Coburg-Gotha, ein naher Verwandter dreier regierender, katho-lischer Höfe in Europa,, und Hunderte der stolzesten Magnatendes katholischen Ungarns, an ihrer Spitze der 83jährige, viel-bewährte Vorkämpfer für Freiheit und Fortschritt, BaronNikolaus Vay, und der ehemalige Minister des Aeussern, GrafJulius Andrassy für die Verschwägerung der Christen mitJuden vor aller Welt eintraten, nachdem noch 1848 ein An-gehöriger dieses Volkes nicht das Amt des untergeordnetstenAmtsdieners erreichen konnte! . . . .
Wir haben — was mit unseren eben geschehenenAeusserungen im Widerspruche zu stehen scheinen könnte— bei einer anderen Gelegenheit* den Austritt einzelner Indi-viduen aus dem religiösen Verbände des Judenthums aufsSchärfste verdammt; wir halten unsere damalige Ansicht indiesem Punkte noch jetzt in ihrem vollen Umfange aufrecht.
Man könnte nämlich leicht statistisch na ch-weisen, dass bisher vielleicht noch kein-Convertitaus innerer Ueberzeugung die Religion des Juden-thums verlassen habe; es geschah aus Feigheit oderanderen, noch gemeineren Motiven.
Der Eine schwört seine Religion ab und zerreisst dasBand, das ihn bisher mit seinen Glaubens- und Stammes-genossen vereinigt hatte, um früher einen Volks- oderGymnasiallehrerposten zu erhalten, der andere nimmt, umin seiner gerichtlichen Praxis befördert zu werden, den HerrnOberlandesgerichts - Präsidenten oder gar den Cardinal zumTaufpathen. Wider seine innerste Ueberzeugung aber, wegenmaterieller Vortheile seinen Glauben abschwören, muss alsfeige und gemeine Handlung bezeichnet werden, mag der Be-treffende ein armer Candidat, ein Universitätsprofessor oderHofrath sein. ** Das Judenthum verliert sehr wenig an solchencharakterlosen Individuen; ebenso wenig aber gewinnt die
* In unserer Schrift »Presse und Judenthum«. Wien 1882. Zweite'
Auflage. "~ ----------------~
"* ** Es ist selbstverständlich, dass wir hier keine besonderen Per-sönlichkeiten im Auge haben.