Juden verbot auf diese Art ihr Fest zu feiern. Da der 14. Adar (oder 25.März) mitunter in die Leidenswoche oder gar auf den Charfreitag fiel, somag dieser Umstand an der Waschbütte zu dem Geschwätz Anlaß gegeben,die Juden begingen die Kreuzigung Jesu durch Aufhängen eines Christen.Eine andere Erklärung der Entstehung des Aberglaubens ist diese.Bekanntlich mußten die ersten Christen ihre gottesdienstlichen Versamm-lungen in den unterirdischen Räumen, Katakomben, abhalten, — nicht nurum in jeder Beziehung ungestört den Untergang des weströmischen Reichesvorbereiten zu können, sondern auch weil sie die Heiden für unwürdig hielten,der Feier ihrer Mysterien beizuwohnen. Unter den Letzteren war wohl dasbedeutendste, die Feier des sogenannten Opfertodes Jesu, wobei Brod undWein auf Grund einer verirrten Auslegung für den wahren Leib und daswahre Blut des Menschensohnes, Jesus, genossen ward. So war baldin der Heidenwelt, die sich um den genaueren Sachverhalt, wie er etwa zuGunsten der neuen Religionsgenossen sprach, nicht kümmerte, gar bald ruch-bar, daß die jüdische Sekte, oder die Juden, wie man die ersten Jünger desChristenthums des Ursprunges ihrer Religion resp. der Herkunft ihresStifters wegen nannte, bei ihren Zusammenkünften Christusblut, oderschlechtweg: Christenblut tränken. Derartiges erschien aber den gebil-deten Römern, nicht wissend wie unblutig es bei diesem Bluttrinken herging,ein kanibalischer Gräuel, und die neue jüdische Sekte mußte daher begreiflicherweise manche empfindliche Maßregelung seitens der Regierung bestehn,Maßregelungen, die unter dem Namen Christenverfolgungen bekanntsind. Hätten die ersten Christen nicht einen ebenso phantastischen als staats-gefährlichen Communismus gefordert, (Apost.=Gesch. 5,) hätten sie nicht oftsehr politische Tendenzen zur Schau getragen, und hätten sie nicht ihre übri-gen Grundsätze, die doch Alle schon längst vor Jesu Auftreten eine gangbareWaare bildeten, mit sonderbaren Ceremonien und anstößigen Gebräuchenverkleistert, — so würde es der Regierung und dem römischen Volk ebenso-wenig eingefallen sein, die Sektirer (von denen Viele ein ganz wahnsinnigesVerlangen nach der Martyrerkrone mit sich herumtrugen) zu bestrafen, ebensowenig wie sie den Naturforscher: Plinius den Aeltern seiner aufgeklärtenSchriften wegen verfolgten. Nein, die alten Römer waren keine Dunkelmänner, und in Dingen der Religion, der Philosophie und Literatur nach-weislich viel toleranter als diejenigen, welche heute in Rom das Scepterführen, die nicht wissen, auf welche Weise sie den Nichtkatholiken durch In-quisition und Index das Leben versauern sollen.
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