorzüge und Eigenarten. Er ist einMeister zweiten Ranges, aber er ist ein Mann, dem man, sobald es sich in derKunstgeschichte um Darlegung des Wechselspiels von Ursachen und Wirkungenhandelt, nicht ungestraft vorbeigeht, und den man schätzen lernt, je länger mansich mit ihm beschäftigt. Ja, er ist einer, der viel mehr bedeutet als wofür erheute noch angesehen wird.
In der kunstgeschichtlichen Literatur des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, beiden Biographen und in den Auktionskatalogen, begegnen wir seinem Namen undseinen Werken oft genug. Dem Nachdruck, der nicht selten darauf gelegt ist,lässt sich entnehmen, dass er sr. Zt. sogar ein sehr geschätzter Meister war. DasXIX. Jahrhundert aber ist ihm bis in unsere Tage hinein nicht gerecht geworden,es hat ihn ohne Grund vernachlässigt, ja es gab Decennien, in denen er beinahevergessen war. Das kann man behaupten, wenn man sieht, wie ihn Waagen inseinem bekannten Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen nurbeiläufig mit einer halben Druckzeile streift. Das tritt noch mehr in die Augen,wenn man wahrnimmt, dass Bode, dessen Vorzug es sonst ist, die Kleineren undKleinsten an seinem Wege mit Liebe aufzuspüren, in seinen zweimal heraus-gegebenen Elsheimer-Studien, in denen gerade für Knüpfer ausreichender Raumhätte übrig sein sollen, gar keinen Platz für ihn hat. 1 ) Weniger auffällig dagegenmag es erscheinen, wenn ein Mann wie Janitscheck, dessen Specialstudien aufanderen Gebieten lagen, ihn in seiner Geschichte der deutschen Malerei kurzer Hand