Verirrungen des mir unbekannten Kritikers sind aber gegen Die-jenigen, welche er jetzt neuerdings seinen Lesern auftischt, gar nichtin Anschlag zu bringen. Man höre und urtheile!Die bekannte Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleansin der ersten Kritik des 2c. H. als „Schwester“! Johann Wil-helms bezeichnet, welches freilich nachgehends als ein Fehler desSetzers entschuldigt wurde — soll, (nach Studie I. pag. 3)„mit Moliere am Hofe Ludwig's XIV. intriguirt haben undeine Gegnerin der „Pompadour“ gewesen sein.“ Nun schlugaber Moliere 1658 zuerst seine Bühne am Hofe auf und starb1673. Die Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte wurde 1671 mitdem Herzog von Orleans vermählt und kam nach Paris. Dievermeintlichen Intriguen können also nur von kurzer Dauergewesen sein, wenn wir überhaupt uns die ächt deutsche undkernige, mitunter derbe Herzogin als Intriguantin denkenwollten, als welche die Geschichte sie niemals gezeichnet hat.Keinenfalls können aber diese gemeinschaftlichen Intriguen inirgend eine Beziehung gebracht werden zu der Regierung JohannWilhelms, der damals (1671—1673) als Knabe am Hofe seinesVaters zu Düsseldorf seinen Studien oblag.Einen viel eclatanteren Anachronismus haben wir zu notirenin der Erwähnung der „Pompadour!“ Diese Dame, welcheam Hofe Ludwigs XV. bekanntlich eine so große Rolle spielte,wurde 1721 geboren, war also bei dem Tode der Herzogin vonOrleans (1722) erst ein Jahr alt! Doch wird dies wohl auchwieder der nachlässige Setzer verschuldet haben, der die Pom-padour an Stelle der Frau von Montespan oder der Main-tenon aus dem Setzkasten gegriffen hat! — denn nur mit diesenbeiden Damen ist die Herzogin von Orleans am Hofe LudwigsXIV. in Berührung gekommen und war allerdings deren ent-schiedenste Gegnerin.Ferner werden (pag. 4. 33. 34) mit leuchtenden Farben dieintimen Beziehungen geschildert, in welche Johann Wilhelm, alsErbprinz, auf seiner großen Reise, an dem glänzenden HofeCosmo's III. von Medicis in Florenz schon zu der PrinzessinAnna Maria Loysia getreten sei, „deren geistreiche Unterhal-tung ihn mächtig anziehen mußte“, so daß er später „diesekunstsinnige heitere Erbprinzessin, in deren beglückender Nähe er
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Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
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