bekannt machen ließ, wer das Muttermal errathen könnte, das die Prinzessinan ihrem Leibe hätte, der sollte sie zur Gemahlin haben, er sei arm oderreich, hoch oder niedrig; wer aber käme und könnte es nicht errathen, dermüßte den Kopf und dazu das Leben lassen. Da nun diese Kunde demSchweinejungen zu Ohren kam, machte er sich alsbald auf den Heimweg,denn er gedachte das Räthsel zu lösen. Unterwegs gesellte sich ein Pfaff zuihm, der fragte ihn wohin? und woher? und in was für Geschäften er wäreausgegangen? »Ich will hin an den königlichen Hof,« entgegnete der Junge,»ob ich nicht das Muttermal der Prinzessin errathen kann.« Sprach der Pfaff:»Weißt du denn schon was davon, mein Sohn? Du möchtest sonst leichtlichdarum den Kopf und dazu dein junges Leben verlieren.« »So recht weißich es noch nicht,« sagte der Junge, »aber soviel ist gewiß, die Prinzessinhat in der einen Seite drei Haare sitzen.« Als das der Pfaff vernahm, gedachteer, da er nun das Zeichen wußte, auch sein Heil zu versuchen und dem Jungenwomöglich zuvorzukommen. »Ich bin in derselben Sache ausgegangen, wiedu mein Sohn«, sprach er zu dem Jungen, »darum wollen wir den Weg zu-sammen gehen, so es dir recht ist.« Der Junge war es zufrieden, und siegingen mit einander weiter, bis sie an den königlichen Hof kamen. Da ließensie sich sogleich bei dem Könige anmelden, und als der vernahm, um welcherSache willen sie gekommen waren, ließ er den Scharfrichter holen, der mußtesich mit dem blanken Schwerte bereit halten. »So!« sprach der König, »jetztkann die Sache ihren Anfang nehmen. Zuerst kommt der Pfaff an die Reihe,wie billig ist, und dann der Schweinejunge. Also sagt an, Herr Pfaff! Welchesist das Zeichen, das meine Tochter an ihrem Leibe hat?« Der listige Pfaff,der sich schon freute, daß er zuerst an die Reihe kam, sprach schnell: »DreiHaare in der einen Seite!« »Ganz recht!« sprach der König; »aber, lieber Herr,in welcher Seite? und dann, wie lang sein sie? und wie dick sein sie? undwie sehn sie aus?« Da stand nun der Pfaff und ließ sein Maul hängen undwußte nicht, was er sagen sollte. »Höre mal Pfaff!« fuhr ihn der König an;»von Rechts wegen müßtest du jetzt einen Kopf kürzer gemacht werden; weildu aber doch etwas errathen hast, so soll dir für diesmal noch das Leben ge-schenkt sein!« Damit wandte er sich an den Schweinejungen und sprach:»Nun, mein Junge, jetzt rathe du! Welches ist das Zeichen, das meine Tochteran ihrem Leibe hat?« »Drei Haare in der einen Seite.« »Ganz recht, mein Sohn!Aber in welcher Seite?« »In der linken Seite.« »Richtig! Aber nun: wielang sein sie? und wie dick sein sie? und wie sehen sie aus?« »Mit VerlaubHerr König, sie sind so lang und so dick wie Strickstöcke und sind, so wiemich dünkt, ganz golden.« »Richtig, mein Sohn,« rief da der König; »duhast es errathen und sollst nun auch die Prinzessin haben, und das von Rechtswegen.« So mußte der Pfaff beschämt seines Weges gehn; der Schweine-junge aber hielt Hochzeit mit der schönen Prinzessin.
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