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V. Die Kosmographie des Julius Honoriug. — Litteratur.
(Tarraconensis, Baetica, Lusitania, Gallaeeia) genannt. In Gallien werden unter den gentes Novempopuliund Narbonenses genannt, man ist versucht, beide Namen auf Provinzen zu beziehen. In Afrika jedochschwindet jeder Zweifel; Ho nennt Byzacium, Zeugis, Numidia, Mauretania, Tripolis, Libya, Pentapolis,somit ist Afrika in die 3 Provinzen Zeugis, Byzacium und Tripolis geteilt, ebenso Cyrenaica in Libyaund Pentapolis geteilt; auch Thebais ist vorhanden. Merkwürdig sind in Syrien die Namen Syria Apamea(neben Syria schlechtweg), worunter wohl die erst unter Thoodosius errichtete Salutaris zu verstehen ist.Auch die Städte und A'ölker Afrikas weisen auf eine ziemlich späte Zeit hin; die Quinquegentiani sinddurch den Aufstand um 290 bekannt. Auch die Beschreibung des Nil, die Blemmyer in Syene, die Inselmit Heracleum und Oxyrynchus, der im 5. Jahrhundert berühmten Mönchsstadt, und der junge NameChrysorroe für den Nil machen den Eindruck, keinenfalls vor dem Ende des 4. Jahrhundert geschriebenzu sein. Wo der Verfasser gelebt hat, weiss man nicht; dass er in Spanien gelebt habe, und zwar inCacsaraugusta wegen seiner Bemerkungen über die 4 Caesarea, ist nicht wahrscheinlich zu machen. Biesehat Italien vermutet, und es liegt diese Annahme am nächsten. Auf 2 Umstände sei hier hingewiesen; ein-mal darauf, dass der Verfasser gerne griechische Endungen (os statt us) gebraucht, Philaenon statt - norum,Xili keras (Rec. B), zweimal Theriodes sagt für eine regio ferarum plena; sodann dass Honorius bei der Be-schreibung der Flüsse in Afrika besondere Vertrautheit zeigt, z. B. in der Beschreibung des Bagradas (s. u.).Die Schrift des Honorius wird zuerst erwähnt von Cassiodor 1 ), welcher an seine Mönche schreibt,n7 sie sollen sich mit der Kosmographie beschäftigen, um bei den in den hl. Schriften vorkommenden Ortenzu wissen, in welchem Teil der Erde sie liegen; dies werden sie am besten erreichen, wenn sie das Büch-lein des Julius Orator, welches er ihnen hinterlasse, tleissig studieren, denn dieses enthalte in 4 Abschnittendie Meere, Inseln, berühmten Berge, Provinzen, Städte, Flüsse, Völker, so dass fast nichts in der Kosmo-graphie Wissenswertes demselben fehle. Jordanis hat im 1. Kapitel seine Angaben über die Inseln demHo entlehnt, und Dicuil hat seine Schrift ebenfalls benützt. Isidor hat nichts aus ihm entnommen.Den Text beider Becensionen, sowie der sogenannten Cosmographia, welche aus Honorius undOrosius kombiniert ist und im Mittelalter sehr verbreitet war, besitzen wir in trefflicher Ausgabe vonAlex. Riese 2 ). Die Rekonstruktion der Karte des Honorius hat Kubitschek (Wiener Studien 1885)versucht, in der Hauptsache unseres Erachtens verfehlt.
Es handelt sich vor allem um den Grundgedanken, welcher den Honorius in der wie Riese sagtsehr wunderbaren Vierteilung seiner Erdkarte leitet. Müllenhoff und Berger glaubten, diese Vierteilungauf die beiden Koordinaten des Eratosthenes zurückführen zu sollen. Dann bekommt man aber nicht einOst-, West-, Nord- und Süd-Viertel, sondern ein Südost-, Nordwest-, Nordost- und Südwest-Viertel, wasdenn doch zu den Angaben des Ho in zu schroffem Gegensatz steht. Uebrigens ergiebt sich bei derVergleichung sofort in der Ansetzung der einzelnen Länder, Inseln u. s. w. die gänzliche Verschiedenheitbeider 3 ). Man kann ferner versucht sein, die Vierteilung mit dem Vermessungsbericht in Beziehung zusetzen und auf Agrippa zurückzuführen; erstercr ist aber vor dem Anfang des 5. Jahrhunderts nicht nach-weisbar, und hat mit der Agrippakarte sicher nichts zu schaffen. Riese glaubt in einer christlichen Ideedie Lösung gefunden zu haben. Ausgehend von den 4 Tieren und den 4 aufeinanderfolgenden Reichen,welche von den 4 Himmelsrichtungen herkommen, bei Daniel (c. 7), beruft sich Riese auf Orosius (II, 1und VII, 2), welcher die 4 Reiche so deutet: das 1. Reich ist das Babylonische im Osten, ihm folgt dasMacedonische unter dem Norden wie die Arae Alexandri an dem Riphäischen Gebirge noch zeigen; das3. Reich ist das Afrikanische der Carthager im Süden, zu welchem Sizilien, Sardinien und sogar Spaniengehörten; das letzte im Westen ist das Römische. Die Darstellung dieser 4 Reiche soll Honorius beab-sichtigt haben. So schön diese Ausführung sich liest, so müssen wir uns doch auf den Boden dernackten Wirklichkeit stellen. Nichts berechtigt, dem Honorius derartige Gedanken zu unterschieben;wir müssen uns vielmehr an seine eigenen Angaben vor allem halten, und er lässt uns auch gar nicht imZweifel darüber, was er will, wenn wir ihn nur hören und ihm Glauben schenken wollen.
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*) De inst. dir. litt. c. 25.
2 ) Geogr. Latini minores, die beiden Kec. A und B von-55; die Cosmographia p. 71—90.
3 ) Lelewel wollte in der Albikarte (s. Jim III, 59) dieVierteihmg des Ho wiedererkennen, gänzlich grundlos.