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Ob Stoff - ob Gott?
Entstehung
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Zeugniß des 48-jährigen freien DenkersL. Uhlich in Magdeburg.Die Hoffnung auf ein künftiges Leben soll schädlichsein. Sie soll des Menschen Blick von seiner gegenwärtigenAufgabe ablenken. Sie soll die Kraft der Völker, unvollkommene,schädliche Zustände zu bessern, abschwächen. Sie soll die Tugendunrein machen, indem der Mensch das Gute blos um des Gutenselbst willen, abgesehen von Lohn und Strafe, thun müsse. Wasdiesen letzteren Satz betrifft, so ist er weiter nichts, als ein vomwirklichen Leben losgerissener Gedanke. Indem es des Menschenhöchste und schönste Aufgabe ist, das Gute blos um des Gutenwillen zu lieben und zu vollbringen, so ist damit nicht ausge-schlossen, daß Ehre und Schande, Gewinn und Verlust, Genußund Entbehrungen, welche aus Recht und Unrecht folgen, daßalso Furcht und Hoffnung mitwirken, um den sittlichen Willenzur frischen und treuen That zu kräftigen. Entscheiden darf nurdas Gewissen; aber mitwirken, daß das Gewissen die rechte Ent-scheidung treffe, das dürfen jene niedriger stehenden Mächtenicht nur, sondern nach der ganzen Anlage der menschlichen Natursollen sie es auch. Wer darf nun etwas dagegen haben, wennFurcht und Hoffnung, aus dem Unsterblichkeitsglauben einer Seelefließend, ebenfalls das Ihrige dazu beitragen, daß das Gewissenseine Entscheidung treffe? Was aber jene Fesselung der Men-schenkraft, im jetzigen Leben, heut und morgen das Uebele besserzu machen, betrifft, so hilft zu deren Sprengung nichts andresals die Freiheit, die praktische Anerkennung des vollen Rechtesder Vernunft, und es läßt sich ebensowohl ein ungläubiges alsein gläubiges, ein philosophisches wie ein theologisches Pfaffen-thum denken, das die Völker am Leitseil seiner Selbstsucht führt,und dem Reiche Gottes auf Erden wehrt ....Bekanntlich nennen wir die Kraft in uns, die da denkt,fühlt und wirkt, Geist, unsern Geist. Ist er weiter nichts, alsein Wallen im Blut, ein Zucken in den Nerven, ein leises We-ben der Gehirnmasse? Ich erkenne wohl, daß mein Geist nichtohne Blut, Nerven und Gehirn lebt; aber dennoch unterscheideich ihn in meinem Bewußtsein von diesen und erkenne, daß mein