334dienste in der Andreaskirche bei, und am 4. December 1674 trat derPrinz endlich seine große Reise an.Ein Theil des großen Gefolges ging zu Wasser rheinabwärts mitdem Gepäck; der Prinz selbst mit seiner nächsten Umgebung aber zuLande, nach damaligem Gebrauch, zu Pferde, auf dem linken Rheinufer.Seine älteste Schwester, Eleonore Maria Magdalena, (die spätereKaiserin), nebst drei jüngeren Brüdern, Wolfgang Georg FriedrichFranz (später Bischof von Neustadt), Ludwig Anton (später Deutsch-meister, Coadjutor von Mainz und Bischof von Lüttich) und KarlPhilipp (später Kurfürst von der Pfalz) begleiteten ihn bis zur Rhein-fähre. Längs des ganzen Rheinwerftes und auf den Thürmen undden Dächern der benachbarten Häuser war eine große Volksmenge zuerblicken, welche dem Scheidenden ein Lebewohl zuriefen und glücklicheReise wünschten. In Uerdingen wurde übernachtet, und von hier ausder Herr von Golstein vorausgesendet nach Cleve, wo damals die beidenjungen Brandenburgischen Prinzen sich aufhielten, Friedrich und Ludwig,die Söhne erster Ehe des Großen Kurfürsten und der schönen LouiseHenriette von Oranien, um die bevorstehende Ankunft des jungen fürst-lichen Vetters anzumelden. Johann Wilhelm folgte am nächsten Tageund nahm das zweite Nachtquartier im Kloster Marienbaum, zwischenXanten und Calcar. In Rheinberg hatte ihn der Commandant durchLösung der Geschütze von den Wällen begrüßt, und in Kanten besuchteder Prinz den Dom des heiligen Victor.Ein festlicher Empfang war in Cleve vorbereitet. Die Oberstenvon Eller und von Nagel kamen mit zwei Schwadronen Reiter demprinzlichen Reisezuge entgegen und vor den Thoren erwartete ihn dieBürgerschaft unter Waffen, während die Söldner auf dem Markteparadirten. Unter Kanonendonner und Glockengeläute — welches da-mals so wie heute einer solchen Feierlichkeit nicht fehlen durfte — zogder Prinz in Cleve ein, direct auf's Schloß, an dessen Pforte ihn diebeiden jungen Brandenburgischen Prinzen empfingen. „Hac principumTriade quid pulchrius?!“ ruft der Reisebeschreiber aus; wir müssenjedoch, um der historischen Wahrheit überall die Ehre zu geben, diesenbegeisterten Ausruf als eine kleine poetische Licenz bezeichnen; dennPrinz Friedrich von Brandenburg, jetzt 17 Jahre alt und Kurprinz,ohne es zu wissen, da sein ältester Bruder Karl Emil wenige Tagevorher in Straßburg gestorben war, hatte bekanntlich ein weniger vor-theilhaftes Aeußere und war sogar etwas verwachsen: Prinz Ludwigwar ein 8jähriger schwächlicher Knabe und auch unser Prinz JohannWilhelm war keine imponirende, mit besonderen körperlichen Vorzügen
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Die Jugendjahre Johann Wilhelms, Pfalzgrafen zu Neuburg und Herzogs zu Jülich und Berg
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