76Zustände basirten Gefühle Einzelner zurücktreten, und eine Ver-ſchleierung der nackten Wahrheit, eine ſchönfärberiſche Ueber-malung, kann da nicht am Platze sein. Zerstörte Illusionenregen aber immer mehr oder weniger auf, deshalb will ich dennauch den Zorn, den mein Gegner wegen meiner Auffassungund Darstellung der damaligen Zustände gegen mich losgelassenhat, nur auf diese Rechnung schreiben.Ein historisches Falsum mir nachzuweisen, ist dem Kritikernicht gelungen, und konnte ihm auch nicht gelingen, da ich michstrenge an historische Thatsachen gehalten hatte, die ich mit au-thentischen Beweisen belegen konnte. Es blieb ihm also weiternichts übrig als meine Angaben zu verdächtigen, d. h. ihnen dieTendenz unterzuschieben, ich habe Johann Wilhelm in den Augenmeiner Zuhörer verkleinern wollen durch das angebliche „Zerrbildim Rahmen der Geschichte“, welches ich gegeben hätte. Dadurchsoll ich aber nicht allein meine Pflichten als düsseldorfer Bürger,sondern noch mehr als Stadtverordneter verletzt haben, indemich in dem Streite um die Wiedererlangung der Bildergalerie,durch meine Charakteristik des Begründers derselben, mich aufden Standpunkt der Gegner gestellt habe. Derartige Verdäch-tigungen sind es ja, welche der Kritiker in seiner ersten Ver= nichtBeurtheilung meines Vortrages aussprach, und welche sich wieein rother Faden durch die zehn folgenden kritischen Gänge hin-durchziehen, die dem Publicum in den Blättern des DüsseldorferAnzeigers aufgetischt und mundrecht gemacht wurden.„Wem es Ernst um die Wissenschaft ist, wird sich freuen,wenn seine unvollständige Kenntniß ergänzt, seine irrigen Schlüsseberichtigt werden. Aber etwas Anderes ist es, wenn nicht dieVollständigkeit, sondern die Gewissenhaftigkeit der Forschung, nichtdie Richtigkeit, sondern die Unbefangenheit der Schlüsse in Fragegeſtellt, wenn die Anklage auf leichtfertige oder böswillige Ent-stellung des historischen That=Bestandes in Folge willkürlicherParteitendenz erhoben wird. Ein solcher Vorwurf trifft nicht nurdie Fähigkeit des Autors, sondern die Gesinnung des Menschen.Es giebt keinen, der für den guten Ruf des Historikers ver-nichtender ist, wenn er sich beweisen läßt, und keinen, derschwerer auf den Kopf des Anklägers zurückfällt, wennihm der Beweis mißlingt.“
Druckschrift
Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
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