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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
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stand ein Feuerzeug, das steckte er auch noch alles ein, denn er war eingroßer Freund vom Rauchen, und darnach so beeilte er sich, daß er aus demSchlosse noch zu rechter Zeit wieder herauskam. Es war auch die höchsteZeit gewesen, denn kaum war er wieder bei dem großen Stein angelangt, soschlug die Glocke Eins, und die wilden Thiere erwachten und brüllten fürchterlich.Der Soldat ging nun mit seinem vielen Gelde weiter, kam auch glücklichaus dem Walde und gelangte in die Stadt, wo der König Hof hielt. Er er-kundigte sich gleich nach dem vornehmsten Gasthofe, ging hinein und verlangteHerberge und weil er so zerlumpt und schmutzig aussah, brachte ihn derWirth in die Bedientenstube. »Das ist ja hier eine elende Wirthschaft«, sprachder Soldat; »bringt mir Wein her!« Da ging der Wirth hin und holte eineFlasche von der schlechtesten Sorte und meinte, die wäre für so einen Lumpwohl gut genug; aber der Soldat, der in dem verwünschten Schlosse denköstlichen Wein getrunken hatte, wußte wohl was gut schmeckte, probte denWein, schnitt ein Gesicht und rief: »Bah! der Wein ist ja gar nicht zu ge-nießen! Bringt bessern her!« Der Wirth bequemte sich und holte eine Flaschevon der Mittelsorte; aber der Soldat, da er ihn geprobt hatte, rief wieder:»Bah! bringt bessern her! Es koste, was es will; hier ist Geld!« Damit warfer ein paar Goldstücke auf den Tisch. Als das der Wirth sah, wurde er aufeinmal ganz höflich, ging in den Keller und brachte eine Flasche vombesten. »So!« sprach der Soldat, »der läßt sich trinken. Nun gebt mir auchein besseres Quartier, daß ich aus diesem elenden Loche komme.« Da brachteihn der Wirth mit tiefen Bücklingen in das schönste Zimmer, das er im Hausehatte. »Jetzt, Herr Wirth!« sprach der Soldat, »bringt mir einen Juden her,daß er mir Kleider und Wagen und Pferde schafft.« Der Jude kam. »Hörmal Jude,« sprach der Soldat, »du kannst mir wohl schöne Kleider schaffen,wie sie der König trägt, auch drei Kutschen und zu jeder Kutsche sechsPferde; sechs Schimmel, sechs schwarze und sechs Isabellen.« »Das ist rechtschön!« schmunzelte der Jud; »aber hat der Herr auch Geld dazu, mit Verlaubzu fragen?« »Hier, Jude, hast du Geld,« sprach der Soldat, griff in die Tascheund warf ein paar Hände voll Goldstücke auf den Tisch. Der Jude strich dasGeld schmunzelnd ein und ging unter tiefen Bücklingen zur Thür hinaus. Erhatte auch bald alles aufs beste besorgt, wie es der Soldat gewünscht hatte. Der lebtenun alle Tage in Saus und Braus, und jeden Mittag, wenn er gegessen hatte,fuhr er in seiner Kutsche durch die Stadt und vor des Königs Schlosse vorbei.Es hatte der König aber drei Töchter, die sahen von ihrem Fenster aus,wie der Soldat in seinem prächtigen Kleide und in seiner schönen Kutscheda jeden Tag vorbei fuhr. Da sprach die älteste: »Das ist gewiß ein reicherPrinz, den will ich mal zu Gaste bitten.« Sie schickte ihren Diener nachdem Gasthofe und ließ den Soldaten zu sich einladen. Er kam auch undbrachte eine ganze Tasche voll Goldstücke mit. Nach dem Essen wurde

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