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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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Seite
122
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nun die Gerichtsleute in das Haus kamen, saß die Alte im Kuhstalle und sangein geistliches Lied aus dem Kirchengesangbuche. Der Richter aber schriehinein: »Heraus mit dir, du alte Donnerhexe!« Da kam das Weib herausund that so übel und erbärmlich und unschuldig und beweglich, als wennsie ein neugeborenes Kindlein wäre. »Mine leiben sauten heeren«, sagte sie,»wo müeget sä doch säo wat van mi denken; o lue un kinners, eck änehexe! Dat kann mi doch käner na seggen, dat eck in minen leben änenminschen wat täo lede daen hebbe. Un nu geit et mi säo? Bin eck nichjeden sönndag in de kerke gaen? Gott ja, lue? eck segge man! hebbeeck nich 'esungen un 'ebäet! un nu meent ji, dat eck äne hexe bin?«Aber da half kein Jammern. »Ins Wasser«, hieß es, »ins Wasser!« und wurdedas alte Weib alsbald an die Weser gebracht und da hinein geworfen. Obdie Alte nun wohl mit dem größten Vertrauen auf dem Wege gesagt hatte,ihre Unschuld werde sich schon durch Gottes Hülfe zeigen, ja schön! Sieschwamm nur oben auf und war also doch eine Hexe, wurde an den Pfahlgebunden und zu Tode gebrannt.

21.

Die Weiber, welche hexen können, müssen es ihren Kindern lehren,wenn sie noch unmündig sind. — Ein kleines Mädchen aus Bulmahns Hausein "Wiedensahl spielte mit andern Kindern auf dem Rasen mit Bratbirnen.Da sagte es: »Soll ich mal Mäuse machen?« »Ja, ja!« riefen die Kinder.Und da schlug das Mädchen mit einem Stocke auf die Birnen, daß Mäusedaraus wurden; die liefen munter herum, hatten aber alle keine Schwänze.— Man sollte nicht glauben, daß ein Kind schon solche schlechten Künsteverstände! — Da nun durch die Kinder diese Sache bald ruchbar wurde, sonannte man das Mädchen immer die Müsemakersche, und sie behielt denNamen auch noch, als sie in späteren Jahren sich nachNiedernwöhren (Nachbar-dorf von Wiedensahl) verheirathete. Übrigens hat man nichts Schlechtes vonihr gehört. Sie ist erst kürzlich verstorben.

22.

Hexen können sich in Gänse, Hasen und andere Thiere verwandeln. EineMutter und ihre Tochter arbeiteten eines Tages draußen auf dem Felde. Datrat ein Jäger mit seinen Hunden aus dem Walde, und die Tochter sagte zurMutter: »Mutter, hebbe ji jäon räimen nich bi juck? snallt 'n äis ümme, datji 'n hase weret.« Die Mutter thats; da kamen die Hunde hinter sie, und

die Tochter rief ihr zu: »Mutter, löpet, lopet! dat juck de swarte nich kriegt !;<und meinte den schwarzen Hund. Der Hase lief aber so rasch, daß die Hundezuletzt ganz müde wurden und zurückblieben. Da sah die Tochter, daß ihreMutter doch wirklich Künste verstand.