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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
80
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Karten gespielt; der Soldat spielte aber so unglücklich, daß er all sein Geldverlor, was er mitgebracht hatte. Den andern Abend ließ ihn die zweitePrinzessin einladen; da erging es ihm auch so unglücklich beim Spiele, daßer wieder sein mitgenommenes Geld verspielte, und das war sein letztes.Den dritten Abend wurde er zu der jüngsten und schönsten Prinzessin ein-geladen, und weil er da für sein Leben gern hinging, sein Geld aber zu Endewar, so verkaufte er Wagen und Pferde und bekam eine hübsche Summedafür. Damit ging er zu der Prinzessin. Nach dem Essen wurde wiederKarten gespielt, und wieder verlor der Soldat alles Geld, das er mitgebrachthatte. Nun war er so arm, wie er gewesen war, da er seinen Abschiedkriegte und bettelnd durch die Welt zog.

Ganz mißmuthig und zerzweifelt ging er in seinen Gasthof zurück undlegte sich zu Bett. Er konnte kein Auge zuthun und wälzte sich voll Unruhevon einer Seite auf die andere. Endlich, weil ers im Bette gar nicht aus-halten konnte, stand er auf und ging im Zimmer auf und ab. Da fiel ihmmit einem Male die Pfeife und das Feuerzeug ein, das er mit aus dem ver-wünschten Schlosse gebracht hatte, und weil ihm seine trüben Gedanken gar keineRuhe ließen, so dachte er zu seiner Zerstreuung eine Pfeife zu rauchen, nahmdas Feuerzeug und pinkte, daß die Funken flogen. So wie er aber den erstenSchlag that, stand plötzlich ein allmächtig großer Riese vor ihm, der war einervon den dreien, die in dem verwünschten Schlosse das Geld bewachten.»Was befiehlt der Herr?« fragte der Riese. »Bringe mir einen Sack vollGeld!« sprach der Soldat. Kaum hatte er das Wort gesagt, so war der Rieseauch schon wieder fort, und kam bald zurück und schleppte einen großenMaltersack voll Geld herein. »So!« sprach der Soldat; »nun hole mir auchdie jüngste Prinzessin her.« Der Riese lief fort und brachte die Prinzessin^ mit sammt der Bettstelle. Nachdem nun der Soldat die Prinzessin tüchtig ab-geküßt hatte, mußte sie der Riese wieder forttragen.

Den andern Morgen sprach die Prinzessin zu ihrer Mutter: »Ach liebeMutter, diese Nacht wars mir doch gerade, als hätte mich ein Riese mit derBettstelle zu einem schönen Prinzen getragen und der hätte mich geküßt.«»Liebes Kind«, sprach die Mutter, »das sind Träume, denke nicht mehr daran.«

In der folgenden Nacht nahm der Soldat wieder sein Feuerzeug undschlug Feuer. Sogleich erschien der Riese und fragte: »Was befiehlt derHerr?« »Hole mir die Prinzessin her«, sprach der Soldat. Der Riese lief fortund brachte sie mit sammt der Bettstelle. Nachdem nun der Soldat die schönePrinzessin wieder tüchtig abgeküßt hatte, mußte sie der Riese wieder forttragen.

Den andern Morgen sprach die Prinzessin zu ihrer Mutter: »Ach liebeMutter, diese Nacht war mir's doch grade so wieder wie vorige Nacht; einRiese trug mich zu dem schönen Prinzen und der hat mich geküßt.« »LiebesKind«, sprach die Mutter, »das sind Träume; denke nicht mehr daran.« Es

So