349von anderer Seite mitgetheilt worden, daß der Prinz kränklich aussehe„er halte keine gute Diät, solle Morgens nüchtern kalt trinken, nurBrot dazu essen“ u. s. w. Es wird dem Leibarzte eingeschärft, sorg-fältiger darüber zu wachen. Dieser aber lehnt die Schuld von sich ab:„es sei dies gegen seinen Willen geschehen“ — schreibt er — „er habedem Prinzen Morgens eine warme Suppe, Butterbrot und gesotteneEier empfohlen, leider! aber befolge derselbe nicht immer seine Verord-nungen“ 2c. Mit der Krankheit scheint es aber nicht viel auf sichgehabt zu haben; denn wir finden den Prinzen gleich bei seiner Ankunftin Wien bei der Feier des Frohnleichnams=Festes.Der Graf von Herberstein begrüßte den Prinzen im Namen desKaisers, der Graf von Oettingen im Namen der Kaiserin=Mutter undder Erzherzoginnen. Dann machte er seine Gegenbesuche und wurdezum Handkuß zugelassen. Vom Kaiser und der ganzen KaiserlichenFamilie mit zuvorkommender Freundlichkeit aufgenommen, von allenMagnaten mit der größten Ehrerbietung behandelt und von den Gesandtender auswärtigen Höfe stets einer vorzugsweisen Aufmerksamkeit gewürdigt,verbrachte Johann Wilhelm die Tage in Wien in fortwährendem Wechselvon Hof= und Privat=Festen. Auch mit anderen in Wien anwesendendeutschen Prinzen, wie dem Erbprinzen von Sachsen, den Prinzen vonBaden, von Sachsen=Gotha und von Sachsen=Eysenberg (einer schon1707 wieder erloschenen Ernestinischen Linie), ebenso mit vielen anderendeutschen Großen pflegte er den vertrautesten Umgang. Die Trauerum die vor drei Monaten erst verstorbene Kaiserin schien suspendirtzu sein; doch gaben der Tod des Kurfürsten von Bayern, der HerzoginAnna von Tyrol und besonders der Tod des Papstes Clemens X.Veranlassung zu neuen großartigen kirchlichen Trauer=Acten. „DerPrinz freute sich mit den Fröhlichen und trauerte mit den Klagendenberichtet P. Packenius — „doch war die Freude größer, da endlichdas wichtige Ereigniß eintrat, womit das Gerücht sich schon langebeschäftigt hatte.Kaiser Leopold I., zum zweiten Male Wittwer, hatte nur eineeinzige, jetzt siebenjährige Tochter, die spätere Kurfürstin von Bayern.Er war auf eine dritte Vermählung bedacht, und unter den verschiedenenin Vorschlag gebrachten Prinzessinnen hatte er sich endlich für die jetzt21 Jahre zählende älteste Tochter des Herzogs Philipp Wilhelm vonPfalz=Neuburg, die Prinzessin Eleonore Magdalena, entschieden. DiePraeliminarien zu der ein öffentliches Geheimniß bildenden Verlobungzogen ſich hin bis zum Monat October, wo endlich die officielle Decla-ration erfolgte und zugleich der Tag der Vermählung auf den 14.
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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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