346Es war dies der Hauptort der gleichnamigen Herrschaft oder Baroniewelche Herzog Philipp Wilhelm als ein Eigenthum seiner ersten Gemahlinder Polnischen Prinzessin Constantia, nach deren Tode († 1651) behaltenhatte, und welche jetzt dem Prinzen, als ihrem Erbherrn, die größtenHuldigungen darbrachte. Den 23. März traf der Reisezug wieder inRom ein, an der Grenze des Weichbildes empfangen und im Namendes heiligen Vaters begrüßt vom Cardinal Pius.Schon zwei Tage nach der Ankunft wohnte der Prinz der unterder Bezeichnung Cavalcada bekannten Feierlichkeit bei, wo der Papst,am Feste Mariae Verkündigung, in großem festlichem Aufzuge nach derKirche St. Maria supra Minervam fährt. Mehrere Deutsche, darunterdie Prinzen von Sachsen=Gotha, Lichtenstein, Lobkowitz und viele Grafenund Barone, begrüßten bei dieser Gelegenheit ihren fürstlichen Lands-mann. In der Charwoche wurden die sämmtlichen Kirchen Roms besucht.Am Charfreilage wohnte der Prinz im Vatican den erhabenen kirchlichenFeierlichkeiten und der Fußwaschung bei und hielt dann sein Osterfest,tief ergriffen von Allem, was er gehört und gesehen. Den 9. Aprilendlich fuhr er zur Abschiedsaudienz beim Papste. Mit dessen Segenund reichen Geschenken an geweihten Rosenkränzen, Reliquien und kost-baren Münzen versehen, verließ er am 16. April die ewige Stadt.Ueber Viterbo, Aquapendente und Radicofani langte der Reisezug am19. April in Buonconvento an. Es war dieser Tag der GeburtstaJohann Wilhelms, und in heimischer Weise wurde derselbe mit einemsplendiden Mahle und vortrefflichem Weine festlich begangen, untermanchem Freudenausruf über die baldige Rückkehr nach Deutschland.Livorno und Pisa waren die nächsten Reiseziele, nachdem vonPoggibonsi aus Herr Peruzzi nach Florenz entsendet war, um demGroßherzog von Etrurien den bevorstehenden Besuch des Prinzen anzu-melden. In Livorno erhielt Johann Wilhelm die Nachricht von demam 8. April erfolgten Tode der Kaiserin Claudia Felicitas, der zweitenGemahlin Leopolds I. Zu ihrem Gedächtniß ließ er ein feierlichesTodten=Amt halten, ohne zu ahnen, welche Bedeutung dieser Todesfallfür seine Familie haben sollte. Ueber Lucca, wo der Senat derRepublik den Prinzen feierlichst empfieng und begrüßte, dann überPistoja ging die Reise nach Florenz, wo der Großherzogliche Pallastzum Absteigequartier bestimmt war.Am Hofe des Großherzogs Cosmo III. waltete zwar nicht mehrdie einst so kräftige Regierung der Mediceer, aber genug der ehe-maligen Herrlichkeit war noch übrig geblieben, um die Schwäche derjetzigen Regierung mit einem schimmernden Gewande zu verhüllen. So
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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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