Mann so ganz arm war und keinen Schmaus geben konnte, so wollte ihmniemand zu Willen sein. Darüber wurde der arme Mann ganz traurig undkam in große Sorge, wie er es anstellen sollte, daß sein Kind die Taufe er-hielte. Einst, da er auch in derselben Sache war über Feld gewesen undwieder ohne etwas ausgerichtet zu haben den Heimweg ging, begegnete ihmein alter Mann, der einen grauen Kittel trug; derselbe, als er den Armen sotraurig sah, redete er ihn an und fragte, was ihm denn fehlte, daß er so inSorgen seines Weges ginge? »Ach Gott«, sprach der Arme, »mir ist einSohn geboren und die Zeit ist da, daß er muß getauft werden, aber niemandwill des Kindes Pathe sein; da bin ich nun in großer Verlegenheit.« »Seinur wieder guten Muthes«, sprach der graue Mann, »so es dir recht ist, willich dein Kind wohl aus der Taufe heben.« Das nahm der arme Mann mitFreuden an. Zur bestimmten Stunde stellte sich auch der Pathe ein, und alsdie Taufe nun zu Ende war, nahm er von dem Armen Abschied und sprach:»Nun trage Sorge, daß der Knabe gut erzogen wird; wenn er vierzehn Jahrealt ist, so will ich wiederkommen und bringen ihm sein Pathengeschenk.«Damit ging er fort. Es war aber unser Herrgott selber gewesen, der demarmen Vater aus seiner Verlegenheit geholfen hatte.
Der Knabe wuchs nun heran und wurde so klug und lernbegierig, daßsich ein jeder darüber verwunderte.
Er wurde vierzehn Jahre alt, und sein Vater hatte schon gar nicht mehran den grauen Mann gedacht, denn der, meinte er, würde doch wohl niemalswiederkommen und zu der Zeit schon längst gestorben sein. An dem Tageaber, da gerade die vierzehn Jahre herum waren, kam der Mann, der desKnaben Pathe war, in seinem grauen Kittel auf einem wunderschönen Schimmelvor des armen Mannes Flaus geritten, stieg ab und trat in das Haus hinein.»Die vierzehn Jahre sind nun herum«, sprach er zu dem armen Manne, »undich bin gekommen, mein Wort zu lösen und deinem Sohn das Pathengeschenkzu bringen, das soll mein schöner Schimmel sein; wenn der Junge den wohlachtet und pflegt und ihn um Rath fragt, wenn er etwas vorzunehmen gedenktund immer thut, was das kluge Thier ihm sagt, so wird er niemals in Ver-legenheit geraten.« Damit ging er fort und ließ den Schimmel zurück.
Da sprach der Junge zu seinem Vater: »Nun ich den schönen Schimmelhabe, will ich auch nicht mehr hier zu Hause bleiben, sondern will wegreitenin die weite Welt hinein und will seilen, daß ich mein Glück mache.« Ernahm Abschied von Vater und Mutter, setzte sich zu Pferde und ritt fort.Nicht lange war er geritten, so sah er dicht am Wege eine Feder liegen, dieglänzte wie lauter Gold und Silber. »Ei, ei! die schöne Feder will ich mirnehmen! Was meinst du Schimmel?« sprach der Junge und stieg ab sieaufzuheben. »Laß doch die Feder,« sagte der Schimmel, »das sind ja deineSachen nicht!« Sprach der Junge: »Lieber Schimmel, die Feder hätt'ich doch
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