Den andern Tag kam der Bräutigam der Prinzessin wieder zum Besuchauf das königliche Schloß; sie ließ sich aber nichts merken, sondern thatganz freundlich und stellte ein großes Gastmahl an. Da sie nun bei Tischesaßen, brachte die Prinzessin einen Vorschlag, es sollte ein jeder nach derReihe eine Geschichte erzählen, sie sei kurz oder lang. Da sprach der Graf,der ihr an der Tafel gegenüber saß: wer den Vorschlag gethan, der müßteauch, wie billig, den Anfang machen. »Mir recht!« entgegnete die Prin-zessin; »so will ich einen Traum erzählen, der handelt von dir, mein Schatz!Mir hat heut Nacht geträumt, ich wollte dich besuchen und käme durch einendunklen Wald auf eine weite, weite Haide; da stand dein Schloß; und vordem Schloß da lag ein großer Hund, der bellte: »Hau! Hau! Hau!« undan dem Giebel hing in einem Bauer ein wunderlicher Vogel, der rief: »Zu-rück! Zurück! Zurück!« Es war aber alles nur ein Traum. Ich ging weiterin das Haus; da warst du, mein Schatz, nicht daheim, denn ich war denFreitag zu dir gekommen und nicht den Mittwoch, da stand auf der Flurein Klotz, der war mit einem weißen Laken zugedeckt, und als ich das Lakenaufhob, fand ich ein großes blankes Beil, und der Klotz war über und übervon Blut roth.« »Halte ein wenig ein, mein Schatz«, sprach der Graf undwar ganz blaß geworden; »ich will mal hinaus; es wird mir hier so heiß«»Ach nein!« sprach die Prinzessin; »gleich bin ich zu Ende. Es war allesnur ein Traum, aber es kam mir vor, ich ginge in den Keller, da standenviele große Fässer, die waren alle voll von eingesalztem Menschenfleische,und als ich die Treppe hinauf in deine Zimmer kam, da standen in demersten zwei gemachte Betten, in dem zweiten drei, in dem dritten vier, undin dem vierten Zimmer hingen an den Wänden herum viele Mädchenköpfe,das sah ich an den langen Haaren. Ist das nicht schrecklich? Es war aberalles nur ein Traum. Und als ich aus dem Fenster sah, da kamst du, meinSchatz, über die Haide daher geritten.« »Halte ein wenig ein, mein Schatz,ich muß mal hinaus; es wird mir hier so heiß.« »Ach nein, mein Schatz!Bleib noch ein wenig hier; gleich ist mein Traum zu Ende. Wo blieb ichdoch! Ja so! Und als ich aus dem Fenster sah, da kamst du über dieHaide dahergeritten und brachtest auf dem Pferde eine schöne Dame mit.Ich aber, denke dir nur, mein Schatz, ward bange vor dir und lief in Eiledie Treppe hinab, da versteckte ich mich in den dunklen Entenstall. Es waraber alles nur ein Traum. Da kamst du mit der schönen Dame in dasHaus und gabst ihr rothen Wein zu trinken.« »Halte ein wenig ein, meinSchatz; ich muß mal hinaus; es wird mir hier so heiß.« »Ach nein, meinSchatz; bleib noch ein wenig hier; gleich ist mein Traum zu Ende. Woblieb ich doch? Ja so! Du kamst mit der schönen Dame in das Haus undgabst ihr rothen Wein zu trinken, du schlepptest sie an den Klotz, duhörtest nicht auf ihr Weinen und Wehgeschrei, du hacktest ihr mit dem
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