blanken Beile die zarten Finger ab. Da sprang der eine Finger, worauf einschöner Goldring stak, abseit und fiel mir mitten in den Schooß. Dusuchtest ihn, mein Schatz, du konntest ihn nicht finden —hier ist der Fingermit dem Ring!« Bei den Worten warf die Prinzessin den Finger mit demGoldring auf den Tisch. Da wurde der Mörder blaß wie der Tod, er sprangauf, zückte sein Messer und wollte die Prinzessin erstechen; aber die Gästefaßten ihn und banden ihn und übergaben ihn der Wache, und eine Zeitdarnach ward der Bösewicht gerichtet, wie er es verdient hatte.
41. Hans Hinrich Hildebrand und der Pfaffe.
Es war einmal ein Bauer mit Namen Hans Hinrich Hildebrand, der hatteeine junge hübsche Frau; sie hielt es aber leider mit dem Pfaffen, und weilsie darum ihren Mann gerne aus dem Wege gehabt hätte, so beredete sie ihn,er wäre krank und müsse nach dem heiligen Brunn, ob es dann nichtbesser mit ihm würde. Der treuherzige Hans Hinrich machte sich auch alsbaldauf den Weg. Da begegnete ihm der Stutenkerl (Bäcker) mit seiner Stuten-kiepe. »Nun, Hans Hinrich,« fragte ihn der Stutenkerl, »wo willst du dennhinzu?« »Ach Gott«, sagte der Bauer, »meine Frau hat gesagt, ich wäre krank;nun will ich nach dem heiligen Brunn, ob es da nicht besser mit mir wird «»Sei kein Tropf, Hans Hinrich«, sprach der Stutenkerl; »deine Frau will dichnur aus dem Wege haben; was gilts? Heut Abend wird der Pfaff bei ihr sein.«Als der Bauer das vernahm, kehrte er wieder mit um, und die beiden beredetensich und machten einen Anschlag, daß der Bauer sich sollte in des BäckersSemmelkorb setzen, so sollte ihn der Bäcker des Abends zu der Frau ins Hausbringen.
Die Frau hatte auch richtig den Pfaffen eingeladen und hatte ihm eingutes Mahl angerichtet, und als sie sich eben zum Essen setzen wollten, daklopfte der Stutenkerl an die Thür und bot seine Semmeln an. Das war derFrau eben recht, daß sie nun zu dem Mahle auch frische Semmeln habenkonnte, und in ihrer Freude lud sie den Stutenkerl ein, in die Stube zukommen und mitzuessen. »Ja, recht gern!« sagte der Stutenkerl; »aber meineKiepe muß ich mit hineinnehmen, es möchte mir sonst hier draußen, der weilich esse, der Hund oder die Katze über die Semmeln kommen.« So nahmer denn die Kiepe, mit dem Bauern darin, der sich mäuschenstill verhielt, mitin die Stube und hängte sie an einen Haken an die Wand; dann setzten sichdie drei, der Pfaff, die Frau, der Stutenkerl, zu Tisch und aßen und tranken.— Der Pfaff, da er seinen Bauch wohl gepflegt hatte, ward über die Maßenmunter. Er brachte in Vorschlag, es sollte ein jeder von ihnen ein lustigReimlein singen, so gut oder so schlecht, wie's ihm gerade in den Sinnkäme.