35Opposition der Stände gegen neues Schuldenmachen sich ge-sellten. Gereizt und mißmuthig zog er sich mehr und mehr vonden Staats=Geschäften zurück und überließ Alles seinen Räthen.Ein Schreiben vom 30. Juli 1715 giebt an: „Leider Gotts,soweit hat man es zuletzt mit Sr. Churfürstl. Durchlaucht ge-bracht, daß Sie alles glaubt, was man Ihro vorgemachet“. DieExpeditionen an die Behörden unterschrieb er nicht mehr selbst,sondern ließ sie mit einem Stempel versehen. Die Räthebefanden sich dabei so wohl, daß sie dem nächsten Erben, demPrinzen Karl Philipp, nicht einmal Nachricht von dem Befindendes Kurfürsten gaben, welches in Folge wiederholter Schlagan-fälle in Bensberg und Hambach ein sehr bedenkliches gewordenwar. Im December schreibt Herr von Jungwörth, Leibarzt desPrinzen Karl Philipp, darüber: „Sr. Hochfürstl. Durchlauchtkönnen sich selbst nicht mehr in die Düsseldorfer Regierung finden;es scheint daß ein jeder thue, was ihm beliebet“.So kam das Jahr 1716 heran, in dessen Anfang JohannWilhelm noch die Freude hatte, seinen Bruder, den DeutschmeisterFranz Ludwig, zum Kurfürsten von Trier erwählt zu sehen.Obgleich krank und hinfällig veranstaltete er im April noch eingroßes Fest in Düsseldorf bei Gelegenheit der Geburt des Sohnesdes Kaisers. Am 1. Mai hatte den Fürsten ein neuer Schlag-anfall betroffen. Nach einem Aderlaß erholte er sich jedoch wiederso weit, daß er nach alter Gewohnheit öffentlich Tafel hielt.Die Anfälle wiederholten sich jedoch, und er wurde so von Brust-beklemmungen, Wassersucht und Fieber heimgesucht, daß er nichtmehr zu Bette liegen konnte, und Tag und Nacht von seinenDienern in den Armen gehalten werden mußte. Am 8. Juni1716, Morgens 7 Uhr erlag der Kranke seinen Leiden; nur 58Jahre war er alt geworden, während sein Vater und sein Groß-vater ihr Leben als 75jährige Greise beschlossen hatten. DieLeiche wurde im großen Kurfürstlichen Ornate auf dem Parade-bette ausgestellt und dann in die Hofcapelle gebracht, wo sie 6Wochen stehen blieb, während welcher Zeit täglich dreimal eineganze Stunde lang mit allen Glocken geläutet wurde. Die Bei-setzung in dem Mausoleum an der Andreaskirche geschah am 3.August Abends, und der dabei entwickelte Pomp war der Pracht-liebe des Verstorbenen würdig. Selbst bis in die stille Gruft3*
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Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
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