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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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zu ihr.— »Ach,« seufzte sie oft, »wenn doch mein seliger Martin noch lebte.« —Einst, als ihr Mann nicht zu Haus war, kam ein Bettler. — »Wo seid ihrdenn her?« fragte die Frau. — »Aus Paris«, sagte der Bettler. — »Aus dem Pa-radies?« rief die Frau; »dann kennt ihr auch wohl meinen seligen Martin.« —•»Tja!« meinte der Bettler; »es giebt da viele Martins; da ist ein kleiner Martin,ein langer Martin, ein dünner Martin, ein dicker Martin«— — »Der dicke«,rief die Frau, »der ist es. Wie geht es ihm denn da?«—»Recht betrübt,« sagteder Bettler; »er muß schnurren gehn, wie ich. Wenn ihr ihm was schickenwollt, so will ich es gern mitnehmen, denn in ein paar Tagen, denk ich,krieg ich ihn wieder zu sehn.« — Da lief die Frau vor das Schapp, holteihrem Martin sein bestes Sonntagszeug, band es in ein Bündel, nahm einenBeutel voll Geld aus der Lade, reichte alles dem Bettler hin und gab ihmzuletzt auch fürs Mitnehmen noch was extra überher. — »Och«, sagte derBettler, »das wäre ja nicht nötig gewesen; aber es ist nur bloß von wegender Steuer an der Grenze.«—Damit verabschiedete sich der Bettler, nachdemsie ihm noch viele herzliche Grüße an ihren seligen Martin aufgetragenhatte. — Als ihr Mann nach Haus kam, war seine erste Frage: »Warumsiehst du denn heute so vergnügt aus?« — Da erzählte sie ihm, was ihr ebenpassiert war. —»Du Gosekopp!« schrie der Mann. Er setzte sich aufs Pferdund jagte hinter dem Bettelmann her. Dieser, sowie er das Pferdegetrappelhörte, wußte Bescheid. Schnell zog er sich splitternackt aus, warf das Zeugin den Graben und huckte auf einer Stelle immer risch in die Höhe.— »Wasmachst du denn da?« fragte der Kerl. — »Och, och!« jammerte der Bettler,»wir hatten einen Tanz da oben, da kam ich der Luke zu nah, und nunkann ich noch immer den rechten Sprung nicht treffen, daß ich wieder hin-aufkomme.« Da erkundigte sich der Kerl bei ihm, ob er nicht Wen gesehenhätte mit einem Bündel Zeug. — »Jüst eben,« sagte der Bettler, »lief so Einer,der sich ängstlich umsah, dort in das Buschwerk hinein.« — »Dann will ichihn wohl kriegen,« rief der Kerl; »halt mal eben mein Pferd so lange.« — DerKerl sprang ins Gebüsch, der Bettler zog sich schnell an, schwang sich aufsPferd und galoppierte davon.

»Na, hast'n wiedergekriegt?« fragte die Frau ihren Mann, als er kleinlautzurückkehrte. — »Ja,« sagte er, »aber der arme Mensch that mir leid, weil ersolch einen weiten Weg hat, und da hab ich ihm auch noch mein Pferdgegeben.«

Seitdem sagte er nie mehr Gosekopp zu seiner Frau.

34. Der verwunschene Prinz.

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten nur eine einzigeTochter. Nun begab es sich aber, daß die Frau krank wurde, und weil

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