II. SAGEN.
Wenn man auch nicht alles glauben kann, was die Leute erzählen, sohat es doch, das kann ich Euch versichern, ölinges (in alter Zeit) welche ge-geben, die Künste verstanden. Jetzt ist das freilich nicht mehr so häufig, unddie, welche so was können, kommen nicht mehr so leicht damit durch; dasist auch nur gut.
Eine Bauerfrau spinnt immer in kurzer Zeit so viel, daß es der Magdauffällt. Sie bemerkt, daß die Frau die Flachsrolle niemals ganz abhaspelt.Als die Frau einmal ausgegangen ist, nimmt die Magd alles Garn von derRolle; da sitzt eine schwarze Fliege darauf. Das Mädchen wirft das Thier indie Mistpfütze vor dem Hause. Die Frau kommt zurück und wird wüthend,als sie die Rolle leer findet. Sie geht an die Pfütze und ruft:
»Use maged unverweeten (unbewußt)
hat di ut'n huse smeeten.
kumm, lerche, kumml«da kriecht das Thier auf die Rolle zurück und die Magd sieht, daß ihre Fraueine Hexe ist.
2.
Ein Schuster arbeitet bei einer Frau im Hause, die nicht für echt ge-halten wird. Die Frau thut heimlich ein Pulver*) ins Butterfaß; da kommt soviel Butter, daß sie oben aus dem Fasse steigt. Als der Schuster das sieht,will er das Mittel wissen, und die Frau verspricht es ihm, wenn er an einem
*) Nach einer anderen Erzählung läßt die Frau aus einem Glase Tropfen ins Butterfaß
fallen; so viel Tropfen, so viel Pfund Butter werden es. — Noch eine andere Erzählung sagt,
daß die Frau sich mit dem Butterfaß unter den Schornstein stellt; da hierdurch bringt ihr derfeurige Drache Butter in Menge.
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