dann will ich dir, soviel in meinen Kräften steht, behülflich sein.« Als derFisch das gesprochen hatte, senkte er sich munter in die Tiefe des Wassershinab. Der Junge aber ritt über die Brücke hinüber nach dem Schlosse hinzu,band seinen Schimmel vor die Thür und ging hinein. Er fand auch richtigdas Zimmer, wo der Vogel in dem goldenen Käfig an der Wand hing, nahmihn herab und wollte eben wieder umkehren, als er da auch eine Junfersitzen sah, die hielt in der Hand ein Bund Schlüssel und lag in festemSchlafe, wie wenn sie todt gewesen wäre. Sie war aber so wunderschön, daßder Junge in seinem Leben nichts schöneres gesehen hatte. Eilig lief er nunzu seinem Schimmel zurück und sprach: »Ach liebster Schimmel, denVogel habe ich nun, aber da im Schlosse sitzt auch eine Junfer, die ist sowunderschön, daß ich sie für mein Leben gerne mitnehmen möchte; wasmeinst du? Thu ichs wohl?« »Ich sage dir,« entgegnete der Schimmel, »laßdu die Junfer, wo sie ist; du hast immer Dinge im Kopfe, die dich nichtsangehen.« »Ach lieber, bester Herzensschimmel,« sprach der Junge, »du glaubstgar nicht, wie schön sie ist; ich muß und muß sie haben, es mag nun kommen,wie es will « »No ja!« entgegnete der Schimmel; »wenn du es denn durch-aus willst, so thu, was du nicht lassen kannst; aber das sage ich dir vorher,du wirst dadurch in große Ungelegenheiten kommen.« Aber der Junge kehrtesich nicht an die Warnung seines Schimmels, trug die Junfer, die nochimmer in festem Schlafe lag, auf seinen Armen aus dem Schlosse, nahm sievor sich aufs Pferd, band den Käfig, worin der wunderbare Vogel saß, anden Sattel und ritt in Eile dem Strome zu. Kaum war er aber in der Mitteder Brücke angekommen, so entstand hinter ihm in der Gegend des Schlossesein schrecklich Gekrach und Gepolter, wie wenn die Erde bärste, denn dasSchloß war nun erlöst, die Junfer schrack zusammen und erwachte aus ihremZauberschlafe, ließ aber in demselben Augenblicke das Bund Schlüssel,das sie bis dahin in der Hand hielt, unversehens über den Brücken-rand in den Strom fallen. Der Junge ritt nun, ohne sich an etwas zukehren, an des Königs Hof zurück und brachte ihm den schönen Vogelin dem goldenen Käfig. Da aber der König die wunderschöne Junfer sah,entbrannte er in so heftiger Liebe zu ihr, daß er von Stund an darauf bedachtwar, wie er den Jungen möchte aus dem Wege schaffen. Weil er ihm nunsonst nichts anhaben konnte, so machte er allerlei falsche Vorwände und be-fahl ihm zuletzt bei Todesstrafe den Hof zu meiden, den Schimmel, den Vogelund die Junfer aber zurückzulassen. Der Junge erschrak und machte Ein-wendungen, das half ihm aber alles nichts, denn der König verharrte fest beiseinem Worte. Da ging er unmuthvoll zu seinem Schimmel in den Stall undklagte ihm sein Leid und sprach: »Ach lieber Schimmel, wie will das mitmir noch werden! Nun der König die schöne Junfer gesehen hat, nunwill er mich hier nicht länger leiden; ich soll den Hof verlassen und nichts
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