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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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353nach Mülheim zurück. Trotz des widrigen Windes und der hohenWellen, welche der Rhein schlug, schifften sich dann die Reisenden wiederein. Die Fahrt ging nur langsam vorwärts und erst am späten Abendnahete man sich der Stadt Düsseldorf. In gespanntester Erwartunghatten hier bereits seit sechs Stunden die Räthe und die Bürger derAnkommenden geharrt. Mit nicht enden wollendem Jubelruf wurdendie Heimkehrenden begrüßt. Vom Bergerthor, am Hafen, bis zumRatingerthore waren die bewaffneten Bürger=Compagnien aufgestellt undbildeten Spalier. Unter Fackelbegleitung und Illumination zog derHerzog mit seinem ganzen Gefolge hindurch zur Andreas= oder Hof-Kirche. Dort empfing ihn die Geistlichkeit und geleitete ihn zum Altare,um zunächst Gott zu danken für die glückliche Heimkehr des Erbprinzenund für alles Gute, welches seinem Hause in der letzten Zeit wieder-fahren. Erst nach Beendigung des Gottesdienstes bewegte sich derZug durch die Mühlenstraße zum Schloß.So war nun Johann Wilhelm am 7. März 1677 wieder nachDüsseldorf zurückgekehrt, welche Stadt er am 4. December 1674 ver-lassen hatte, um seine große Tour anzutreten. Fragen wir nun nachden Früchten dieser Reise, so müssen wir zugestehen, daß der Prinzzwar Vieles gesehen und Manches erlebt hatte während der mehr alszweijährigen Abwesenheit von der Heimat. Gehen wir aber auf dasGesehene und Erlebte näher ein, so finden wir nur Weniges, welchesdazu hätte beitragen können, die Vorzüge eines künftigen Landesherrnnach heutigen Begriffen zu wecken; weit eher gelangen wir zur Erkennt-niß des Gegentheils.Am Hofe zu Paris sah der junge Prinz die ausgebildetste Auto-kratie, verkörpert in der Person Ludwigs XIV. und bestätigt durch desseneigenen Ausspruch: l'état c'est moi! Ludwig, damals schon auf derHöhe seiner Macht, war die Central=Sonne, um welche sich Alles be-wegte. Ein Heer von Schmeichlern umgab ihn und bestärkte ihn inseiner Selbstvergötterung, welche sich bei allen Hoffesten wiederspiegelteund in allem Aeußeren den raffinirtesten Luxus sich dienstbar gemachthatte. Zwar war die Zeit noch nicht gekommen, wo der alternde Königunter der Leitung der Frau von Maintenon die Rolle des frommenBüßers spielte, dafür aber stand jetzt die Frivolität am französischenHofe in höchster Blüthe, welche später, nach dem Vorbilde des allgewaltigen Königs, sich ebenfalls in das Büßergewand hüllte und derTypus in's Leben rief, den Molière in seinem Tartüffe schon frühervorgezeichnet hatte. In der Staatsverwaltung galt allein die Meinungdes Königs, welche jedoch von den an der Spitze der verschiedenen