kam wieder und der Bursche sagte zu ihr: »Kumm, Katte, un warme di!«Die Katze sagte:
»Kärtchen, wärme dich 1
Spricht Herme zu mich!«und rief damit die anderen, deren nun eine noch viel größere Zahl wurdeals die Nacht vorher. Der Bursche lud sie zum Breiessen ein, bespritzte sie abersofort mit dem heißen Brei, und der dicken goß er den ganzen Topf voll über denKopf. Am anderen Morgen lag die Müllerin im Bette, hatte ein Tuch umden Kopf und konnte nicht aufstehen. Da sagte der Bursche zu dem Müller:»Wenn Ihr nun noch nicht glauben wollt, daß Eure Frau eine Hexe ist, sogeht hin und seht zu, ob sie einen verbrannten Kopf hat!« Der Müllerginghin. »Ei, Frau, bist du schon wieder krank? Was fehlt dir denn?« »Ach,ich habe so schreckliches Kopfweh, daß es nicht zum Aushalten ist.« »So?Laß mich mal fühlen, ob du auch Hitze hast?« »O nein, o nein! Wenn 'rnur eben angetickt wird, so giebt es mir gleich einen Stich durch und durch.«»Ach, Frau, dann will ich gleich den Doktor holen lassen.« »O ne, O ne!Der kann mir doch nicht helfen; laß mich doch endlich in Ruhe!« — Dasthat der Mann aber nicht, sondern er riß ihr mit Gewalt das Kopftuch ab; da saher, daß der ganze Kopf voll Brandblasen war. Da zerrte sie der Mann ausdem Bette, knuffte sie in die Seite und trat sie mit Füßen. Dann ließ erdas Gericht kommen.
Als nun die Aussage des Müllerburschen zu Papier gebracht war, nahm mandie Hexe in das scharfe Verhör, worin sie dann bekannte, daß ihre Großmutterihr das Hexen beigebracht hätte, da sie noch ein unmündiges Kind gewesen.Nach zwei Tagen wurde um einen Pfahl her ein Feuer angemacht, darin mandie Hexe vor aller Leute Augen so lange braten ließ, bis sie todt war.
25-Zwischen Petershagen und Windheim (an der Weser) hat sich vor dieserZeit eine sonderbare Geschichte zugetragen : Es lag an einem schönen Sommer-abend ein Schäfer mit seiner Heerde, der Weser nahe, auf einem grünenAnger. Da nun die Sterne und der Mond heraufgegangen waren, saß derSchäfer noch spät auf und hörte zu, wie der Strom mit leisem Klangedurch die Weiden ging. Ob nun wohl zu jener Stunde die Luft ganz ruhig war,so trieb doch etwas in der Richtung, wie der Lauf des Wassers war, gleicheiner Feder in Windeseile daher, ließ den bleichen Nebeldunst der Luft baldhinter sich und erschien als ein schöngeziertes Fräulein, das stand und fuhrin einer Muldenscherbe, kam bald an das Ufer, stieg aus und ging dem Dorfezu, bis es nicht mehr zu sehen war. Da nahte sich der Schäfer der Stelle,wo das Fräulein ans Land gegangen war, fand und nahm die Muldenscherbeund barg sie in den Uferweiden.
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