tanzen lassen, aber es tanzte nicht; sie spielte die schönsten Tänze, die sie nurwußte, sie liebkoste das Thier, sie streichelte es, aber das Ferklein tanzte nicht.»Ach Gott«, rief die Prinzessin da, »das Thierchen will gewiß nicht tanzen,weil es keinen Gespielen bei sich hat; ich muß sehen, daß ich noch eins dazukriege.« Sie war aber ganz traurig, daß ihr Ferkelchen gar nicht tanzenwollte.
Den andern Tag hüthete der Junge wieder sein Vieh in der Nähe desSchlosses. Da schickte die Prinzessin zum zweiten Male zu ihm, ob nichtvon den beiden Ferklein noch eins zu kaufen stände. »Zukaufen nicht«, ließder Junge wiedersagen, »aber abzuverdienen. Wenn ich noch eine Nacht beider Prinzessin ihrer Kammerjunfer im Bette schlafen soll, so will ich auchdas andere Ferkelchen hergeben; anders thu ich es nicht.« Die Prinzessin, diedoch gar zu gern das Ferkelchen gehabt hätte, ließ dem Jungen seinen Willen.Darnach, als sie das Ferklein hatte, brachte sie es zu dem andern, nahm ihrePfeife hervor und blies viel schöne Stücklein, aber die Ferklein tanzten nicht;nun sah sie wohl, daß die Pfeife die Schuld hatte; darum so wartete sie mitUngeduld, daß der Junge wiederkäme, ob sie nicht von ihm das dritte Ferkel-chen sammt der Pfeife erlangen könnte.
Der Junge kam den andern Tag auch richtig wieder an, legte sich unterden Eichbaum in den warmen Sonnenschein und ließ sein einziges Ferkelchennach der Pfeife tanzen, Galopp und Walzer, kurz alle Tänze, wie sie desLandes Brauch waren. Da schickte die Prinzessin zu ihm hin und ließ fragen,ob nicht auch das dritte Ferklein sammt der Pfeife zu verkaufen wäre. »Zukaufen nicht«, ließ der Junge wieder sagen, »aber abzuverdienen. Wenn ichdiese Nacht bei der Prinzessin selber im Bette schlafen soll, so will ich darumgern mein Ferkelchen sammt der Pfeife geben.« Als das die Prinzessin ver-nahm, war es ihr doch ein wenig zu arg; weil sie aber doch gar zu gernedas Ferkelchen und die Pfeife gehabt hätte, so ließ sie dem Jungen sagen, obes ihm nicht einerlei wäre, wenn er noch eine Nacht bei der Kammerjunferim Bette schliefe. »Ne!« antwortete der Junge, »hier ist nichts zu handeln.Wenn die Prinzessin nicht will, was ich gesagt habe, so ist es auch gut, sobehalte ich mein Ferkelchen und meine Pfeife.« Da sah die Prinzessin wohlein, daß kein anderer Rath war, sie mußte dem Jungen seinen Willen lassen.Nun hatte sie aber auch alle die drei kleinen bunten Ferklein beisammen, dietanzten gar drollig nach dem Tone der Pfeife, Galopp und Walzer, kurz alleTänze, wie sie im Lande Brauch waren, und das war für die Prinzessin soergötzlich, daß sie gar nicht müde ward, den Thierchen aufzuspielen. DemJungen aber, nun er seine Ferkelchen und seine Pfeife nicht mehr hatte, ge-fiel es in der Gegend gar nicht mehr; darum so begab er sich auf die Wander-schaft und ging ein gut Stück Weges in die weite Welt hinein.
Es begab sich aber zu derselben Zeit, daß der König in allen Ländern
105