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Briefe und Documente aus der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert : nebst Mitteilungen über Kölnische Gelehrte und Studien im 13. und 16. Jahrhundert bei Gelegenheit des 50jährigen Stiftungsfestes des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums zu Köln
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Albertus Magnus ist, wie Gerbert, erst längere Zeit nach seinemTode wegen seiner ausserordentlichen Wissenschaft und Kunst, diedas Volk aus übernatürlicher Quelle herleitete und anstaunte, einGegenstand für die sagenbildende Phantasie geworden, die sich an seinerSpiegelung im Laufe der Zeit förmlich erschöpft hat. Wie Gerbertspäter allmählich zu dem Rufe eines Zauberers gelangt ist, hat Döllingerin seiner kritischen Beleuchtung der Pabstfabeln des Mittelalters klaraufgedeckt. ! ) Für Albertus den Grossen fehlt bis jetzt noch der Nach-weis , wie dies geschehn. Wie war es möglich, dass ein so grosserGelehrter, der die theologischen Probleme durchaus rationell behandelthat, der von philosophischen Vorurtheilen sich frei zu machen gesuchtund selbst den Aristoteles, den Lehrmeister seiner Zeit, in wichtigenPunkten zu verbessern gewagt, der die Naturforschung nur auf'sExperiment begründen wollte, wie war es möglieh, so fragen wir,dass dieser gründliche Forscher und aufgeklärte Geist später als einSchwarzkünstler verschrieen worden ist? — In seinen zahlreichennaturwissenschaftlichen Abhandlungen, deren hohe Bedeutung für jeneZeit von den verschiedenen Fachmännern in unsren Tagen wiedergewürdigt worden ist, liegt kein Grund dazu vor. Im Gegentheilbekämpft Albertus bei jeder Gelegenheit die den Aberglauben förderndeunwissenschaftliche Betrachtung der Natur. In dem umfassendenWerke über die Pflanzenwelt sagt er im Eingang zum sechstenBuche, in dem er über die Eigenschaften der Pflanzen (proprietates)handelt: „earum autem, quas ponemus, quasdam quidem nos perexperimentum probamus, quasdam autem efferimus ex dictiseorum, quos comperimus non de facili aliqua dicere nisi probataper experimentum, experimentum enim solum certificat intalibus etc." 2 )

In ähnlichem Sinne spricht er sich in dem Werke über dieMineralien aus, im Eingang zum zweiten Buche, in welchem erüber die Kräfte der Edelsteine {virtutes) handelt: supponamus autemnomina praecipuorum lapidum et virtutes secundum quod ad nosaut-per experimentum aut ex scripturis auctorum devenerunt.Non autem omnia, quae de iis dicuntur, referemus: eo quod ad

J ) Vergl. die Pabstfabeln des Mittelalters, ein Beitrag zur Kirehengoschichte

von Joh. Jos. Döllinger. München 1863 S. 156 sq.2) De vegetabilibus et plantis lib. VI tract I cap. 1 in der Ausgabe der

Werke von P. Jammy Lyon 1651 tom. V,