I. Die Rekonstruktion der alten Weltkarten.
ist die im Dezember L896 entdeckte Karte von Madaba, welche wir ihrer grossen Wichtigkeit wegenunten eingehender behandeln werden.
Es ist somit keine einzige römische Weltkarte, und von den griechischen die einzige desPtolemäus auf uns gekommen. Und doch waren solche im Altertum sehr verbreitet. Auch konntendie Geographen des Altertums, soweit sie sich nicht auf das Abschreiben und Kompilieren beschränkten.ihre Erdbeschreibungen nur an der Hand von Karten geben, und mussten selbst solche haben und ihrenLesern übermitteln. Frühzeitig, in ausgedehnter Weise namentlich von Eratosthenes, sind eine AnzahlBilder bekannter Gegenstände in die Geographie eingeführt worden, um die Anschaulichkeit zu vermehren,besonders für ünterrichtszwecke; wir werden diese Bilder, welche für uns nicht immer ganz von seihstklar, aber für die Rekonstruktion der Karten von grosser Wichtigkeit sind, unten im Abschnitt überEratosthenes zusammenstellen. Das Bestreben anschaulich zu sein, ist bei manchen Kosmographen desAltertums so offenkundig, dass sich von selbst der Gedanke nahelegt, die Karte des betreffenden Autorsmüsse aus der Beschreibung herstellbar sein. Dies trifft besonders zu bei Mela, Dionysius, AmmianusMarcellinus, Orosius, ferner unter den Griechen bei Herodot, Eratosthenes, Strabo u. a. Es hat aberauffallend lange gedauert, bis in dieser Hinsiebt Versuche der Herstellung gemacht worden sind.
Der Erste, welcher dies versucht hat, ist wohl der französische Geograph Petrus Bert ins, welcherim Jahr 1628 in seiner Geograpbia Vetus in 2 Kupferstichen das Erdbild des Mela und des Posidoniushergestellt hat; wir geben seine Bilder unten wieder. In den weiteren Tafeln dagegen, welche zur Er-läuterung der Geographie des Jul. Cäsar, des Plinius, des Ammianus Marcellinus dienen sollen, legt Bertiusdie Karten des Ptolemäus zu Grunde, und verfällt damit in den alten Kehler, die neuere Geographie zurGrundlage für die alte zu machen, — anstatt aus den Schriften der Alten deren Anschauungen zu entwickeln.Den Grund dafür linden wir in seinem älteren Werke 1 ), wo er die Unmöglichkeit, die Karte des Pliniuszu zeichnen, darlegt, und mit der Unbeständigkeit dieses Schriftstellers begründet, welcher seine Angabenaus vielen Autoren zusammengesetzt habe, so dass sich dieselben örtlich nicht vereinigen lassen. Nachihm treffen wir erst anderthalb Jahrhunderte später bei Schlözer in Göttingen wieder ähnliche Versuche 2 );derselbe tadelt mit Hecht die Uebertragung moderner Anschauungen auf das Altertum, und sagt über seinZiel: „Wie sah diese verdichtete Karte der Alten aus? Durch Zusammenstellung unzähliger Stellen glaubeich sie entdeckt zu haben, und irre ich mich nicht darinnen, so erhält die ganze alte Geographie, obgleichauf Kosten und zum Nachteil der alten Geographen selbst, ein neues Licht." Aber die von Schöningschon 1703 gezeichnete, Schlözers Abhandlung beigegebene „Karte von Europa nach Vorstellung der Alten"nach Ml, PI, u. a. ist eine Sammelkarte in alter Manier. D'Anville rekonstruierte 1762 die KarteStrabos; A. J. Penzel 1775 in seiner deutschen Uebersetzung des Strabo die von Forbiger, dem Vaterdes bekannten Geographen, gezeichnete Karte des Eratosthenes. Dann folgte das für seine Zeit epoche-machende Werk von Gosselin, welcher 1790 die Karten von Eratosthenes und Strabo, 1795 die vonBipparch, Hanno, Polybius und Marinus Tyrius bot 3 ). In Deutschland bemühte sich J. H. Voss inEutin um die Herstellung der Erdbilder von Eratosthenes, Dionysius Periegetes, Geminus (diese dreigezeichnet von Hellwag 1797), ferner Hesiod und Homer 4 ). Der Atlas von Ukert (1816 ff.) gieltt dieErdbilder von Homer, Herodot, Eratosthenes und Strabo; ausserdem moderne Karten mit den Einträgennach Cäsar, Strabo, Plinius, Tacitus. Die zahlreichsten Einzeldarstellungen der Bilder alter Geographenstellte der um die mittelalterliche Geographie hochverdiente Pole Joachim Lelewel her in seinen von1814 an polnisch, später französisch erschienenen Werken, von welchen einzelne auch ins Deutsche über-tragen wurden 5 ). Die Ausführung ist freilich eine sehr ungenügende. Bobrik 0 ) hat in der Darstellung
') Theatrum Geographiae Veteris, Lugduui Bat. 1618, t. I, praef. p. C.■) Siehe „Allgemeine Welthistorie", XXXI, 15. 1771, S. 63 ff.
3 ) Geographie des Grecs analysee, 1790; Recherehes sur la Geographie des Anciens, Paris, an. VI, t. I. et II.
4 ) In: Neues deutsches Museum 1790, St. 8; Virgils Ländliche Gedichte I. B. Altena 1797; Jenaer Lit. Zeit. 1804;Kritische Beiträge II. B. 1828. S. 127 und 245 ff. mit Karte Hesiods; Homer deutsch von Voss 1821 und öfters.
5 ) Lelewels Pytheas, deutsch von Hoffuiann. Leipzig 1838 enthält die Erdbilder nach Homer, Anaximauder. I Mia-uens, Ephorua (ganz verfehlt), Endoxus, Pytheas. Crates; Lelewels Kleinere Schriften, übersetzt von Neu, Leipzig 1836 ent-halten Homer-Hesiod, Anaximander-Helcataeus, Eratosthenes, Agrippa (wertlos) und Herodot.
,; ) Geographie des Herodot, Königsberg 1S38.