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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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Als nun nach einer Weile das Fräulein wieder kam und sein Schiffleinnicht fand, hob es eine große Klage an und rief:»Radderadderatt, min mollenschaart!*)Eck mot noch vandage in engelland brüt stän,Un bin noch hier!«und rang die Hände und lief und suchte das Ufer entlang. Da bewegte denSchäfer dies Klagen und Jammern, daß er ihm die Muldenscherbe wiedergab. Das Fräulein trat hinein, dankte dem Schäfer und sagte: »Morgen um dieseZeit komme wieder zu dieser Stelle, so wirst du zwei Stücke weißen Leinensfinden, die nimm zum Lohn!« Nach dieser Rede fing das Spähnlein wieder anzu gleiten immer den Strom hinab, in großer Eile, daß es bald verschwand.

Als der Schäfer am andern Abend zu der Stelle kam, hatte das Fräuleinsein Wort gehalten; es lagen zwei Stück Leinen an der Stelle, die warenweiß gebleicht und über die Maßen fein gesponnen und gewebt.

Andere erzählen, der Schäfer sei erst nach einem Jahr wieder zu derStelle gegangen; da hing das Leinen allerdings in den Weiden, war aberschon ganz verrottet und nicht mehr zu gebrauchen.

Die Jungfrau fuhr nach England. Woher sie kam? das weiß man nichtzu sagen. Was sie im Dorfe gewollt? ist nicht bekannt; doch wird voneinigen gesagt: es sei eine Mahr gewesen.

26.

Einen jungen Burschen drückte und quälte jede Nacht die Mahr. Da-rum bat er einen guten Freund, bei ihm zu schlafen. In der Nacht kam dieMahr richtig wieder; da verstopfte der andere Bursche das Loch an der Thür,wohin durch der Klinkenriemen gezogen war. Da wurde die Mahr den beidensichtbar und erschien als ein hübsches Mädchen. Der Bursche, den sie sogeplagt hatte, wollte sie im Zorne erst schlagen und mißhandeln; doch obihrer Schönheit vergaß er seinen Groll und nahm sie zu seiner Frau undlebte mit ihr ein Jahr lang zusammen. Da bekam sie ein Kind. Als siedann wieder ein Kind bekommen sollte, sagte der Bursch zu ihr: »Wasmeinst du, solltest du wohl so, wie du jetzt bist, wieder durch das Lochhindurch können, wo du damals zu mir herein kamst?« Als er das kaumgesagt hatte, verschwand die Mahr durch das Riemenloch der Thür und kamniemals wieder.

*) Sonst fand ich das Wort seh aar t nur noch in Wiäsersc haart, Weserscharte= Porta Westphalica. — Daß man den Unholdinnen nur neckische Transportmittel gelassenhat, scheint natürlich zu sein. Die Holden von ehedem, mit allem was drum und dran war,sind eben unter dem Drucke des neuen Glaubens verkümmert und schäbig geworden. Einsthatten sie stolze Rosse, oder Adler- und Schwanenhemden zu ihrer Verfügung, jetzt müssen siesich begnügen mit Schweinen, Kälbern, Besen, Ofengabeln, zerbrochenen Sieben und Mulden. W. B.

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