Schaumburg Jugendjahre 70 hann Wilhelm H.M. S Aus bergischen Zeitschrift des Geschichtsvereins. 5. d. 18 . . H.W. . . . 87 X. Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg. Von E. v. Schaumburg, Oberst a. D. in Düsseldorf. Wohl selten sind der Charakter und die Regierung eines Fürsten und Landesherrn einer so verschiedenartigen, geradezu sich widersprechenden Beurtheilung unterzogen worden, als der Charakter und die Regierung Johann Wilhelms von Pfalz=Neuburg, Herzogs von Jülich und Berg und später Kurfürsten von der Pfalz. Während gleichzeitige und kurz nachher erschienene Schriften von den größten Lobeserhebungen bis zum Uebermaß angefüllt sind, während wir ihn in der Inschrift an seinem Sarge im Mausoleum der Andreaskirche als Germanici Imperii vindex fortissimus und als Princeps vere optimus, qui omnium amorem, venerationem, lacrymas jure meritus u. s. w. bezeichnet finden, während selbst die in neuerer Zeit erst verfaßte Inschrift an dem Reiterstandbilde auf dem Markte ihn, im Anklange an jene früheren Bezeichnungen, Princeps optime meritus nennt, haben andere Stimmen nichts weniger als sein Lob gesungen und seine Verdienste weder um „das heilige Römische Reich deutscher Nation“ noch um sein Herzogthum und Kurfürstenthum anerkennen wollen. Jetzt, wo die früher mit sieben Siegeln verschlossenen Archive allmählich sich öffnen, wo mehr und mehr die Einsicht in die gleichzeitigen Original=Akten gestattet und vielfach benutzt wird, treten der Charakter und die Regierungshandlungen Johann Wilhelms offener zu Tage, und es gelingt durch sorgfältige Prüfung und Sichtung des vorliegenden Materials ein Urtheil zu finden, welches allerdings in Bezug auf diejenigen Ansichten, die man heute von einem vortrefflichen, um das Wohl seiner Unterthanen wohl verdienten Regenten hat, sehr viel zu wünschen übrig läßt. 4 328 Bei dieser Prüfung finden wir, unter steter Berücksichtigung auch des confessionellen Standpunktes des betreffenden Schreibers, in dem ganzen Auftreten Johann Wilhelms die größten Widersprüche zu verzeichnen. Bald erblicken wir ihn als fast willenloses Werkzeug seiner Lehrer und Erzieher, der Jesuiten, bald als einen von seinem eigenen Werthe ganz durchdrungenen Selbstherrscher. Intolerant und hart gegen seine reformirten Unterthanen in der Pfalz, wo der Schutz französischer Bayonette ihm die Macht dazu verlieh, tolerant hingegen und nachgiebig in Jülich und Berg, wo die benachbarten Brandenburger in Cleve und Mark ihm scharf auf die Finger sahen, wenn er auch hier in seiner Weise gegen die Nichtkatholiken auftreten wollte. Wir sehen, wie er in eiteler Prachtliebe die Einkünfte des vom Kriege schwer heimgesuchten Landes vergeudet, unbekümmert um den Widerspruch seiner „getreuen Stände“, denen er vorhält, daß sie „bei ihrer insolenter Einwendung, besserer gnädigster Zuversicht zuwider, halsstarriger Weise bestehen wollen“, ja daß dieselben „dero Landtsfürstliche autorität und Macht gleichsamb in Zweiffel stellen, wo nicht gar unverantwortlicher Weise verachten“, und die er endlich ganz zu beseitigen droht, wozu er „durch der Landstände unerhörte und unverantwortliche Eigensinnigkeit und Halßstarrigkeit gegen Seinen Willen gezwungen worden.“ Mit vollen Händen vertheilt er Geld und Geschenke an Künstler, deren freigebigster Mäcen er ist, während die Söldner aus Mangel an Subsistenzmitteln buchstäblich verhungern. Gehorsam, ja fast demüth gegen die Autorität des Kaisers, so lange sein Interesse nicht verletzt wurde, aber ebenso widersetzlich gegen Maßregeln Kaiserlicher Organe wenn dieselben, nach seiner Ansicht, seiner „Churfürstlichen Praeeminenz allzu nahe kamen“ u. s. w. Nur die Stadt Düsseldorf allein hatte sich stets des größten Wohl wollens des Fürsten zu erfreuen. Für diese seine Haupt= und ResidenzStadt that er Alles, was in seinen Kräften stand, um sie zu heben und zu derjenigen Stufe des Glanzes zu führen, welche seinen Ansichten von der Würde seiner fürstlichen Stellung entsprach. Deshalb war es auch recht und billig, daß in der Inschrift am Fußgestell des obenerwähnten Standbildes die „grata civitas“ einen Platz erhielt, obgleich es wohl mehr als zweifelhaft ist, daß die Stadt oder die Bürgerschaft dem Fürsten noch zu seinen Lebzeiten einst dieses Denkmal eſetzt habe. Wenn nun ein sorgfältiges Studium der Geschichte Johann Wilhelms uns denselben als den ausgebildeten Typus eines vollständigen Autokraten vorführt, der den bekannten Spruch „l'état c'est moi!“ sich zur 329 Richtschnur genommen hatte, so lohnt es sich wohl der Mühe, einen Blick auf die Erziehung und die Jugendjahre dieses Fürsten zu werfen, bis zu seiner Uebernahme der Regentschaft in Jülich=Berg; vielleicht gelingt es, in dieser Periode der Entwickelung der körperlichen und geistigen Kräfte die Keime zu finden zu dessen späterem Verhalten und Auftreten als Landesherr. Johann Wilhelm wurde geboren im Schlosse zu Düsseldorf am 19. April 1658, als das vierte Kind und der älteste Sohn aus der überaus glücklichen, mit 9 Söhnen und 8 Töchtern gesegneten zweiten Ehe des Herzogs Philipp Wilhelm, Pfalzgrafen und Herzogs von Neuburg, Jülich und Berg, und der Herzogin Elisabeth Amalie, Tochter des Landgrafen Georgs II. von Hessen=Darmstadt. Große Freude herrschte am Hofe über die so lange und heiß ersehnte Geburt eines Erbprinzen, und Philipp Wilhelm in seinem frommen Sinne erbaute aus Dankbarkeit für die seinem Hause erwiesene göttliche Gnade die Kreuzkapelle zwischen Düsseldorf und Hamm, welche vom Schlosse gerade soweit entfernt sein soll, als der Calvarienberg vom Hause des Pilatus in Jerusalem. Am heiligen Sonnabend vor dem Osterfeste vollzog der Abt vom Altenberge, Johannes Blankenberg, in der Schloßkapelle die Taufe. Johann Wilhelm Joseph Ignatius waren die dem Täuflinge beigelegten Namen, und als Taufpathen finden wir neben dem Könige Johann Casimir von Polen und dem Landgrafen Georg von Darmstadt auch die Stände von Jülich und Berg und sogar die Stände von Cleve und die Ritterschaft der Grafschaft Mark, obgleich die beiden letztgenannten Territorien schon lange factisch im Besitze der Brandenburger waren. Allerdings war die Theilundes einstigen Jülich=Clevischen Erbes noch nicht rechtsgiltig geworden, und wir dürfen deshalb in der Hinzuziehung der Clevischen und Märkischen Stände zu der Taufe des Erbprinzen und künftigen Landesherrn wohl nur eine Wahrung des Rechtsstandpunktes in Bezug auf die Erbansprüche erblicken. Der neugeborene Prinz wird uns geschildert als ein kräftiges schönes Kind, dessen körperliche und geistige Anlagen sich schon frühzeitig vortheilhaft entwickelten. Eine ausführliche Instruction des Vaters schrieb den einzuschlagenden Weg der Erziehung genau vor, bis auf die geringsten, scheinbar unwesentlichen Details. Der den weiblichen Händen entwachsene Prinz erhielt zum Gouverneur den Freiherrn Hermann von Wachtendonk, Maltheser=Ritter; die Lehrer aber wurden vorzugsweise erwählt aus den Vätern der Gesellschaft Jesu, welche der Großvater, Wolfgang Wilhelm, im Jahre 1614 bei 330 seiner Convertirung nach Düsseldorf berufen hatte, wo sie 1620 ein Collegium gründeten und in dem von dem Stiftsherrn Petrus Laer erbauten Seminar auf dem Friedrichs=Platze ihre Lehrstühle eröffneten. In der erwähnten Instruction wird der Hauptaccent auf die religiöse Erziehung gelegt. Der junge prinzliche Zögling soll von allen Erörterungen und Streitfragen fern gehalten werden, welche den orthodoxen katholischen Glauben erschüttern könnten; alle Schriftsteller, Bücher Bilder, die nicht mit dem katholischen Glauben im Einklang sind, sollen aus seiner Atmosphäre verbannt und jedes einzelne Dogma ihm genau nach der römischen Fassung eingeprägt werden u. s. w. Ueber die wirkliche Ausführung dieser Instruction erfahren wir zwar nichts Näheres, aber soviel steht fest, daß bei der mehr passiven und lenksamen Individualität, welche allmählich in dem jungen Prinzen sich entwickelte, und bei der strenge durchgeführten Erziehung nach dem vorgezeichneten System, die in der Kindheit ihm eingeprägte Folgsamkeit gegen die Lehren seiner Erzieher eine gewisse Unselbständigkeit in dem Charakter des Jünglings zur Folge hatte, welche sich selbst in reiferem Alter nicht verlor, so daß wir denselben namentlich in religiösen Dingen stets diesem Einfluß bleibend unterworfen wiederfinden. Am Hofe zu Düsseldorf hatte schon zu Zeiten Wolfgang Wilhelms, eines seinen Zeitgenossen an Bildung und Geschmack weit vorausgeschrittenen Fürsten, eine große Vorliebe für glänzende Aeußerlichkeit und Pracht sich geltend gemacht, welche demselben eine hervorragende Stelle unter den kleineren deutschen Höfen anwies. Philipp Wilhelm, der zärtliche Gatte und sorgsame Familienvater, und mehr einem glücklichen Familienleben sich zuneigend, war nicht weniger bemüht gewesen, durch äußeren Glanz und comfort seine Häuslichkeit zu schmücken, indem er dieselbe mit kostbaren Raritäten und Erzeugnissen der bildenden Kunst zierte. Die fast alljährlich stattfindenden Kindtaufen, welche viele vornehme Gäste nach Düsseldorf führten, boten ihm Veranlassung zur Entwickelung großer Pracht; nicht minder die kirchlichen Feste, welche er mit feierlichen Aufzügen und großem Pomp auszustatten liebte. Die Umgebungen und Eindrücke der Kindheit üben aber unbestritten einen bleibenden und schwer zu verlöschenden Eindruck aus auf die Neigungen des heranwachsenden Alters. So mag denn auch die Vorliebe für äußere Pracht, welcher Johann Wilhelm später in so hohem Maße huldigte, hier ihre erste Wurzel geschlagen haben. Genährt wurde dieselbe gewiß auch durch den Besuch, den er 1672, in seinem vierzehnten Lebensjahre, in Begleitung seines Vaters und eines großen Gefolges vom heimischen Adel, dem Könige Ludwig XIV. machte, der damals 331 im Kriege mit der Republik der Vereinigten Niederlande, vor Herzogenbusch sein glänzendes Hoflager aufgeschlagen hatte. Auch mögen die Bemühungen, welche der Vater zu dieser Zeit zur Erlangung der Königskrone von Polen machte, auf den höher strebenden Sinn des Jünglings nicht ohne Einfluß geblieben sein. An Körper und Geist hatte sich der junge Prinz rasch entwickelt. In allen körperlichen Uebungen sehr gewandt, vorzüglicher Tänzer, guter Fechter und Reiter, hatte er unter der Leitung seiner Lehrer sich die an den Höfen der damaligen Zeit unentbehrliche Kenntniß der lateinischen französischen, italienischen und spanischen Sprache erworben, und in Logik, Mathematik und Rhetorik die verschiedenen Stufen des Lehrgebäudes der Jesuitenschulen absolvirt. Jetzt war die Zeit gekommen wo er durch Reisen sich weiter ausbilden und seinen Besuch an verschiedenen Höfen Europas machen sollte, um dort die erworbenen Kenntnisse zu vermehren und gleichsam sich in diejenige Sphäre einzuführen, welcher er standesgemäß angehörte. Es wurde deshalb ein ausführlicher Reiseplan entworfen und dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt. Eine höchst wichtige Frage waren die Kosten dieser Reise. Philipp Wilhelm wendete sich zunächst an die Stände von Neuburg, indem er ihnen vorlegte, wie es nöthig sei, daß „der junge Prinz mit auswärtigen Potentaten sich persönlich bekannt mache, derselben Regierungsprincipia und manieren beobachten und penetriren, mithin die institutionem domesticam perfectioniren, Er selbst hernächst seine aigene Landt und Leuth desto erträglich, fueglich und nützlicher mit Abstellung des schädlichen und einführung des guten erlernen kann, zu herschen und zu regieren“ — und eine Beihülfe zur Bestreitung der Reisekosten verlangte. Die Stände bewilligten auch auf zwei Jahre „die Ausschreibung von ein Viertel der ordinari-Steuer in zwei Terminen jährlich auf Lichtmeß und Philipp=Jacobi, woran sie jedoch die Bedingun knüpften, daß die bisher auf Landeskosten unterhaltenen 600 Reuter abgeschafft oder auf ein minimum reduzirt werden sollen. Es wurden Augsburger Bankhäuser beauftragt, die Zahlungen zu übermitteln, welche sich auf 10,000 Flr. belaufen. Ein gleicher Antrag erging an die Stände von Jülich und von Berg. Die Jülichschen Unterherrn bewilligen die Summe von 2000 Thlr., über deren Auszahlung aber noch viele Schwierigkeiten entstanden. Die Stände von Jülich warfen 6000 Thlr aus, deren Erhebung aber nicht minder schwierig wurde, da wegen der „scharfer frantzösischer Betröhungen“ in den Aemtern Born, Millen und Heinsberg nichts erhoben werden könne. Seitens der Bergischen 332 Stände wurden Summen im Betrage von 9000 Thlr. bewilligt, von denen jedoch im Februar 1675 noch mehr als 2000 Thlr. rückständiwaren. Ueberhaupt geht aus den Correspondenzen mit dem Jülichschen Pfenningsmeister Heinsberg und dem Bergischen Pfenningsmeister Esken hervor, mit welchen Schwierigkeiten die Reisegelder aufzubringen waren und der Bürgermeister und Kaufmann vom Hövel in Köln, durch dessen Hände die Accreditirung des Erbprinzlichen Reisezuges in den verschiedenen Hauptstädten lief, hatte große Last, die vorschußweise angewiesenen und gezahlten Summen zurückzuerhalten. Nachdem diese Geldfrage erledigt war, bestimmte Philipp Wilhelm das Gefolge seines Sohnes. Als Führer sollte der bisherige Gouverneur des Prinzen fungiren, Freiherr Hermann von Wachtendonk, Malteser Ritter und Gubernator von Ravenstein, ein Mann, der schon zu vielen Missionen verwendet worden und an den meisten auswärtigen Höfen wohlbekannt war. Der Freiherr, Heinrich Theobald von Golstein, ebenfalls schon zu mehreren Legationen verwendet, der Oberst Freiherr von Veldbrück, später Statthalter von Berg, ferner Wenzel von Roßwurm und Graf Johann Arnold von Schellaerd waren demselben als Stützen beigeordnet. Als Begleiter wurden die mit dem jungen Prinzen erzogenen Edelleute Marquard Ignatz von Egloff, Johann Arnold von Leraedt, Philipp Wilhelm von Zweiffel und Philipp Werner von Hompesch bestimmt Aus dem Jesuiten=Collegium zu Trier wurde der Pater Johannes Packenius verschrieben, um als Seelsorger zu wirken, und der Leibarzt Franz Preyß zu Neuburg wurde mit der Gesundheitspflege betraut. Für die Secretariats= und namentlich auch für die Finanz=Angelegenheiten sollte der Neuburgische Hofrath Ferdinand von Yrsch sorgen. Adam Glevelius und Hermann Maaß „als Leibbalbirer“ hatten den Kammerdienst, und das Gefolge der Dienerschaft, von denen Christoph Brückmann, Johann Steinbauer, Hermann Krey, Bernhard Mokel, Heinrich Daniels, Adam Singelheimer, Christoph Büchlers und Johann Rozart namhaft gemacht sind, war mit besonderer Auswahl ausgesucht!). 1) Wir verdanken diese Specialitäten dem obengenannten geistlichen Rath P. Packenius, welcher unter dem Titel: „Hercules Prodicius post Saeculum redivivus“ die ganze Reise in einem höchst schwülstigen Latein, wahrscheinlich „ad usum delphini“ beschrieben hat. Den Titel hatte er dem Pighius nachgebildet, welcher hundert Jahre früher die Reise des damaligen Jungherzogs Karl Friedrich, des ältesten, leider auf der Reise 1575 in Rom erkrankten und gestorbenen Sohnes des Herzogs Wilhelm von Jülich, ausführlich beschrieben hatte. — Die angeführten Schreiben sind dem Düsseldorfer Staats=Archiv entnommen. 333 Von allen Seiten wurde der junge Prinz zu „der bevorstehenden peregrination“ beglückwünscht. Der Hofkaplan Antonius Jungweit zu Neuburg gratulirt „zu dem Heroischen Gemüth, welches auch bei diesen unbeständigen Zeiten so generos hinauszuwagen entschlossen“, er wünscht „alle verlängliche Glücks⸗ und Leibs⸗disposition“, und „offerirt zu mehrerem effect Ew. Höchstfürstl. Durchlaucht wie neben täglichen extraordinairen Gebetsandachten, Communionem und anderen geistlichen Exercitien dreißig heylige Messen, alles nur zu diesem Ende, auff daß die Göttliche Obhand Selbe mit Erzenglischem comitio, wie einen jungen Tobiam, über alle widrigen Wege, difficulteten triumphirend beiden Die hochfürstl. Durchl. herrn Vattern und Muttern haimbführe „minimi ac devotissimi Servi Collegii Societatis Jesu Neoburgi Incolae unter Anführung ihres Rectors, wünschen dem „Peregre Abiturienti auspicatum iter et felicissimum reditum“, und geloben diesen Wunsch zu kräftigen „sacrificiis 40, Rosarijs 40, Commun. 30. Litanijs O.O. S.S. 60, Missis audiendis 40, Breviarijs 40, Mortificationibus 100, Litanijs B. V. 60. An alle Residenten und Agenten Philipp Wilhelms an den auswärtigen Höfen wurden Verfügungen erlassen, um für die Reise und den Aufenthalt des Prinzen das Nöthige einzuleiten. Der fürstliche Hof befand sich noch in Bensberg, dem gewöhnlichen Herbstaufenthalte, wo alle diese Vorbereitungen zur Reise getroffen waren. Am 18. November 1674 wurde daselbst ein feierlicher Gottesdienst gehalten, um des Himmels Segen für die Reise zu erflehen. Von dort zog der Hof am 20. November nach Benrath, dem geliebten Tusculum Philipp Wilhelms. Hier wurden die Führer und Begleiter noch speciell verpflichtet und mußten schwören, das Wohl des Erbprinzen nach besten Kräften überall wahrzunehmen. Alle erhielten die gemessensten schriftlichen Instructionen, von denen diejenige für den Hofrath Yrsch, d. d. Benrath den 25. November 1674, die ausführlichste ist, und in eilf Artikeln Alles ganz genau feststellt, was sich auf das Secretariat und namentlich auf das Kassenwesen bezieht, ein wahres Muster von pünktlicher Genauigkeit und Umsicht. Johann Wilhelm war mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Wolfgang Georg direct nach Düsseldorf gegangen. Erst am 25. November folgte der Hof dorthin, wo Philipp Wilhelm seinen Räthen den Erbprinzen als ihren zukünftigen Herrn vorstellte und empfahl. Auch die Stadt Köln hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren Glückwunsch zur Reise durch den Bürgermeister von Jude und den Syndikus Falkenberg dem jungen Prinzen darzubringen. Am 3. December wohnte alsdann der ganze Hof mit sämmtlichen Räthen und Beamten einem feierlichen Gottes 334 dienste in der Andreaskirche bei, und am 4. December 1674 trat der Prinz endlich seine große Reise an. Ein Theil des großen Gefolges ging zu Wasser rheinabwärts mit dem Gepäck; der Prinz selbst mit seiner nächsten Umgebung aber zu Lande, nach damaligem Gebrauch, zu Pferde, auf dem linken Rheinufer. Seine älteste Schwester, Eleonore Maria Magdalena, (die spätere Kaiserin), nebst drei jüngeren Brüdern, Wolfgang Georg Friedrich Franz (später Bischof von Neustadt), Ludwig Anton (später Deutschmeister, Coadjutor von Mainz und Bischof von Lüttich) und Karl Philipp (später Kurfürst von der Pfalz) begleiteten ihn bis zur Rheinfähre. Längs des ganzen Rheinwerftes und auf den Thürmen und den Dächern der benachbarten Häuser war eine große Volksmenge zu erblicken, welche dem Scheidenden ein Lebewohl zuriefen und glückliche Reise wünschten. In Uerdingen wurde übernachtet, und von hier aus der Herr von Golstein vorausgesendet nach Cleve, wo damals die beiden jungen Brandenburgischen Prinzen sich aufhielten, Friedrich und Ludwig, die Söhne erster Ehe des Großen Kurfürsten und der schönen Louise Henriette von Oranien, um die bevorstehende Ankunft des jungen fürstlichen Vetters anzumelden. Johann Wilhelm folgte am nächsten Tage und nahm das zweite Nachtquartier im Kloster Marienbaum, zwischen Xanten und Calcar. In Rheinberg hatte ihn der Commandant durch Lösung der Geschütze von den Wällen begrüßt, und in Kanten besuchte der Prinz den Dom des heiligen Victor. Ein festlicher Empfang war in Cleve vorbereitet. Die Obersten von Eller und von Nagel kamen mit zwei Schwadronen Reiter dem prinzlichen Reisezuge entgegen und vor den Thoren erwartete ihn die Bürgerschaft unter Waffen, während die Söldner auf dem Markte paradirten. Unter Kanonendonner und Glockengeläute — welches damals so wie heute einer solchen Feierlichkeit nicht fehlen durfte — zog der Prinz in Cleve ein, direct auf's Schloß, an dessen Pforte ihn die beiden jungen Brandenburgischen Prinzen empfingen. „Hac principum Triade quid pulchrius?!“ ruft der Reisebeschreiber aus; wir müssen jedoch, um der historischen Wahrheit überall die Ehre zu geben, diesen begeisterten Ausruf als eine kleine poetische Licenz bezeichnen; denn Prinz Friedrich von Brandenburg, jetzt 17 Jahre alt und Kurprinz, ohne es zu wissen, da sein ältester Bruder Karl Emil wenige Tage vorher in Straßburg gestorben war, hatte bekanntlich ein weniger vortheilhaftes Aeußere und war sogar etwas verwachsen: Prinz Ludwig war ein 8jähriger schwächlicher Knabe und auch unser Prinz Johann Wilhelm war keine imponirende, mit besonderen körperlichen Vorzügen 335 ausgestattete Erscheinung, obgleich er durch eine gewisse äußere Grazie und Gewandtheit das Fehlende auszugleichen wußte. Nur kurze Zeit verweilte der Prinz in Cleve. Nach eingenommener Mahlzeit im Schlosse und nach Besichtigung der Stadt und einem Ausfluge in die Umgebungen in Begleitung des Prinzen Friedrich von Brandenburg, setzte er seine Reise fort bis Germenseel, dem Rittersitze des Freiherrn von Wachtendonk, um dort zu übernachten. Die beiden jungen Prinzen scheinen sich einander sehr zugesagt zu haben; denn der Brandenburgische Geh. Rath von Schwerin schreibt an den Herzo Philipp Wilhelm: „Insonderheit kann Ew. Fürstl. Dchl. ich unterthänigst versichern, daß Prinz Friedrich sich dergestalt in diesen Dero Herrn Vettern verliebt und so gute Freundschaft gestiftet, daß Sie sehr betrübt von Deroselben wieder zurückgekehrt und den Verlust solcher angenehmer conversation sehr beklaget 2c. Von Germenseel, wo Arnold von Wachtendonk, Friedrich von Loe zu Wissen und mehrere andere Herrn des Clevischen Adels dem Prinzen aufgewartet hatten, zogen die Reisenden über Nymwegen, Arnheim, Utrecht, Harlem, Leiden nach dem Haag, überall festlich empfangen und an allen Orten die Merkwürdigkeiten in Augenschein nehmend. Im Haag hatten der Graf Friedrich von Waldeck, Kurbrandenburgischer General der Cavallerie und Herrenmeister des Johanniterordens, so wie der Brandenburgische Gesandte Blaespiel sich bemüht, dem Prinzen den Aufenthalt angenehm zu machen. Philipp Wilhelm dankt denselben in einem Schreiben d. d. Düsseldorf 3. Januar 1675 für die „angenehmen affections“, welche sie seinem Sohne, dem Erbprinzen, erzeigt. Auch die General=Staaten hatten es an Aufmerksamkeit nicht fehlen lassen; sie stellten den Reisenden eine prachtvoll ausgestattete Vacht zur Verfügung, in welcher die Tour über Rotterdam und Dortrecht durch die Gewässer Seelands nach Antwerpen fortgesetzt wurde. Auf dieser Fahrt war es, wo in der Neujahrsnacht ein heftiger Sturm sich erhob und die Reisenden in nicht geringe Gefahr brachte. In eifrigem Gebet flehten sie Gott um Rettung an, und Johann Wilhelm wählte bei dieser Gelegenheit den Spruch aus den Psalmen: „Dominus virtutum nobiscum“ zu seinem Wahlspruch, mit dem Bilde eines vom Sturme umhergeschleuderten Schiffes, welches Symbol wir so häufig bei allen von Johann Wilhelm ausgegangenen Werken wieder finden. Nachdem sich der Sturm gelegt, gelangten die Reisenden glücklich nach Antwerpen und von dort, nach kurzem Aufenthalt, nach Brüssel. In Brüssel verweilte der Prinz eine ganze Woche. Mehrere daselbst den Studien obliegende junge Edelleute aus dem Herzogthum 336 Jülich, von denen zwei Herrn von der Leyen, Werner von Harff, Franz Theodor von Beyssel=Gymnich und Wilhelm von Veldbrück namhaft gemacht sind, hatten dem Sohne ihres Landesherrn einen festlichen Empfang bereitet. Auch Walrath de la Torre wird genannt vielleicht derselbe, der später in intimere Verbindung mit Johann Wilhelm trat und an dem Hofe zu Düsseldorf die etwas zweideutige Rolle eines Goldmachers spielte. Unter abwechselnden Festen, welche zu Ehren des Prinzen veranstaltet waren, und unter Besichtigung der Merkwürdigkeiten verlief die Woche sehr schnell. Aber auch einen EtiquettenStreit haben wir zu notiren. Der Resident Rougemont berichtet an Herzog Philipp Wilhelm, daß der Prinz zwar sehr zufrieden mit dem dortigen Aufenthalt gewesen sei, aber es sehr übel genommen habe, daß der Spanische Statthalter ihm nicht den Titel „Altesse“ habe zuerkennen wollen, weshalb dessen Begrüßung unterblieben sei. Der Herzog billigt dieses Verhalten seines Sohnes und bedauert nur, daß dies verhindert habe, „daß Unser geliebtester Sohn bei dieser Gelegenheit seine zu Ihrer Königl. Mayestät in Spanien tragende devotion nicht erzeigen können“ Von Brüssel gingen die Reisenden über Mons und Valenciennes nach Paris, wo sie den 20. Januar 1675 anlangten. Bereits unter dem 4. December 1674 hatte Herzog Philipp Wilhelm dem Könige die bevorstehende Ankunft angezeigt und seinen Sohn angelegentlichst em pfohlen. Er schreibt: „Depuis que mon fils ainé a eu l’honneur d'approcher de V. M., il la regarde comme l'exemplair accompli de tous les Princes, car les vertus royales, dont l'une donne bien d'esclat aux autres regents, reluisent en Vous toutes, et comme elles donnent de l'admiration à tout le monde, elles ont inspiré une glorieuse ambition à mon fils de les aller contempler et imiter selon la proportion de sa sphère. Voilà, Sire, le principal but de la perégrination qu'il va faire, et comme je m'asseure que V. M. approuvera avec moi cette généreuse ambition de mon fils, je ne doubte, que Votre bénigne accueuil l'y encouragera; ce qu'il en profite sera la règle de toute sa vie et servira à le rendre capable à recognaistre toutes les graces, dont Votre main Royale prend plaisir de nous combler : Pour moi, Sire, comme je me suis devoué avec toute ma maison à V. M. et à sa maison Royale, je suis bien aise que mon fils y va suivre mes traces et Vous prouver, qu'il est en effet mon fils, c'est à-dire, qu'il est, préférablement à toute autre visée comme je suis véritablement, Sire, de Votre Majesté le très-humble &c 337 Ludwig XIV. hatte den Bischof von Straßburg, Franz Egon von Fürstenberg, beauftragt, den Gast zu bewillkommnen, was auch geschah. Erst mehrere Tage später, nachdem die Reisenden sich von der beschwerlichen Winterreise etwas erholt und sich in Bezug auf ihre äußere Erscheinung kostbar equipirt und genau mit dem Hof=Ceremoniel bekannt gemacht hatten, fand die Vorstellung beim Könige und dem Hofe statt, der damals in St. Germain residirte. Durch den Bischof von Straßburg und Herrn von Pomponne eingeführt, nahte sich der Prinz mit tiefster Ehrerbietung dem Könige und küßte ihm die Hand. Ludwig war sichtbar erfreut über den Anblick und gewiß noch mehr über die Ansprache des Prinzen, der dem damals allgewaltigen Herrscher Frankreichs nicht allein zu den im Laufe des vergangenen Jahres in den Niederlanden erfochtenen Siegen gratulirte, sondern in diese Glückwünsche auch diejenigen Vortheile mit hineinzog, welche die Französischen Waffen unter der Führung Türenne's in Deutschland errungen hatten. Wie mochte es dem stolzen Könige schmeicheln, hier den zukünftigen Erben eines deutschen Reichslandes huldigend vor sich zu sehen, der sich und sein Gebiet der Gnade des Siegers empfahl! Der König nahm die Huldigung des deutschen Fürsten gnädig entgegen, und mit einer gewissen Genugthuung erwähnt der Reisebeschreiber, daß Ludwig den Gast umarmt und „solus cum solo, tectus cum tecto“ vertraulichste Unterredung mit demselben gepflogen habe. Dann fand die Vorstellun bei der Königin, beim Dauphin, bei dem Herzog von Orleans und anderen Großen des Hofes statt. Auch sah Johann Wilhelm hier die Herzogin von Orleans, die bekannte originelle Elisabeth Charlotte von der Pfalz, seine Stammesverwandte, welche mitten in der sittlichen Versunkenheit des Pariser Hoflebens ihre deutsche Reinheit und Gemüthlichkeit zu bewahren gewußt hatte und trotz ihres wenig empfehlenden Aeußeren von dem Könige sehr bevorzugt und geschätzt wurde, da sie die Einzige war, welche es wagte, ihm in ihrer klaren und deutlichen Weise die Wahrheit zu sagen. Der Aufenthalt Johann Wilhelms in Paris zog sich durch fast zwei Monate hin. Sowohl vom Könige als vom Hofe stets ausgezeichnet, nahm er an allen Festlichkeiten und Vergnügungen des Hofes Theil. Er ergötzte sich an den Tragödien eines Corneille und Racine, so wie an den Comödien Molière's. Nicht weniger bewunderte er die Pracht der Opern und der Ballets, und übernahm gelegentlich der vom Hofe im engeren Kreise aufgeführten Schäferspiele mitunter selbst eine Rolle, wo er durch seine Grazie und besonders durch seinen ausgezeichneten Tanz die Bewunderung erregte. Mit dem damals 14jähri 338 gen Dauphin ritt er auf die Hasenhetze und Parforcejagd. Die Großen des Hofes kamen dem jungen Prinzen überall mit der größten Zuvorkommenheit entgegen; Prinz Condé, der Marschall von Grammont, der Herzog von Villeroy, der Cardinal von Bouillon, der gewaltige für Deutschland so gefährliche Kriegsminister Louvois, dem er noch speciell vom Vater empfohlen war, Alle bewiesen ihm große Ehre, kurz! das Leben in Paris und auf den Schlössern der Großen scheint ihm außerordentlich zugesagt zu haben. In wie weit bei diesem fröhlichen Festleben am Hofe die von dem frommen Vater vorgeschriebene Erziehungs=Instruction aufrecht erhalten worden sei, davon schweigt der Reisebeschreiber. Die Sitten des damaligen Pariser Hofes waren aber, trotz aller Verhüllung durch äußeren Luxus, nicht viel besser als mehrere Jahre später, von denen die Herzogin von Orleans schreibt „Alles was man in der Bibel liest, wie es vor der Sündfluth und in Sodom und Gomorrha zugegangen, kommt dem Pariser Leben nicht b Endlich war der Tag der Abreise gekommen. Philipp Christoph von Nesselrode traf von Düsseldorf in Paris ein, mit dem Auftrage des Herzogs, den Prinzen von dort nach England zu führen. Au dem Wege von Paris nach Calais war in allen Städten auf Befehl des Königs festlicher Empfang vorbereitet. Von den Wällen von Calais donnerten die Geschütze dem Prinzen ihren Festesgruß entgegen, und der Gouverneur, Herzog von Charron, harrte des Ankommenden an der äußersten Grenze des Festungsrayons und begleitete ihn durch die geschmückten Straßen zum Hafen, wo die vom Könige von England hinübergeschickte prachtvolle Vacht zu seiner Aufnahme bereit lag. Auch an den König Karl II. von England hatte Philipp Wilhelm unter dem 22. Januar 1675 geschrieben und ihm den Sohn dringend empfohlen. In dem Briefe heißt es u. A.: „Cette affection généreuse dont V. M. et ses glorieux ancètres ont toujours daigné ma maison et dont Elle me donne en particulier incessement des preuves, me promêt, qu'Elle recevra bénignement mon fils, et comme il n'a point d'autre vue, que de profiter de l'exemple de Vos vertus Royales pour en suivre les traces glorieuses le reste de sa vie, V. M. ne peut qu’approuver sa belle ambition et l’appuyer de Sa bienveillance ce sera à lui de tâcher de s'en rendre digne“ &c. Gleichzeitige Schreiben an die Lords Arlington, Coventry, Williamson, an den Herzog von Ormond 2c. waren nicht minder geeignet, dem Prinzen eine günstige Aufnahme in London zu bereiten. Die Ueberfahrt von Calais nach der Themsemündung verlief rasch und glücklich. Den 21. Mai 1675 stiegen die Reisenden in London 339 ans Land, wo der Prinz die ihm vom Könige angewiesene glänzend ausgestattete Wohnung bezog. Karl II. hatte es nicht vergessen, daß er einst, als er in Folge der Revolution von 1648, welche seinen Vater auf das Blutgerüst geführt, mit seinem jüngeren Bruder, dem Herzo von York, als Flüchtling umher irrte, am Hofe zu Düsseldorf gastliche Aufnahme gefunden. Der Englische Hof bewegte sich ebenso wie der Französische im raffinirtesten Luxus, und in London so wie in Paris verdrängte ein Fest das andere. In diesen Strudel wurde Johann Wilhelm mit hineingerissen und ergab sich demselben mit der ganzen Lust der Jugend. Sein Vetter, Prinz Robert von der Pfalz, der an dem verwandten Hofe sich aufhielt, die Herzoge von York, von Monmouth, Ormond, Norfolk, Arlington und andere Große, bemühten sich, ihm das Leben so angenehm als möglich zu machen. Die Pracht der Feste in den Pallästen und den Parks überstieg fast noch den Luxus des Pariser Hofes. Den Vergnügungen der Jagd, dem aufregenden Schauspiel der Thierkämpfe folgte der junge Prinz mit Leidenschaft in Gesellschaft des Königs und des ganzen Hofes. Ein großes Fest, welches die Königin ihrem Gemahl an dessen Geburtstage veranstaltet hatte, übertraf Alles, was bisher dagewesen war. Aber Johann Wilhelm versäumte es nicht unter diesen Zerstreuungen durch großartige Feste, auch den Merkwürdigkeiten und Kunstschätzen Londons seine Aufmerksamkeit zu schenken, wobei ihm besonders Guildhall imponirte. Am 10. Juni wurde ein Ausflug nach Windsor gemacht und dann Oxford besucht, dessen berühmte Universität dem jungen Prinzen mit Verleihung des DoctorHutes die höchsten academischen Ehren erzeigte und ihn mit einem weitschweifigen lateinischen Panegyricus begrüßte. Nachdem Johann Wilhelm in London noch einer Sitzung des Parlaments beigewohnt und dann seinerseits dem Könige und dem Hofe ein glänzendes Fest gegeben hatte, nahm er Abschied. Karl II. beschenkte ihn mit einem kostbaren Brillantringe und die Königin mit der ganzen königlichen Familie entließen ihn mit den besten Wünschen. In einem königlichen Wagen reiste er am 3. Juli von London ab über Rochester und Canterbury nach Dover, wo abermals eine königliche Pacht bereit lag, um ihn und sein Gefolge hinüberzuführen nach Dieppe. Von Dieppe begab sich der Prinz sogleich nach Fecamp, dem heute so bekannten Seebade, damals einer stillen Abtei, wo eben sein 15jähriger Bruder Ludwig Anton von seinem königlichen Pathen, Ludwig XIV. die einträgliche Pfründe als Abt zur Dotation erhalten hatte. Hier sollte einige Tage ausgeruht werden von den anstrengenden Strapazen 340 des Aufenthalts in England, und die P. P. Benedictiner boten Alles auf, um den Bruder ihres jungen Abtes würdig zu ehren. Nach den Aufzeichnungen des P. Packenins hat es aber auch hier nicht an Festlichkeiten gefehlt, und Ausflüge nach Honfleur und nach Havre unterbrachen den Aufenthalt in angenehmer Abwechselung. Das nächste Reiseziel war Rouen, wo der Prinz sein Absteigequartier im JesuitenCollegium nahm. Schon vor Antritt der Reise hatte Philipp Wilhelm in einem Schreiben an den P. Oliva in Rom, Praepositus generalis des Jesuiten=Ordens in Rom, den Sohn der Fürsorge des Ordens empfohlen und denselben gebeten, die Aufnahme des Prinzen überall, wo Jesuiten=Collegien wären, zu veranlassen. Bereitwillig war P. Oliva auf diesen Wunsch eingegangen, der dem Orden nicht wenig schmeichelte, eingedenk der Wohlthaten, welche der Orden dem Großvater Wolfgang Wilhelm verdankte. So finden wir denn auch die Reisenden aller Orten von den Jesuiten=Collegien festlich begrüßt und bewirthet. In Rouen wurde in dem herrlichen Garten des Collegiums ein großes Fest in Scene gesetzt, wobei in einem feierlichen Redeact das Lob des Prinzen in sieben Sprachen verkündet wurde. Ueber Chartres ging dann die Reise nach Orleans, wo ebenfalls im Jesuiten=Collegium große Festlichkeiten arrangirt waren. Ein hier einlaufender Brief des Königs an den Prinzen, worin Ludwig XIV. denselben als mon cher cousin anredet und ihn seiner fortdauernden Freundschaft versichert, erregte die größte Freude. Von Orleans wendeten die Reisenden sich wieder westlich nach der Bretagne, besuchten Rennes und Nantes und gingen dann durch die Vendee über Rochefort und Blaye nach Bordeaux und von dort, nach kurzem Aufenthalte, theils zu Wasser auf der Garonne, theils zu Lande, nach Toulouse. Die Schönheit des Landes und besonders auch die Vortrefflichkeit der Weine geben dem Reisebeschreiber Anlaß zu manchem bewundernden Ausruf. Ueber Narbonne, Nismes und Arles gelangten die Reisenden nach Marseille, wo die maritimen Einrichtungen den Prinzen lebhaft interessirten. Von dort ging es Rhone aufwärts nach Avignon und Lyon. Ueberall war der Prinz festlich empfangen und gefeiert worden. In den Festungen hatte er die Parole geben müssen, was nur dem Höchstcommandirenden zusteht. Mehr als Alle hatten ihn jedoch die Jesuiten in ihren Collegien gefeiert, um durch irgend eine großartige Schaustellung ihm ihre Ergebenheit auszudrücken. In Grenoble endlich trennte sich die Reisegesellschaft. Der Prinz an der Spitze der ihm zunächststehenden Gefährten, schlug den Weg 341 über die grande Chartreuse ein; Herr von Golstein führte die andere Colonne im Thale der Isere nach Montmeillant, der ersten Savoyischen Stadt. Der Herr von Nesselrode war schon in Avignon nach Düsseldorf zurückberufen worden, „da seine Anwesenheit im Lande dringend erforderlich so Nach mehr als dreimonatlichem abermaligem Aufenthalt in Frankreich wurde am 15. October 1675 die Grenze überschritten, und unser Reise beschreiber schüttelt den Staub Frankreichs von seinen Füßen, aber nicht ohne vorher noch der Königstreue, der Gewandtheit, der Gelehrsamkeit, den feinen und eleganten Sitten und der Jugenderziehung der Franzosen eine große Lobrede gehalten zu haben. Besonders hebt er ihre Mäßigkeit im Trinken hervor, woran die deutsche Jugend sich wohl ein Beispiel nehmen könne. Vielleicht mochten die seiner geistlichen Obhut anvertrauten lebenslustigen Rheinischen jungen Herrn ihm in diesem Punkte manchmal viel zu schaffen gemacht haben. Der nächste Besuch galt nun dem Savoyisch=Piemontesischen Hofe. Herzog Karl Emanuel war im Laufe des Sommers 1675 gestorben, und die Herzogin Witwe führte die vormundschaftliche Regierung für ihren neunjährigen Sohn Victor Amadeus. Von Montmeillant über Aiguebelle und la Chambre ging die Reise im Thale der Are nach St. Jean de Maurienne, dann über St. Michel und St. Andre nach Lans=le=Bourg, wo die Reisenden ihre Vorbereitungen trafen zum Uebergange über den Mont Cenis, der auf Maulthieren unter großen Schwierigkeiten ausgeführt ward. Abwärts gelangten sie dann im Thale der Dora riparia nach Turin. Nach viertägigem Aufenthalte daselbst, wo der Prinz wegen der herrschenden Hoftrauer sein Incognito bewahrte, ging er selbst mit einem Theile der Gefährten über Asti, Alessandria und Novi nach Genua, wo er den 27. October eintraf. Der Hofrath Vrsch aber schiffte sich mit dem Reste der Dienerschaft und dem Gepäck auf dem Po ein, um nach Ferrara vorauszugehen. In Genua wurde der Prinz im Namen der Republik durch die Marchesen Spinola und Durazzo begrüßt, die sich ihm zur Verfügung stellten. Im Hafen führte die Genuesische Flotte ihm zu Ehren ein Scheingefecht aus. Die von der Republik ihm angebotene Galeere zur Ueberfahrt schlug er jedoch aus und kehrte nach viertägigem Aufenthalt nach Novi zurück, um von dort nach Pavia zu gehen, wo die Reliquien des heiligen Augustinus verehrt und die Klöster der Franciscaner Carmeliten und Karthäuser besucht wurden. Dann eilte Johann Wilhelm nach Mailand, um am 4. November dem Feste des heiligen Karl Borromaeus beizuwohnen, welches dort mit Entfaltung großen kirchlichen 342 Pompes begangen ward. Einladungsschreiben des Herzogs Franz von Modena und des Herzogs. Ranucci Farnese von Parma baten den Prinzen um seinen Besuch, der zunächst in Parma beschlossen würde. Der Herzog kam den Reisenden an der Tarobrücke entgegen und führte seinen Gast in feierlichem Aufzuge in die Residenz, wo er sich bestrebte ihn durch ausgezeichnete Festlichkeiten zu ehren. Bei der Abreise wurde der Prinz abermals vom Herzoge mit großem Gefolge zur Modenesischen Grenze geleitet, wo bereits Prinz Aloysius von Este, Gouverneur von Reggio, des Ankommenden harrte. In Reggio wurde übernachtet und am folgenden Tage die Reise über Rubiera nach Modena fortgesetzt. Mit drei Prinzen und großem Gefolge war der Herzog dem Gaste entgegengeeilt und geleitete ihn in die Hauptstadt, wo festlicher Empfang vorbereitet war. Vor dem Pallaste und dem Hofe war die Garde aufgestellt und in den Sälen war große Cour mit Vorstellung der Minister und Hofleute. Abends erbat sich der Gouverneur vom Prinzen die Parole; Johann Wilhelm wollte diese höchste militärische Ehrenbezeugung bescheiden zurückweisen, da aber sein Sträuben nicht angenommen wurde, gab er als Parole: Obedisco! — welches als eine besonders geistreiche Antwort angenommen wurde. Wie der Empfang, so war auch der Abschied; in herzoglichen Sechsspännern wurden die Reisenden wieder bis zur Grenze geführt und betraten nun mit dem Uebergang über den Panaro das Gebiet des Papstes. Abends erreichten sie Bologna. In Bologna waren die Kirche des heil. Petronius, die Universität die verschiedenen Klöster, darunter in erster Reihe das Jesuiten=Collegium, die Bibliothek und die Sammlungen der Kunstschätze die nächsten Gegenstände der Besichtigung. Ein Tag wurde verwendet zum Besuch des auf dem Abhange der Apenninen gelegenen Klosters Michele, von wo sich eine weite Aussicht über die Ebene bis zur Adria eröffnete. Der Reisebeschreiber will sogar im Norden Mantua und Verona, im Süden Ancona und Loretto erblickt haben. Die zu Füßen der Beschauer liegende Stadt vergleicht er mit einem beladenen Schiffe, als dessen Mast der 330' hohe Asinelli=Thurm hervorrage. Mitte November verließ der Prinz Bologna und eilte über Imola Faenza, Forli, Cesena, Pesaro, Fano, Sinigaglia und Ancona nach Loretto, wo der Reisezug am 20. November eintraf. Johann Wilhelm und seine Begleiter begaben sich sogleich zu der berühmten Kirche, vor deren Pforte sie die Waffen ablegten und dann, voller Andacht die Kniee beugend, sich der in der Mitte des Tempels aufgestellten sancta casa näherten, um ihre Gebete zu verrichten. Am folgenden Tage einem Marienfeste, strahlte die Kirche in herrlichster Beleuchtung und 343 der Prinz sowohl als seine Begleiter waren durch die Feierlichkeit auf's höchste erbaut, jedoch, wie der Reisebeschreiber hervorhebt, mit Ausnahme eines Einzigen „Lutheri errore adhuc imbuti“. Ueberhaupt habe der Anblick des heiligen Ortes und die dort verrichtete Andacht so günstig auf das Gemüth der jungen Edelleute eingewirkt — erzählt P. Packenius daß sie unter sich eine Strafe von 200 Imperialen festsetzten für denjenigen, der nicht täglich der heiligen Jungfrau seine Gebete weihe; „eine andächtigere Wallfahrt eines deutschen Prinzen und deutscher Edelleute habe Italien niemals erblickt Von Loretto über Recanata, Tolentino, Saravalle, Feligno, Spoleto, Terni und Narni zogen die Reisenden nun gen Rom. Zu Primaporte, an der alten via Flaminia, kam der Herr von Gymnich ihnen entgegen, den der Cardinal Landgraf von Hessen, des Prinzen Oheim mit zwei Sechsspännern entsendet hatte, um seinen Neffen in die Stadt zu führen. Auch der vorausgegangene Hofrath Yrsch und der PfalzNeuburgische Resident bei dem päpstlichen Stuhle fanden sich zum Empfang hier ein. Während der größere Theil des Gefolges über den Ponte-Molle, durch die Porta del Popolo in die ewige Stadt einzog, fuhr der Prinz am 27. November mit wenigen Begleitern rechts ab durch die Engels=Pforte zu seinem Absteigequartier, einem ihm von der Familie Spada zur Verfügung gestellten Pallaste. Auch für die Aufnahme in Rom hatte Philipp Wilhelm schon früher sorgsame Vorbereitungen getroffen. Ein Empfehlungsschreiben an den Papst war unter dem 6. October von Benrath abgegangen, worin das Heil des Prinzen dem heiligen Vater dringend an's Hergelegt wird. Nicht minder war der Prinz den Cardinälen empfohlen worden, nicht nur dem Oheim, Cardinal von Hessen, sondern auch den Cardinälen Antonelli, Altieri, Rospiglioso, Chigi, Barbarino, Carpegna Ottoboni, Pio, so wie den Würdeträgern und Oberen der Gesellschaft Jesu. Auch der Königin Christine von Schweden, dieser merkwürdigen Frau, der Tochter Gustav Adolfs, welche im Alter von 28 Jahren dem Throne entsagt hatte, katholisch geworden war und jetzt, nach 22jährigem Aufenthalt in Frankreich, hier in Rom den Künsten und Wissenschaften lebte, empfahl Philipp Wilhelm seinen Sohn in einem Schreiben d. d. Benrath, den 6. October 1675, worin es heißt: „Mon fils ainé faisant le tour par quelques provinces de l'Europe pour y observer ce qui s’y trouve de plus rare, V. M. jugera facilement combien d’envie il doit avoir à se jetter à Vos pieds; il croit avec justice, Madame, qu'en s'approchant de Votre sacrée personne, il verra plus de raretés à la fois, qu'il n'en a pas trouvées dans toute l'étendue 344 des autres provinces, le ciel ayant pris plaisir, d'élever V. M. au dessus des autres hommes autant par la grandeur incomparable de Votre ame que par celles de Votre sang“ &c. Schon am folgenden Tage, Vormittags, fand sich der P. de Noyelle Assistent der Germanischen Jesuiten=Provinz, bei dem Prinzen ein, um ihm seine Aufwartung zu machen; Nachmittags erschien der P. Oliva zur Begrüßung. Dann besuchte Johann Wilhelm seinen Oheim, den Cardinal von Hessen, während er Herrn von Wachtendonk beauftragte der Königin Christine seine Ankunft anzuzeigen und sie in seinem Namen zu begrüßen. Auch den Cardinälen meldete Wachtendonk des Prinzen Ankunft, während Herr von Golstein mit gleichem Auftrage zu den in Rom anwesenden fremden Gesandten geschickt wurde. Zwei Tage nach der Ankunft fand die Vorstellung bei dem Papste statt. Clemens X ein würdiger Greis, ließ den Besuchenden am Fuße der Treppe durch den Ceremonienmeister empfangen. Kniebeugend nahte sich dann der junge Prinz dem auf dem Throne sitzenden heiligen Vater und küßte nach herkömmlicher Etikette das auf dem Pantoffel gestickte Kreuz Clemens hob den Knieenden auf, ließ ihm einen Sessel zu seiner Seite anweisen und unterhielt sich längere Zeit auf das Freundlichste mit ihm, erstaunt über dessen Fertigkeit und Gewandtheit in der italienischen Sprache. Dann wurde auch das Gefolge zum Fußkuß zugelassen. Der nächste Besuch galt nun den Cardinälen Altieri, Barberini und Nitardi. Da Letzterer als Gesandter des Königs von Spanien bei dem Päpstlichsten Stuhl beglaubigt war, so beschwerte sich der Pariser Hof bei dem Residenten Heis darüber, daß der Prinz in Rom dem Gesandten Spaniens früher einen Besuch abgestattet als dem Gesandten Frankreichs. Philipp Wilhelm, in seiner Besorgniß, den König Ludwig XIV. durch diesen Etikettefehler etwa beleidigt zu sehen, wies seinen Sohn darüber zurecht; dieser entschuldigte sich jedoch damit, daß er den Cardinal Nitardi nur als Cardinal und keineswegs als Gesandten Spaniens begrüßt habe, wodurch denn auch dieser Streit seine Erledigunfand. Auch die Königin Christine von Schweden wurde nicht vergessen welche an dem jungen Prinzen großen Gefallen fand und unter dem 14. December 1675 an den Herzog Philipp Wilhelm schrieb: „Je me rejouis avec Vous, de voir le Prince, Votre fils, si sage et si bien fait, qui employe si bien son temps dans ses études, exercises et voyages“ &c. Von allen Seiten hatte Johann Wilhelm die freundlichste Aufnahme gefunden. Sein Haushalt wurde nicht nur von Seiten des Papstes, sondern auch der Cardinäle mit Allem reichlich ausgestattet. Kostbare 345 Speisen und feine Weine wurden ihm übersendet, und die Königin Christine von Schweden stellte dem Prinzen noch nebenbei prachtvolle Equipagen und Pferde zur Verfügung. Alles Sehenswerthe wurde in Augenschein genommen. Dem Alterthum scheint Johann Wilhelm jedoch weniger Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, als der neueren Zeit, und die Kirchen und Klöster erregten sein besonderes Interesse. Das in diesem Jahre stattfindende Jubiläum und das Weihnachtsfest gaben Veranlassung zu ausgezeichneten kirchlichen Feierlichkeiten, von welchen der Prinz sehr eingenommen wurde. Auch den verschiedenen Anstalten für Kunst und Wissenschaft wurden Besuche abgestattet, darunter auch der einst durch den Kurfürsten Maximilian von Bayern dem Papste geschenkten berühmten Heidelberger Bibliothek; doch scheint diese dem Prinzen aus dem Pfälzischen Hause keine eigenthümlichen Gedanken erweckt zu haben, wenigstens erwähnt der Reisebeschreiber davon nichts. Besuche in den prächtigen Villen und Gärten der Römischen Großen und Ausflüge nach Tivoli, Frascati und Albano gaben eine angenehme Abwechselung in dem Festesleben in der Stadt. Ende Februar 1676, nach dreimonatlichem Aufenthalte in Rom schickte sich der Prinz zur Abreise an. Nachdem er die nöthigen Abschiedsbesuche gemacht, verließ er mit großem Gefolge Rom zur Reise nach Neapel. Auch hier wurde das Absteigequartier im Jesuiten=Collegium genommen. Am 4. März machten die Reisenden einen Ausflug nach dem Vesuv. Obgleich der Prinz sich befliß sein Incognito äußerlich zu bewahren, so hatte dennoch der Vice=König den Herzog del Isola zu seiner Begrüßung gesendet und Wagen und Pferde zur Verfügun gestellt. Den Schluß der Festlichkeiten in Neapel bildete wieder eine große Schaustellung mit Redeact, welche die Väter der Gesellschaft Jesu im Collegium veranstalteten. In acht verschiedenen Sprachen wurde der Prinz von den Zöglingen begrüßt und mit den schmeichelhaftesten Lobeserhebungen überschüttet. So sagte u. a. der französische Redner: „Nous admirons en Votre Auguste Personne toutes les vertus qui ont accompli les grands Héros de l'antiquité, et pour essayer de faire en trois mots Votre panégyrique, nous pourrons dire de Votre Altesse qu' avec l'ame de César possédant la fortune d'Alexandre, Elle a encore la bonne mine et la jeunesse d’Achille. Den 12. März 1676 verließ der Prinz Neapel, um nach Rom zurückzukehren, wo er das Osterfest zu feiern gedachte. Unterwegs wurde noch die berühmte Abtei Monte=Cassino besucht. Ueberall wurden dem Reisenden große Ehren erwiesen; ein ganz besonders feierlicher Empfang wurde ihm jedoch in der kleinen Stadt Rocca=Guiglielmiana bereitet. 346 Es war dies der Hauptort der gleichnamigen Herrschaft oder Baronie welche Herzog Philipp Wilhelm als ein Eigenthum seiner ersten Gemahlin der Polnischen Prinzessin Constantia, nach deren Tode († 1651) behalten hatte, und welche jetzt dem Prinzen, als ihrem Erbherrn, die größten Huldigungen darbrachte. Den 23. März traf der Reisezug wieder in Rom ein, an der Grenze des Weichbildes empfangen und im Namen des heiligen Vaters begrüßt vom Cardinal Pius. Schon zwei Tage nach der Ankunft wohnte der Prinz der unter der Bezeichnung Cavalcada bekannten Feierlichkeit bei, wo der Papst, am Feste Mariae Verkündigung, in großem festlichem Aufzuge nach der Kirche St. Maria supra Minervam fährt. Mehrere Deutsche, darunter die Prinzen von Sachsen=Gotha, Lichtenstein, Lobkowitz und viele Grafen und Barone, begrüßten bei dieser Gelegenheit ihren fürstlichen Landsmann. In der Charwoche wurden die sämmtlichen Kirchen Roms besucht. Am Charfreilage wohnte der Prinz im Vatican den erhabenen kirchlichen Feierlichkeiten und der Fußwaschung bei und hielt dann sein Osterfest, tief ergriffen von Allem, was er gehört und gesehen. Den 9. April endlich fuhr er zur Abschiedsaudienz beim Papste. Mit dessen Segen und reichen Geschenken an geweihten Rosenkränzen, Reliquien und kostbaren Münzen versehen, verließ er am 16. April die ewige Stadt. Ueber Viterbo, Aquapendente und Radicofani langte der Reisezug am 19. April in Buonconvento an. Es war dieser Tag der Geburtsta Johann Wilhelms, und in heimischer Weise wurde derselbe mit einem splendiden Mahle und vortrefflichem Weine festlich begangen, unter manchem Freudenausruf über die baldige Rückkehr nach Deutschland. Livorno und Pisa waren die nächsten Reiseziele, nachdem von Poggibonsi aus Herr Peruzzi nach Florenz entsendet war, um dem Großherzog von Etrurien den bevorstehenden Besuch des Prinzen anzumelden. In Livorno erhielt Johann Wilhelm die Nachricht von dem am 8. April erfolgten Tode der Kaiserin Claudia Felicitas, der zweiten Gemahlin Leopolds I. Zu ihrem Gedächtniß ließ er ein feierliches Todten=Amt halten, ohne zu ahnen, welche Bedeutung dieser Todesfall für seine Familie haben sollte. Ueber Lucca, wo der Senat der Republik den Prinzen feierlichst empfieng und begrüßte, dann über Pistoja ging die Reise nach Florenz, wo der Großherzogliche Pallast zum Absteigequartier bestimmt war. Am Hofe des Großherzogs Cosmo III. waltete zwar nicht mehr die einst so kräftige Regierung der Mediceer, aber genug der ehemaligen Herrlichkeit war noch übrig geblieben, um die Schwäche der jetzigen Regierung mit einem schimmernden Gewande zu verhüllen. So 347 finden wir denn auch hier, wie überall, eine glänzende Aufnahme und eine Reihe prachtvoller Feste. Der Großherzog und seine Umgebung führten den Prinzen zum Genusse der noch aus der früheren Glanz periode vorhandenen reichen Kunstschätze und aller sonstigen Merkwürdigkeiten und Schönheiten von Florenz und dessen Umgebungen. Entzückt von Allem, was er gesehen, verließ Johann Wilhelm Florenz am 30. April, nachdem er noch zuletzt dem mit reichen und kostbaren Waffen angefüllten Zeughause besonderes Interesse gewidmet hatte. Daß jetzt schon sein Auge auf die Prinzessin Anna Maria Louise oder Aloysia seine spätere zweite Gemahlin, gefallen sein soll, wie von Mehreren behäuptet wird, ist wohl mehr als zweifelhaft, da sich diese damals noch im Kindesalter befand. In rascherem Zuge ging es nun über Scarpenia und Pianora wieder nach Bologna. Der Uebergang über die Apenninen am 1. Mai war mühsam, aber vom herrlichsten Wetter begünstigt. Vergebens wurde der Prinz gebeten, in Bologna wiederum einen längeren Aufenthalt zu nehmen; er eilte der Heimat zu und ging über Ferrara, ohne sich dort aufzuhalten, nach Mantua, von dort nach Brescia und dann, am 8. Mai über Desenzano und Peschiera nach Verona. Hier wurde wieder ein Tag der Besichtigung der Stadt gewidmet und dann die Reise über Vicenza und Padua nach Venedig fortgesetzt. Am 12. Mai erblickte er zuerst die Königin der Adria, und eine prächtig geschmückte Gondel harrte seiner Ankunft, um ihn in die Stadt zu führen. Empfehlungsschreiben des Vaters an den Reichspostmeister Octavian Taxis und an den Prinzen Gonzaga hatten auch hier das Nöthige vorbereitet zu einer glänzenden Aufnahme Zehn Tage blieb der Prinz in Venedig und benutzte diese Zeit zur Besichtigung aller Merkwürdigkeiten. Der Doge und der Senat erwiesen ihm die größte Aufmerksamkeit, die Geistlichkeit blieb nicht zurück, und die Akademie feierte den Gast in künstlich gedrechselten, schmeichelhaften und überschwenglichen Sonetten. Am Himmelfahrtstage wohnte er der größten Festlichkeit Venedigs bei, wo nämlich der Doge auf dem reichgeschmückten Bucentaur in die Adria hinausfährt und einen kostbaren Ring in die Fluthen wirft, zum Symbol der Vermählung Venedigs mit dem Meere. Auch zu den benachbarten Inseln wurden mehrere Ausflüge unternommen. Der Doge machte dem scheidenden Prinzen reiche Geschenke in Venetianischen Schmucksachen und namentlich kostbaren Pokalen aus den berühmten Glasfabriken. Sorg fältig verpackt wurden diese Kunstschätze mit einem Holländischen Schiffe nach Düsseldorf versendet, wo sie später eine Zierde der reichen Kunst 348 sammlungen Johann Wilhelms ausmachten, aber leider! mit den anderen Kunstschätzen abhanden gekommen sind. Am 22. Mai verließ der Prinz Venedig; ein großes Gefolge Venetianischer Nobili gab ihm bis Mestre das Geleit. Ueber Treviso Conegliano, Sacile und Spilembergo war bald Artegno erreicht, im Gebiete des Patriarchen von Aquileja. Schon in Spilembergo hatten die Reisenden von einer bevorstehenden neuen Vermählung des Kaisers gehört; ein dunkles Gerücht nannte sogar schon die älteste Schwester des Prinzen als muthmaßliche Braut, ein Umstand, der nicht wenig zur Beschleunigung der Reise antrieb. Im Thale des Tagliamento, über Venzone und Risiutta, gelangte man bald durch die schwierigen Pässe der Kluse nach Pontabbia oder Pontaffel, einer Stadt, welche durch den gleichnamigen Grenzbach in einen italienischen und einen deutschen Theil getrennt wurde. Nach anderthalbjähriger Abwesenheit fühlten die Reisenden wieder deutschen Boden unter ihren Füßen, und es war ihr erstes Werk in der Heimat, diese Rückkehr durch ein Festmahl zu feiern, wobei auf das Wohl des Kaisers die Gläser geleert wurden. Ueber Tarvis und St. Veith eilten sie dann weiter und erreichten am 28. Mai Klagenfurt wo der Prinz im Namen des Kaisers vom Grafen Thun und dem Herrn von Rosenberg bewillkommnet wurde. In geflügelter Eile gin es dann weiter durch Steiermark, über Neumarkt, Leoben, Bruck a. d. Mur und Murzuschlag nach Schottwien, dem ersten Orte NiederOesterreichs. In Leoben war schon der Neuburgische Hofrath Schellerer dem Prinzen entgegengekommen, der Agent seines Vaters am Kaiserlichen Hofe, und hatte das frühere Verlobungsgerücht in soweit bestätigt daß die Prinzessin Eleonore wirklich Aussicht habe, Kaiserin zu werden. Bald hatte der Reisezug Neustadt und Traiskirchen erreicht, wo am 4. Juni der am Kaiserlichen Hofe accreditirte Kurkölnische Gesandte, Freiherr von Nesselrode zum Stein, den Prinzen empfing und ihn nach Wien führte. Der Kaiser hatte den Graf Traun'schen Pallast zu dessen Aufnahme bereit stellen lassen. Herzog Philipp Wilhelm, der mit väterlicher Sorgfalt die Reise seines Sohnes überwachte, hatte es auch hier nicht unterlassen, durch Empfehlungsschreiben an die Grafen von Oettingen und von Lamberg, vor Allem aber an den Beichtvater des Kaisers, das Terrain vorzubereiten. Er dachte an Alles und sorgte für Alles, was nur das Wohl seines Erbprinzen betraf. Besonders besorgt war er für die Gesundheit desselben, und Dr. Preyß muß darüber stets ausführlich berichten. Wie aus der vorliegenden Correspondenz hervorgeht, war dem Herzoge 349 von anderer Seite mitgetheilt worden, daß der Prinz kränklich aussehe „er halte keine gute Diät, solle Morgens nüchtern kalt trinken, nur Brot dazu essen“ u. s. w. Es wird dem Leibarzte eingeschärft, sorgfältiger darüber zu wachen. Dieser aber lehnt die Schuld von sich ab: „es sei dies gegen seinen Willen geschehen“ — schreibt er — „er habe dem Prinzen Morgens eine warme Suppe, Butterbrot und gesottene Eier empfohlen, leider! aber befolge derselbe nicht immer seine Verordnungen“ 2c. Mit der Krankheit scheint es aber nicht viel auf sich gehabt zu haben; denn wir finden den Prinzen gleich bei seiner Ankunft in Wien bei der Feier des Frohnleichnams=Festes. Der Graf von Herberstein begrüßte den Prinzen im Namen des Kaisers, der Graf von Oettingen im Namen der Kaiserin=Mutter und der Erzherzoginnen. Dann machte er seine Gegenbesuche und wurde zum Handkuß zugelassen. Vom Kaiser und der ganzen Kaiserlichen Familie mit zuvorkommender Freundlichkeit aufgenommen, von allen Magnaten mit der größten Ehrerbietung behandelt und von den Gesandten der auswärtigen Höfe stets einer vorzugsweisen Aufmerksamkeit gewürdigt, verbrachte Johann Wilhelm die Tage in Wien in fortwährendem Wechsel von Hof= und Privat=Festen. Auch mit anderen in Wien anwesenden deutschen Prinzen, wie dem Erbprinzen von Sachsen, den Prinzen von Baden, von Sachsen=Gotha und von Sachsen=Eysenberg (einer schon 1707 wieder erloschenen Ernestinischen Linie), ebenso mit vielen anderen deutschen Großen pflegte er den vertrautesten Umgang. Die Trauer um die vor drei Monaten erst verstorbene Kaiserin schien suspendirt zu sein; doch gaben der Tod des Kurfürsten von Bayern, der Herzogin Anna von Tyrol und besonders der Tod des Papstes Clemens X. Veranlassung zu neuen großartigen kirchlichen Trauer=Acten. „Der Prinz freute sich mit den Fröhlichen und trauerte mit den Klagenden berichtet P. Packenius — „doch war die Freude größer, da endlich das wichtige Ereigniß eintrat, womit das Gerücht sich schon lange beschäftigt hatte. Kaiser Leopold I., zum zweiten Male Wittwer, hatte nur eine einzige, jetzt siebenjährige Tochter, die spätere Kurfürstin von Bayern. Er war auf eine dritte Vermählung bedacht, und unter den verschiedenen in Vorschlag gebrachten Prinzessinnen hatte er sich endlich für die jetzt 21 Jahre zählende älteste Tochter des Herzogs Philipp Wilhelm von Pfalz=Neuburg, die Prinzessin Eleonore Magdalena, entschieden. Die Praeliminarien zu der ein öffentliches Geheimniß bildenden Verlobung zogen ſich hin bis zum Monat October, wo endlich die officielle Declaration erfolgte und zugleich der Tag der Vermählung auf den 14. 350 December in Passau festgesetzt wurde. Als künftiger Schwager des Kaisers genoß unser junge Prinz wo möglich noch größere Auszeichnungen als bisher. In dem engeren Umgange, der ihm dadurch in der Kaiserlichen Familie vergönnt war, lernte er auch die Erzherzogin Maria Anna näher kennen, die Stiefschwester des Kaisers, und es haben sich hier ohne Zweifel schon die Fäden angeknüpft, welche zu der späteren Vermählung führten, da namentlich auch die Kaiserin=Mutter dem Erb prinzen sehr zugethan war und ihn auffallend bevorzugte. Die Abreise des Prinzen von Wien erfolgte am 18. November, nach fünfmonatlichem Verweilen am Kaiserhofe. Den 20. November trafen die Reisenden in Neuburg ein, wo sich Herzog Philipp Wilhelm mit seiner ganzen Familie befand, um den Verhandlungen wegen der Verbindung seiner Tochter mit dem Kaiser näher zu sein. Groß war die Freude des Wiedersehens der Eltern und Geschwister nach so langer Trennung; denn Alles, was wir aus dem engeren Familienleben Philipp Wilhelms kennen, giebt uns das Bild einer glücklichen und zufriedenen Häuslichkeit, gewürzt durch gegenseitige Liebe der Eltern und Kinder!). Von seinen Brüdern feierlichst eingeholt, zogen der Prinund seine Reisegefährten in zwanzig sechsspännigen Wagen unter dem Vorritt von zwölf Trompetern und Heerpaukern in Neuburg ein. Eine unzählige Volksmenge begrüßte die Heimkehrenden mit lautem Jubelruf unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute aller Glocken. Am Eingange zur Hofburg standen die freudig bewegten Eltern mit dem ganzen Hofstaat und schlossen den Heimkehrenden in ihre Arme. Ehe jedoch der väterliche Pallast betreten wurde, begab sich der Zug zur festlich geschmückten Hauptkirche, wo ein Dankgottesdienst für die glückliche Heimkehr abgehalten ward. Der kurze Zwischenraum, welcher noch übrigblieb bis zur Zeit der Reise zur Kaiserlichen Vermählung nach Passau, füllte sich mit Festlichkeiten aus, da der Kaiserliche Gesandte, Fürst Ferdinand Dietrichstein, in Neuburg eingetroffen war, um die Kaiserbraut nach Passau zu geleiten. Den 2. December wurde die Reise angetreten. Ueber Ingol stadt, Neustadt, Scherting, Straubing, Platling und Velzhofen erreichte !) Die jüngeren Geschwister correspondirten eifrig mit dem auf Reisen befindlichen ältesten Bruder. Es liegen u. A. mehrere Briefe vor, worin sie auch demselben Mittheilung machen über den Verlauf ihrer Studien und ihm deutsche, französische, italienische und lateinische Ausarbeitungen zur Durchsicht und Beurtheilung vorlegen. Wenn auch historisch von geringerem Interesse, geben sie doch lebendiges Zeugniß von der innigen Anhänglichkeit der Geschwister untereinander. 351 der Brautzug am 9. December Neuburg am Inn, wohin der Kaiser seiner Braut entgegengekommen war. Drei Tage blieb hier das hohe Brautpaar in stiller Zurückgezogenheit im engeren Familienkreise; dann folgte am 13. December der feierliche Einzug und am 14. December die Vermählung Nach Beendigung der glänzenden Feste, welche dabei in Passau stattfanden, kehrte Herzog Philipp Wilhelm mit den Seinigen nach Neuburg zurück, um dort noch einige Zeit zu verweilen. Johann Wilhelm stattete in Begleitung seines Bruders Wolfgang Georg, der sich dem geistlichen Stande gewidmet hatte, dem Bischof von Augsburg einen längeren Besuch ab. Das Neujahrsfest wurde in der Familie festlich begangen, und die Vorbereitungen zur Heimreise nach Düsseldorf nahmen noch die Zeit bis zum Februar in Anspruch, wo am 14. Februar 1677 die Abreise erfolgte. Diese Reise des Herzogs Philipp Wilhelm und seiner Familie war eine fortgesetzte Reihe von Festlichkeiten, da die Landesherrn der weltlichen und geistlichen Gebiete, durch welche der Weg führte, sich es angelegen sein ließen, in dem Herzoge zugleich den Schwiegervater des Kaisers zu feiern. In den Grafschaften Oettingen und Hohenlohe im Gebiete des deutschen Ordens zu Mergentheim, der Bischöfe von Bamberg und Würzburg, der Kurfürsten von Mainz und von Trier überall war festlicher Empfang und Begrüßung. Selbst die kleinen Schwäbischen und Fränkischen Reichs= und Land=Städte ließen es nicht an Kanonendonner und Glockengeläute fehlen, und die ehrenwerthen Bürgermeister mit dem regierenden Raths= und Schöffen=Collegium hatten sich an den Stadtpforten aufgestellt, um dem durchreisenden Fürsten ihre Ehrerbietung zu beweisen. Der Reisebeschreiber weiß nicht genug zu erzählen von der Ehre, welche überall dem Herzoge und seiner Familie erwiesen wurde, und welche große Freude darüber namentlich der Erbprinz Johann Wilhelm gehabt habe. Ganz besonders aber hatte ihm der Spruch gefallen, mit welchem die Jungfrauen des zwischen Tauberbischofsheim und Werthheim gelegenen kleinen Städtchens Kühlsheim ihm den Ehrenwein credenzten: „Jung', hol Wein! Jungfrau schenk ein! Junker trink aus! Bauer zahl den Schmauß!" — und in der That gibt uns dieser Spruch in wenigen Worten den ganzen Inhalt der damaligen Lebensanschauung der jungen lebenslustigen Gesellen an den kleinen deutschen Höfen sowohl den weltlichen als den geistlichen. In Miltenberg schifften sich die Reisenden auf dem Main ein und fuhren stromabwärts über Hanau und Frankfurt nach Rüsselsheim, wo 352 sie von dem Landgrafen von Darmstadt begrüßt und bewirthet wurden. In Mainz, wo der damalige Kurfürst Damian von der Leyen große Festlichkeiten angeordnet hatte, wurde ein mehrtägiger Aufenthalt genommen, während dessen Johann Wilhelm alle Merkwürdigkeiten der Stadt in Augenschein nahm. Die Reise wurde zu Wasser auf dem Rheine fortgesetzt. Bingen, Bacharach, Caub ließen ihre Kanonen von den Wällen donnern, bei der Vorüberfahrt. In St. Goar empfing der Landgraf Ernst von Hessen=Rheinfels seinen langjährigen Freund den Herzog Philipp Wilhelm, dem er einst vor 25 Jahren (1652) im Bade zu Schwalbach die junge Elisabeth Amalie von Darmstadt zugeführt hatte, die geliebte Gemahlin des Herzogs und jetzt Mutter von 16 Kindern. Am Ufer des Rheines harrte der Landgraf mit seiner ganzen Familie der Ankommenden und führte seine Gäste auf sein Felsenschloß, wo das Mahl schon bereit stand. Boppard, Braubach und Oberlahnstein prangten im Festschmuck. Vom Ehrenbreitstein begrüßte der Kanonendonner die Ankommenden, und der Kurfürst von Trier, Johann Hugo von Orsbeck, befand sich mit seinem ganzen Hofstaate am Ufer, um den Herzog und die Seinigen als Gäste in Empfang zu nehmen. Folgenden Tages sollte die Reise fortgesetzt werden bis Mülheim weshalb zeitig aufgebrochen ward. Johann Wilhelm und sein Bruder hatten es sich aber nicht versagen können, in aller Frühe noch einen Gang auf den Ehrenbreitstein zu machen und die Festungswerke in Augenschein zu nehmen. Ohne anzulegen wurde die Reise zu Wasser ausgeführt. In Andernach credenzte der Magistrat den Reisenden den Ehrenwein auf dem Schiffe. In Sinzig, einer Jülichschen Enclave Kurkölns, hatten die Schützen des Amtes vier Schiffe ausgerüstet, mit denen sie ihrem Landesherrn das Geleit gaben. In Bonn wurde der Herzog von dem Kaiserlichen Commandanten begrüßt; denn die Stadt hatte damals Kaiserliche Garnison einnehmen müssen, und Kurfürst Maximilian Heinrich saß in dem Erzbischöflichen Pallaste zu Köln und grollte mit dem Kaiser, der ihm seinen geliebten Rathgeber Wilhelm von Fürstenberg gewaltsam vertrieben hatte. Die Reichsstadt Köln ließ dem Herzoge auf dem Schiff durch die beiden Bürgermeister Cronenberg und de Groote den Ehrenwein darreichen. Erst spät Abends kamen die Reisenden in Mülheim an. Eine große Zahl von Herren der Bergischen Ritterschaft war dorthingekommen zur Bewillkommnung und Beglückwünschung der Heimkehrenden. Am folgenden Tage machte der Herzog allein, im verschlossenen Wagen, dem Kurfürsten Maximilian Heinrich in Köln einen Besuch und kehrte bald 353 nach Mülheim zurück. Trotz des widrigen Windes und der hohen Wellen, welche der Rhein schlug, schifften sich dann die Reisenden wieder ein. Die Fahrt ging nur langsam vorwärts und erst am späten Abend nahete man sich der Stadt Düsseldorf. In gespanntester Erwartung hatten hier bereits seit sechs Stunden die Räthe und die Bürger der Ankommenden geharrt. Mit nicht enden wollendem Jubelruf wurden die Heimkehrenden begrüßt. Vom Bergerthor, am Hafen, bis zum Ratingerthore waren die bewaffneten Bürger=Compagnien aufgestellt und bildeten Spalier. Unter Fackelbegleitung und Illumination zog der Herzog mit seinem ganzen Gefolge hindurch zur Andreas= oder HofKirche. Dort empfing ihn die Geistlichkeit und geleitete ihn zum Altare, um zunächst Gott zu danken für die glückliche Heimkehr des Erbprinzen und für alles Gute, welches seinem Hause in der letzten Zeit wiederfahren. Erst nach Beendigung des Gottesdienstes bewegte sich der Zug durch die Mühlenstraße zum Schloß. So war nun Johann Wilhelm am 7. März 1677 wieder nach Düsseldorf zurückgekehrt, welche Stadt er am 4. December 1674 verlassen hatte, um seine große Tour anzutreten. Fragen wir nun nach den Früchten dieser Reise, so müssen wir zugestehen, daß der Prinz zwar Vieles gesehen und Manches erlebt hatte während der mehr als zweijährigen Abwesenheit von der Heimat. Gehen wir aber auf das Gesehene und Erlebte näher ein, so finden wir nur Weniges, welches dazu hätte beitragen können, die Vorzüge eines künftigen Landesherrn nach heutigen Begriffen zu wecken; weit eher gelangen wir zur Erkenntniß des Gegentheils. Am Hofe zu Paris sah der junge Prinz die ausgebildetste Autokratie, verkörpert in der Person Ludwigs XIV. und bestätigt durch dessen eigenen Ausspruch: l'état c'est moi! Ludwig, damals schon auf der Höhe seiner Macht, war die Central=Sonne, um welche sich Alles bewegte. Ein Heer von Schmeichlern umgab ihn und bestärkte ihn in seiner Selbstvergötterung, welche sich bei allen Hoffesten wiederspiegelte und in allem Aeußeren den raffinirtesten Luxus sich dienstbar gemacht hatte. Zwar war die Zeit noch nicht gekommen, wo der alternde König unter der Leitung der Frau von Maintenon die Rolle des frommen Büßers spielte, dafür aber stand jetzt die Frivolität am französischen Hofe in höchster Blüthe, welche später, nach dem Vorbilde des allge waltigen Königs, sich ebenfalls in das Büßergewand hüllte und der Typus in's Leben rief, den Molière in seinem Tartüffe schon früher vorgezeichnet hatte. In der Staatsverwaltung galt allein die Meinung des Königs, welche jedoch von den an der Spitze der verschiedenen 354 Zweige stehenden Großen geschickt geleitet werden konnte, wenn sie es nur klug anfaßten und der geheiligten Person des Herrschers immer den unbedingt geforderten Glanz zuzumessen nicht vergaßen. Die Einkünfte des Landes wurden auf die heilloseste Weise vergeudet, und die Großen schwelgten, während das Volk darbte. Nicht besser war es in London bestellt. König Karl II., vor 15 Jahren nach dem Sturze Cromwell's durch den General Monk wieder auf den Thron gerufen, den sein Vater mit dem Blutgerüste hatte ver tauschen müssen, schien nur um des Genusses willen den Thron bestiegen zu haben. Das Ministerium Cabal (nach den Anfangsbuchstaben seiner Mitglieder: Clifford, Ashley, Buckingham, Arlington und Lauderdale benannt), welches offen zur Unterdrückung der kaum errungenen politischen und kirchlichen Freiheit Englands gewirkt, indem es sich die Wiederherstellung des Katholicismus und der absoluten Königsgewalt zur Aufgabe gestellt hatte, war zwar seit einem Jahre gestürzt, aber die Zwecke desselben hatten unter der Leitung des Herzogs von York deshalb nicht aufgehört, und die Cabale blühte am englischen Hofe heimlich fort. Der König, ganz und gar den Vergnügungen ergeben, kümmerte sich wenig um die Regierung, und suchte durch glänzende Feste sich schadlos zu halten für die durch das Parlament ihm abgezwungenen Verluste an Königlicher Macht. Wenn ihm nur genügend Geld bewilligt wurde, war er gerne bereit zum Nachgeben, da es ihm wol an Macht, aber gewiß nicht an gutem Willen fehlte, um die im Parlament repräsentirte Stimme des Landes gänzlich zu unterdrücken. Die italienische Reise führte den jungen Prinzen in ihm zum Theil neue Verhältnisse. Hatte er in Paris und London das bewegte Leben der großen Höfe kennen gelernt, so boten die kleinen italienischen Höfe ihm zwar ein Spiegelbild des dort Gesehenen im verjüngten Maßstabe aber verbunden mit einem Streben nach gediegener Bildung in den Gebieten der Kunst und der Wissenschaft. Er fand hier ein mehr heiteres Vergnügungsleben, gewürzt durch die Genüsse der aus den vorigen Jahrhunderten überlieferten Epoche der Blüthe aller Kunst. Die Republiken Italiens konnten ihm das Verständniß eines Staatslebens eröffnen, welches sich nicht um eine einzige Person bewegte, wenn er überhaupt Sinn dafür gehabt hätte. Er sah aber nur die Wirkungen, ohne nach den Ursachen sich umzusehen. In Rom liefen alle diejenigen Fäden zusammen, an denen die Politik aller katholischen Höfe geleitet wurde. Der Schwerpunkt lag hier in der confessionellen Auffassung der Politik, und was der Prinz hier sah, wird ihm wenig genutzt haben zu erschöpfenden Studien für die Regierung eines Landes, 355 in welchem der Protestantismus große Verbreitung gefunden hatte. In Wien endlich fand der Reisende die Allmacht der steifen Spanischen Etiquette, getragen von dem Gedanken der Erhabenheit des Kaiserthums des heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, dem Alles in Deutschland unterthan sein müsse. Zu diesen lediglich äußeren Eindrücken treten noch hinzu die Auszeichnungen, mit welchen der Sprößling eines verhältnißmäßig kleinen deutschen Fürstenhauses überall empfangen und aufgenommen worden war, Auszeichnungen, welche nur zu leicht dazu beitragen konnten, das Gefühl des eigenen Werthes bei einem noch nicht zwanzigjährigen Jünglinge bis zu einer Höhe zu steigern, welche nothwendig zur Selbstüberschätzung führen mußte. Sehen wir nun, wie auch die Vertreter der verschiedenen nicht monarchischen Staaten mit den größeren und kleineren Höfen wetteifern in Aufmerksamkeit gegen den fürstlichen Gast, so konnte der Prinz sich dadurch in seinem Selbstgefühl nur noch bestärkt finden. Die über triebensten Lobsprüche und die crassesten Schmeicheleien endlich, mit denen Johann Wilhelm von den Jesuiten in ihren Collegien gleichsam überschüttet wurde, bildeten zu Allem den Schlußstein und ließen das schon vorhandene Gefühl des eigenen Werthes und der Würde seiner fürstlichen Stellung als unfehlbar erscheinen. Wir dürfen daher wol mit größtem Recht die Wurzel des späteren Auftretens Johann Wilhelms, nachdem er selbständiger Landesherr geworden, in dieser Reise erblicken, auf welcher er die Vorbilder zu seinen späteren Handlungen gesucht und gefunden hat. Die nächste Zeit nach seiner Rückkehr scheint Johann Wilhelm in friedlicher Ruhe in Düsseldorf zugebracht zu haben, gleichsam zehrend von den Erinnerungen und den Eindrücken der Reise. Wir finden ihn unbekümmert um die kriegerischen Ereignisse, welche damals grade die Grenzen der Herzogthümer beunruhigten und vielfach über dieselben in das Land hereinbrachen. Nicht allein die Franzosen zogen sengend und brennend in der Eifel und im Jülichschen umher, auch die gegen dieselben verbündeten Holländischen, Münsterschen, Hannoverschen und Brandenburgischen Söldner kannten keine Schonung da, wo sie ihre Quartiere aufschlugen. Zwar verlieh Philipp Wilhelm im April 1677 dem Erbprinzen das bisher vom Feldmarschall Grafen von Schellwerdt innegehabte Infanterie=Regiment, welches, zur Zeit gegen Subsidien den Generalstaaten dienend, zu Brügge in Flandern stand und jetzt, unter Führung des Oberstlieutenant von Burgsdorff, als „Leibregiment des Erbprinzen“ auf 1000 Mann complettirt, nach Düsseldorf in Garnison 356 gelegt wurde; daß aber der Prinz etwa an der Spitze seines Regiments thätig aufgetreten wäre, finden wir nirgendwo angeführt. Auch von den Conferenzen, welche Herzog Philipp Wilhelm in diesem Jahre in Wesel mit dem Kurfürsten von Brandenburg und in Werden mit dem kriegerischen Bischof Bernhard von Galen von Münster hielt, scheint der Erbprinz nicht berührt worden zu sein. Schon im folgenden Jahre 1678 finden wir Johann Wilhelm aber mals auf der Reise nach Wien. Es galt einem neuen erfreulichen Doppel=Ereignisse für das Neuburgische Haus. Im Frühjahre war der Hof in Neuburg, wohin der Kaiser den Grafen von Altheim sendete um seinen Schwiegervater, den Herzog, und dessen Familie nach Wien einzuladen, wo die Entbindung der Kaiserin bevorstand. Anfangs Juli schiffte sich die Herzogliche Familie mit einem Gefolge von hundert Personen auf der Donau ein und erreichte bald Wien, wo am 26. Juli 1678 dem Kaiser ein Sohn geboren wurde, den die Großmutter Herzogin Elisabeth Amalie, über die Taufe hielt; es war der spätere Kaiser Joseph I. Glänzende Feste feierten dieses für das Kaiserliche Haus so wichtige Ereigniß. Reiche Gnadenbezeugungen vertheilte der Kaiser nach allen Seiten, wobei die Neuburger selbstredend nicht zu kurz kamen denn Philipp Wilhelm wußte diese günstige Stimmung seines Kaiserlichen Schwiegersohnes geschickt zu benutzen. Wir haben früher gesehen, wie Johann Wilhelm während seines ersten Aufenthalts in Wien im vertraulicheren Verkehr in der Kaiserlichen Familie die Erzherzogin Maria Anna Josepha kennen gelernt hatte. Jetzt war dieser vertrau liche Verkehr fortgesetzt worden, und nach erfolgter Werbung wurde im September die Verlobung ausgesprochen und die näheren Beredungen wegen der Vermählung waren angeknüpft. Um die Dynastie der Neuburger in den Herzogthümern Jülich und Berg ganz sicher zu stellen, erlangte Philipp Wilhelm vom Kaiser unter dem 17. October 1679 ein Patent, worin der von Kaiser und Reich bis dahin noch nicht officiell anerkannte, mit Kurbrandenburg im Jahre 1666 zu Cleve abgeschlossene Theilungsvertrag der ehemaligen reichen Jülich=Clevischen Erbschaft die Kaiserliche Bestätigung erhielt und somit von Reichswegen legalisirt wurde, trotz des Widerspruches der von mehreren Seiten, unter anderen auch wiederum von Sachsen dagegen erhoben wurde. Am 20. October begab sich nun der Kaiser liche Hof nach Neustadt, wohin Philipp Wilhelm nachfolgte. Am 24. October früh fuhr Prinz Johann Wilhelm mit zwei Wagen und 24 357 Pferden von Nußdorf ab, verließ jedoch den Zug und ritt, Wien unbe rührt lassend, spät Abends in die Kaiserliche Burg zu Neustadt ein in aller Stille. Am folgenden Tage, den 25. October Abends 10 Uhr, vollzog der Bischof Graf Colonitsch daselbst die Trauung — „wonach das Te Deum Laudamus gesungen, die Stücke auf den Wällen gelöset und alles erfreulich geendet worden“ — heißt es in einem die Feier beschreibenden Bericht. Bis Anfangs November verblieben die Neuvermälten in Neustadt und kamen den 3. November nach Wien, wo jetzt am Hofe die eigentlichen Vermählungsfestlichkeiten gefeiert wurden. Nach kurzem Aufenthalte zogen sie weiter nach Neuburg, wo sie bis zum Sommer des nächsten Jahres verweilten. Herzog Philipp Wilhelm hatte seinem Sohne als Hochzeits=Angebinde die Uebergabe der Regierung in Jülich und Berg in Aussicht gestellt, vielleicht auch auf Veranlassung des Kaisers, der seine Stiefschwester gerne im Range einer regierenden Fürstin sehen wollte. Unter dem 1. August 1679 stellte nun Philipp Wilhelm ein die Uebergabe der Regierung der Herzogthümer Jülich und Berg an den Erbprinzen Johann Wilhelm documentirendes Patent aus, worin als Motiv der Uebergabe angeführt wird: „wie es der jetzigen Herzogthümer Wohlfahrt unumgänglich erfordere, daß ein Landtsfürst bei der Stelle seie, und in Person allda regiere, auch zu der Landen und getreuer lieber Unterthanen conservation und Sicherheit seine Landtsfürstliche väterliche manutenentz und protection gegenwärtig ertheile“ 2c. Höchst vorsichtig und pünktlich in Allem, was er unternahm, hatte Philipp Wilhelm aber auch eine ausführliche Instruction entworfen, welche seinem Sohne als Leitfaden dienen sollte in der Verwaltung und Regierung der seiner Obhut anvertrauten Lande. Diese Instruction enthält vortreffliche Ermahnungen zur Handhabung der Ordnung, der Rechtspflege und auch der Sparsamkeit. Daneben hatten viele praktische Rathschläge eine Stelle gefunden in Bezug auf die speciellen Bedürfnisse der niederrheinischen Länder. Wie es aber von dem stren methodoxen und frommen Sinne Philipp Wilhelms nicht anders zu erwarten war, so waltete auch hier das confessionelle Element vor. Es wurde dem Sohne eingeschärft, „sich besonders die Fortpflanzung der alleinseligmachenden katholischen Religion angelegen sein zu lassen; bei Besetzung der geistlichen und weltlichen Stellen solle er ganz vorzüglich darauf achten, daß die irrenden Schäflein nicht länger verloren und die Katholischen durch allerhand Listigkeiten verführt oder durch Begünstigungen der Protestanten muthlos gemacht würden.“ Eine 358 treue Anhänglichkeit an den Kaiser und das Kaiserliche Haus, die dem Sohne zur heiligsten Pflicht gemacht wurde, bildeten den Schlußstein! So ausgerüstet trat nun Johann Wilhelm, als Landesherr, mit seiner jungen Gemahlin die Heimreise an und traf im August 1679 in Düsseldorf ein, empfangen von dem Jubel der Bevölkerung. Er übernahm die Regierung unter vorläufig friedlichen Verhältnissen, da der inzwischen geschlossene Nymweger Friede dem verheerenden Kriege für jetzt ein Ende gemacht hatte. Gewiß hat der neue Landesherr den besten Willen gehabt, in allen Stücken den guten Lehren seines Vaters Folge zu leisten. In wie weit er den in ihn gesetzten Erwartungen entsprochen hat, würde ein näheres Eingehen auf die Geschichte seiner Regierung darthun müssen. Philipp Wilhelm, der sich nur die Leitung der äußeren Politik vorbehalten hatte, jetzt 63 Jahre alt, blieb in Neuburg in seinem glücklichen Familienkreise, wo ihm seine geliebte Gemahlin in diesem Jahre noch die jüngste und letzte Tochter schenkte, die Prinzessin Leopoldine Eleonore, welche jedoch nur ein Alter von 14 Jahren erreichte, da sie 1693 in Düsseldorf starb. 1) Die Instruction ist weder im Original noch in Abschrift im Archiv zu Düsseldorf vorhanden. Professor Häusser hat dieselbe im Pfälzischen Archiv zu Carlsruhe eingesehen und in „Geschichte der Rheinischen Pfalz“ im Auszuge mitgetheilt.