354Zweige stehenden Großen geschickt geleitet werden konnte, wenn sie esnur klug anfaßten und der geheiligten Person des Herrschers immerden unbedingt geforderten Glanz zuzumessen nicht vergaßen. Die Ein-künfte des Landes wurden auf die heilloseste Weise vergeudet, und dieGroßen schwelgten, während das Volk darbte.Nicht besser war es in London bestellt. König Karl II., vor 15Jahren nach dem Sturze Cromwell's durch den General Monk wiederauf den Thron gerufen, den sein Vater mit dem Blutgerüste hatte vertauschen müssen, schien nur um des Genusses willen den Thron bestiegenzu haben. Das Ministerium Cabal (nach den Anfangsbuchstaben seinerMitglieder: Clifford, Ashley, Buckingham, Arlington und Lauderdalebenannt), welches offen zur Unterdrückung der kaum errungenen politi-schen und kirchlichen Freiheit Englands gewirkt, indem es sich die Wie-derherstellung des Katholicismus und der absoluten Königsgewalt zurAufgabe gestellt hatte, war zwar seit einem Jahre gestürzt, aber dieZwecke desselben hatten unter der Leitung des Herzogs von York deshalbnicht aufgehört, und die Cabale blühte am englischen Hofe heimlichfort. Der König, ganz und gar den Vergnügungen ergeben, kümmertesich wenig um die Regierung, und suchte durch glänzende Feste sichschadlos zu halten für die durch das Parlament ihm abgezwungenenVerluste an Königlicher Macht. Wenn ihm nur genügend Geld be-willigt wurde, war er gerne bereit zum Nachgeben, da es ihm wolan Macht, aber gewiß nicht an gutem Willen fehlte, um die im Parla-ment repräsentirte Stimme des Landes gänzlich zu unterdrücken.Die italienische Reise führte den jungen Prinzen in ihm zum Theilneue Verhältnisse. Hatte er in Paris und London das bewegte Lebender großen Höfe kennen gelernt, so boten die kleinen italienischen Höfeihm zwar ein Spiegelbild des dort Gesehenen im verjüngten Maßstabeaber verbunden mit einem Streben nach gediegener Bildung in denGebieten der Kunst und der Wissenschaft. Er fand hier ein mehrheiteres Vergnügungsleben, gewürzt durch die Genüsse der aus denvorigen Jahrhunderten überlieferten Epoche der Blüthe aller Kunst.Die Republiken Italiens konnten ihm das Verständniß eines Staats-lebens eröffnen, welches sich nicht um eine einzige Person bewegte,wenn er überhaupt Sinn dafür gehabt hätte. Er sah aber nur dieWirkungen, ohne nach den Ursachen sich umzusehen. In Rom liefenalle diejenigen Fäden zusammen, an denen die Politik aller katholischenHöfe geleitet wurde. Der Schwerpunkt lag hier in der confessionellenAuffassung der Politik, und was der Prinz hier sah, wird ihm weniggenutzt haben zu erschöpfenden Studien für die Regierung eines Landes,
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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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