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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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meinen Bruder; könnt Ihr mir vielleicht sagen, wo er hingeritten ist?« Dazeigte ihm der Wirth den Weg, den sein Bruder geritten war. Er zog dieStraße weiter fort und kam an das Wasser und die Brücke, und als er dahinüber ritt und eben auf der andern Seite war, floß sie hinweg. »Das istnoch einmal gut gegangen«, rief er; »es war Zeit, daß ich hinüberkam.«Als er nun immer weiterzog, fand er auch das Schloß, daraus kam ihm seinesBruders Hund entgegen gelaufen, und in dem Stalle, wo den Pferden derHafer von selber in die Krippen fiel, stand seines Bruders Pferd. Da sah erwohl, daß hier oder nirgends sein Bruder zu finden sei, band sein Pferd inden Stall und ging in das Schloß hinein.

Es waren da auch wieder die beiden Junfern, eine weiße und eineschwarze; die weiße lag noch immer im Bette; sie lebte nicht und war nichttodt und konnte kein Wort sprechen. Die schwarze war aber schon etwas weißgeworden, weil der erste Bruder bis drei Uhr in der Nacht gewacht hatte, undals sie der andere fragte, ob sein Bruder nicht hier wäre, erzählte sie ihm, wiees dem ergangen sei, daß er eingeschlafen wäre und daß ihn die alte Zigeu-nerin ums Leben gebracht hätte. Da ruhte der Junge nicht eher, biser das alte Weib fand, das sich versteckt hatte, und da mußte sie aus ihremSchlupfwinkel heraus, und der Junge bedrohte sie und sprach: »Verdammtealte Hexe! gieb meinen Bruder heraus, oder ich haue dich in eine halbeStiege Stücke!« Da wurde das Weib bange, lief schnell hin und machte denBruder wieder lebendig. Als der andere sah, daß sein Bruder wieder amLeben war, schwang er sein Schwert und hackte der alten Hexe den Kopf ab.»O weh!« sprach da die schwarze Junfer; »nun kann das Schloß nichtanders erlöst werden, als wenn ihr den sieben Nägeln, die dort hinter derThür in der Wand sitzen, mit zwei Hieben die Köpfe abhaut.« Der zweiteBruder zog sein Schwert zuerst, und mit dem ersten Hiebe, den er that, flogenvon fünf Nägeln die Köpfe ab und aus jedem Nagelkopfe floß ein TropfenBlut. »So, Bruder; nun haue du die andern ab; du bist zwar eine guteWeile eingesalzen gewesen, aber ich denke, die beiden letzten Köpfe wirstdu doch wohl herunterbringen.« Da nahm der erste Bruder, der solange im Salzegelegen, alle seine Kraft zusammen und hieb mit seinem Schwerte den beidenletzten Nägeln auch glücklich die Köpfe ab und aus jedem Nagelkopfe floßwieder ein Tropfen Blut.

In diesem selben Augenblicke hörte aber auch die Verwünschung auf.Trompeten erschallten, Bäume und Blumen wuchsen aus der Erde und wurdeauf einmal ein Gewühl von Menschen, die da alle mit verwünscht gewesen waren.Da wurde auch die schwarze Prinzessin ganz weiß, und die weiße, die nichtlebendig und nicht todt war, erwachte nun aus ihrem Zauberschlafe und wurdewieder frisch und lebendig. Ihr gehörte das Schloß; und da heirathete sieden jüngsten Bruder und hielt Hochzeit mit ihm.

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