es von Tage zu Tage schlimmer mit ihr ward und sie endlich fühlte, daßihre Sterbestunde gekommen war, rief sie ihr Kind zu sich ans Bett und gabihm einen Ring von ihrem Finger und sprach: »Den trage zu meinem An-denken und heb ihn wohl auf.« Darnach legte sie sich und starb; und nochwar kein Jahr seitdem vergangen, da nahm sich der Mann eine andere Frau.Sie war aber gar nicht gut gegen das Kind; das Mädchen durfte nie mit indie Stube kommen, sondern mußte immer auf der Diele beim Heerde sitzen,und als einmal die Stiefmutter den schönen goldenen Ring an ihrem Fingersah, fing sie an zu schelten und bedrohte das Mädchen. »Ich sollte dir dentheuren Ring eigentlich wegnehmen«, sagte sie; »aber das sage ich dir verlierstdu ihn, so prügele ich dich, daß du schwarz wirst.« Nun mußte das armeMädchen alle Tage Wasser schleppen, und als sie auch einmal wieder dieBrunnenstange anfaßte, um den schweren Eimer in die Hohe zu ziehen,glitt ihr der Ring vom Finger und fiel in den tiefen Brunnen hinein. Da-rüber fing sie bitterlich zu weinen an. Mit dem, so kam ein Laubtroschleinim Grase dahergehüpft, fing an zu sprechen und fragte: »Was fehlt dirdenn, du wackres Mädchen, daß du so bitterlich weinen thust? Das sage mir,so will ich sehen, ob ich dir helfen kann.« »Ach Fröschlein!« sprach dasMädchen, »du kannst mir doch nicht helfen. Ich habe meiner Mutter ihrengoldenen Ring in den Brunnen fallen lassen, und wenn das meineStiefmutter erfährt, so werde ich gewiß Schläge kriegen.« »Sei nur still undlaß dein Weinen sein,« sprach das Fröschlein; »wenn ich diese Nacht bei dirin deinem Bettlein schlafen soll, so will ich dir den Ring wohl wieder holen.«»Ach ja liebes Fröschlein,« sprach das Mädchen, »ich will ja gerne alles thunwas du verlangst, wenn ich nur mein goldenes Ringlein wieder kriege!« Sprach dasFröschlein: »So setze mich in den Wassereimer und laß mich in den Brunnenhinab, daß ich dir dein goldenes Ringlein wieder hole.« Da setzte dasMädchen den Laubfrosch in den Eimer und ließ ihn in den Brunnen hinab,da tauchte er unter und kam bald wieder angeschwommen mit dem lungleinin seinem Maule. Das Mädchen zog ihn wieder herauf, nahm den Kingsteckt' ihn voller Freuden an ihren Finger und ging ms Haus und dachtenicht mehr an das Laubfröschlein und was es ihm hatte versprechen müssen.Des Abends aber, da das Mädchen wieder wie immer auf der Hausflur beimHeerde saß und spann, klopfte mit einmal was an die Seitenthure und riet.»Wackres Mädchen, wackres Mädchen! was du versprochen hast, mußt du aucnhalten; setze mich in dein Haus.« Das Mädchen machte die Thure auf underschrack ordentlich, denn davor saß das Laubfröschlein. Erst wollte dasMädchen die Thüre wieder zuschlagen; weil es aber an sein \ersp.ecliuidachte, und daß ihm der Frosch wieder zu seinem Ringe verholten hattesetzte es ihn in ihr Haus herein. Der Frosch hüpfte nun mit an den Heerdund sah zu wie das Mädchen spann. Nachdem, da es Zeit war, schlafen zu
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