lebendiger Geist über Blut, Gehirn und Nerven und zugleichüber die ganze umgebende Welt Herrschaft ausübt. Es ist einewunderbare Sache um diesen Geist. Er entzieht sich der Zer-gliederung und ist doch da und wirkt gewaltig in die Welthinein, faßt in Jahrtausende zurück, greift in kommende Jahr-tausende hinein. Was ist der Geist? Ist er eines jener unwäg-baren Dinge, Elektrizität, Licht, Aether? Ich weiß es nicht, ichweiß nur, daß er da ist, daß er das ist, was mich zum Men-schen macht, daß er das ist, was ich meine, wenn ich das Wört-lein Ich gebrauche; er ist so wahr und wirklich, daß ich, indemich mich selbst lebendig fühle, alles Andere als traumartig an-sehe„Das ist wahr, daß wir von einem Leben der Seele au-ßerhalb des Blutes, der Nerven und des Gehirns keine Vor-stellung haben; aber — haben wir doch nicht einmal davon eineVorstellung, wie der Geist im Blut Gehirn und Nerven wohntund wirkt, und doch ist er da und macht sich jeden Augenblickbemerklich. Es folgt aus dem Allen, daß der Unsterblichkeits-glaube eine Sache ist, die zwar jeder mit sich selbst abzumachenhat, keineswegs aber, daß er Thorheit und ein Hin-derniß rechter Entwickelung ist. Die freie Religion derVernunft stellt keinen Satz darüber auf, wie sie sich denn über-haupt nicht auf Glauben, sondern auf Grundsätze einläßt; abersie ist ebensoweit entfernt, das Gegentheil, dieGeistesvernichtung als Satzung aufzustellen.„Jemehr ich ein weiser und guter Mensch werde, destoerhabener tritt mein Ziel, die Vollkommenheit, vor mich hin,desto mehr wächst meine Kraft, ihm zuzuschreiten, desto klarererkenne ich auch, daß mir noch Viel zu thun übrig ist. Nunkommt der Tod. Mein Leben und Streben wirkt unter denMenschen nach; zum Bau des Guten habe auch ich einenStein beigetragen, in den Strom des Geistes der Mensch-heit, der in Jahrtausende hineinfließt, habe auch ich meinenTropfen gemischt, das ist die Unsterblichkeit auf Erden. Aber ichselbst? Ich bin nicht fertig geworden, ich bin nicht zur vollenEntwickelung gekommen, noch im Anfange derselben ist das Endeeingetreten. Der Baum wird dasjenige, was er werden kann,das Thier desgleichen; — ich nicht. Gerade die Weisesten undBesten unter den Menschen sehen am Klarsten, fühlen am Tiefsten,wie viel ihnen noch fehlt. Darum hoffe ich auf Weiter-leben, weil ich nicht glaube, daß gerade das edelsteder vorhandenen Wesen unfertig bleiben solle.Der Erfahrungssatz, daß das, was entsteht, auch wieder vergeht,stört mich nicht; Der mit dem Körper entstandene Geist,
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