IX. Die Chorographie nnd Weltkarte des Pomponius Mela.
103
Blatt 1, mit kurzem Texte, worin er die früheren Bilder tadelt, da diese dem Mela Parallelen undMeridiane unterschieben, dagegen seine wirklichen Angaben gänzlich unberücksichtigt lassen. Das Bildvon Bertius, welches wir in Fig. 39 auf Vs verkleinert wiedergeben, ist von Mallet 1684, in der Mela-Ausgabe von Gronow 1722, und neuerdings von Löwenberg in seiner von Fehlern wimmelnden Geschichteder geographischen Entdeckungsreisen S. 133 (als alt!) reproduziert worden. Ein Bruchstück nach Mela(den Osten) giebt der Spruner-Menkesche Atlas antiquus Tab. 29; das Weltkärtchen in kleinem Mass-stabe giebt Kretschmers Atlas z. Entd. Amerikas 1892; endlich hat Sieglin in der neuen Ausgabe desSpninersehen Atlas ant., Taf. 1, 4, eine Melakarte entworfen, wie wir glauben in gar zu engem Anschlussan Eratosthenes l ).
Der Gang der Beschreibung des Mela in seinen 3 Büchern ist der, dass zuerst I, 1—24ein Ueberblick gegeben wird, in welchem die Beschreibung im Osten beginnt und im Westen endigt, somitvon oben nach unten fortschreitet, wie Dm, Or und diesem folgend Isidor. Mit I, 25 beginnt dieEinzelbeschreibung, deren Gang von unten nach oben nebenstehendes Bild, Fig. 40, veranschaulicht.Buch I und II geben den Periplus des inneren Meeres, mit I, 25 Mauretanien beginnend (30 Numidia,39 Catabathmon, Cyrenaica, 49 Aegyptus, 62 Syria, 97 Bithyni, 117 mons Riphaeus); dann folgt imIL Buch die Südküste Eurorms vom Tanais bis zum Fretum1—96, und die Mittelmeerinseln 97—116. Das III. Buchgeht wieder vom Fretum aus und verfolgt in umgekehrter Ord-nung von Westen nach Norden, Osten und Süden die äussereKüste (1-45 Nordküste, 46—58 Inseln, 59—72 Ostküste,73—107 Südküste). Mela nimmt somit das Meer zur Führerinund schon darin zeigt seine Chorographie einen altertümlichenCharakter. In der ganzen Darstellung vertritt Mela denpopulär - wissenschaftlichen Standpunkt, wenn wir so sagendürfen, indem er sich von allen mathematischen und astrono-mischen Beziehungen vollständig fernhält, wie es bei denrömischen Geographen mehr und mehr üblich geworden ist.In der Einleitung nennt er die 4 Himmelsrichtungen. In der
A Mitte der Welt ist die Erde, überall vom Meer umgeben (huicmedio terra sublimis cingitur undique mari), von diesem vonOsten nach Westen in 2 Hälften, hemisphaeria genannt,geschieden, und sie zerfällt in 5 Zonen. So umgeht Melaklug alle Streitfragen über Kugel- oder Scheibengestalt derErde, und man wird ihn trotz der 2 hemisphaeria und 5 Zonen
für einen Vertreter der Scheibengestalt ansehen dürfen, denn er kennt nur Antichthonen, keine Gegenfüssler.Man wird wohl annehmen dürfen, dass dieser Paragraph (I, 4) durch das übliche Zonenkärtchcn illustriertwar. Darum sagt Mela weiter, jene südliche Erdhälfte sei unbekannt und nur die nördliche sei zu be-
A schreiben — huius (situs) dicendus est. Auf der grossen Weltkarte des Mela waren also weder die Antich-thonen (in I, 54 bezeichnet er sogar die Existenz der Antichthonen als zweifelhaft) noch die Zonen ange-geben. Ja es kann in Frage kommen, ob nicht die einleitende übersichtliche Beschreibung der 3 Erdteile
40. Der Gang der Erdbeschreibung des rompoiiiusMela, je im I., IL, III. Buch.
') Zur Litter atur nennen wir ausser den bekanntenWerken von Teuffei, Bahr, Ukert, Mannert, Schirlitz be-sonders Bursian in Fleckeisens N. Jahrb. 18G9, S. 636 ff.;Forbigei Handb. d. a. Geogr. I, 375/8; Frick in Phil. 34,741; ders. in N. Jahrb. 1882, 76/79, und seine Ausgabe desMela 1880; Häbler, die Nord- und Westküste Spaniens,Pr. 1886, p. 28—42; Hansen, Reimer, in N. Jahrb. 1878,S. 495—512 (über die Quellen des Mela); Kirsch, G. G., Devera Africae fig. sec. P. Melam contra Reinoldiuin. Hof. 1791,4° (nicht gesehen); Morawsky in Wiener Studien IV. 166;
Manitius in Piniol. 48, 572 (über die Benützung im Mit-telalter); Müllenhoff D. A. I, 490 ff., III, 46—53; Oehmi-chen de Varrone et Isidoro 1873; Parthey Ausgabe desMela 1867; Schweder Beiträge II, 6 ff. und in X. Jahrb.1892, p. 117; Stürenburg, die Bezeichnung der Flussufer beiGriechen und Römern, Pr., Dresden, 1897, p. 40; Tschucke,Ausgabe 1807; Vogel in Acta seminarii Erlangensis, 1878.317; Voss de hist. lat. I, 25; Zimmermann, de P. Melae ser-mone, Pr., Dresden 1895.