Druckschrift 
Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

355in welchem der Protestantismus große Verbreitung gefunden hatte. InWien endlich fand der Reisende die Allmacht der steifen SpanischenEtiquette, getragen von dem Gedanken der Erhabenheit des Kaiserthumsdes heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, dem Alles in Deutsch-land unterthan sein müsse.Zu diesen lediglich äußeren Eindrücken treten noch hinzu die Aus-zeichnungen, mit welchen der Sprößling eines verhältnißmäßig kleinendeutschen Fürstenhauses überall empfangen und aufgenommen wordenwar, Auszeichnungen, welche nur zu leicht dazu beitragen konnten, dasGefühl des eigenen Werthes bei einem noch nicht zwanzigjährigenJünglinge bis zu einer Höhe zu steigern, welche nothwendig zur Selbst-überschätzung führen mußte.Sehen wir nun, wie auch die Vertreter der verschiedenen nichtmonarchischen Staaten mit den größeren und kleineren Höfen wetteifernin Aufmerksamkeit gegen den fürstlichen Gast, so konnte der Prinz sichdadurch in seinem Selbstgefühl nur noch bestärkt finden. Die übertriebensten Lobsprüche und die crassesten Schmeicheleien endlich, mitdenen Johann Wilhelm von den Jesuiten in ihren Collegien gleichsamüberschüttet wurde, bildeten zu Allem den Schlußstein und ließen dasschon vorhandene Gefühl des eigenen Werthes und der Würde seinerfürstlichen Stellung als unfehlbar erscheinen. Wir dürfen daher wolmit größtem Recht die Wurzel des späteren Auftretens Johann Wil-helms, nachdem er selbständiger Landesherr geworden, in dieser Reiseerblicken, auf welcher er die Vorbilder zu seinen späteren Handlungengesucht und gefunden hat.Die nächste Zeit nach seiner Rückkehr scheint Johann Wilhelm infriedlicher Ruhe in Düsseldorf zugebracht zu haben, gleichsam zehrendvon den Erinnerungen und den Eindrücken der Reise. Wir finden ihnunbekümmert um die kriegerischen Ereignisse, welche damals grade dieGrenzen der Herzogthümer beunruhigten und vielfach über dieselben indas Land hereinbrachen. Nicht allein die Franzosen zogen sengend undbrennend in der Eifel und im Jülichschen umher, auch die gegen die-selben verbündeten Holländischen, Münsterschen, Hannoverschen und Bran-denburgischen Söldner kannten keine Schonung da, wo sie ihre Quartiereaufschlugen. Zwar verlieh Philipp Wilhelm im April 1677 dem Erb-prinzen das bisher vom Feldmarschall Grafen von Schellwerdt inne-gehabte Infanterie=Regiment, welches, zur Zeit gegen Subsidien denGeneralstaaten dienend, zu Brügge in Flandern stand und jetzt, unterFührung des Oberstlieutenant von Burgsdorff, alsLeibregiment desErbprinzen auf 1000 Mann complettirt, nach Düsseldorf in Garnison