Druckschrift 
Briefe und Documente aus der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert : nebst Mitteilungen über Kölnische Gelehrte und Studien im 13. und 16. Jahrhundert bei Gelegenheit des 50jährigen Stiftungsfestes des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums zu Köln
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114

wieder verschwunden und die strenge Kälte des Winters wieder zu-rückgekehrt. x ) Dass König "Wilhelm das Epiphanien- oder Dreikönigen-fest im Jahre 1249 zu Köln gefeiert und den durch seine Gelehrsam-keit hochberühmten Albertus in seinem Kloster besucht habe, 2 ) stehtgeschichtlich fest. Aus dem Werke des Albertus über die Pflanzenweltkönnen wir schliessen, dass er zu seinen gründlichen botanischenBeobachtungen, die von Fachkennern noch heute als höchst wichtiganerkannt werden, Vorrichtungen getroffen hatte, auch während desWinters das Pflanzenleben oder vielmehr den Pflanzenschlaf beobachtenzu können, also einen Wintergarten oder ein Treibhaus angelegthatte. 3 ) Vielleicht dass König Wilhelm bei seinem Besuch im Klosterdort bewirthet worden oder auch nur Einsicht davon genommen. Fürdie sagenbildende Phantasie war das ein zu passender Stoff, um nichtden Zauberer hier die Proben seiner Kunst ablegen zu lassen.

Wenn in diesen Sagen Albertus als Zauberer seine Weisheitund Kunst einem Bunde mit den finstern Mächten verdankte, so soller nach anderen Sagen jene einer Erleuchtung der himmlischenJungfrau verdanken. Beiden Sagenkreisen ist der Gedanke gemein-sam, dass Albertus nicht auf natürliche, sondern auf übernatürlicheWeise, sei's durch finstere Eingebung, sei's durch himmlisches Lichtin den Besitz seines Wissens gelangt sei.

Wie der zweite Sagenkreis entstanden ist und sich später allmäh-lich entwickelt hat, lässt sich eben so klar nachweisen, wie's mit demersten möglich ist.

Tholomaus de Lucca (f 1314), dessen Angaben über Albertus M.in seiner Kirchengeschichte von einem Schüler des Thomas vonAquino herrühren und von grossem Werth sind, berichtet über dasEnde: „tandem anno Dom. MCCLXXX et ipse plus quam octoge-narius beato fine quievit. Et quamvis in scientificis proexemplo aliorum in eis multum desipuerit circa tres annosa sua morte (i. e. ante mortem) quoad memorativa cum antealios transcenderit gratia singulari, vigor tarnen devotionis ad deumnon defuit ad faciendum, quae requirebat Status suae religionis." 4 )

i) 1. c. p. 167 u. 171.

2) 1. c. p. 162.

3 ) de vegetabil. et planus lib I traot 1 cap. 11 ed Jammy Tom. V.Vergl. B. Meyer'e Urtheil über Albert's Verdienste um die Botanik inSohlechtendal's Linnäa Band 10 u. 11.

4 ) Tholom. de Luca histor. eccies. novae lib 22 cap. 17.