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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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Das hörte gegenüber im Schloße die Prinzessin, und an dem Tone und derMelodie erkannte sie, daß der gekommen war, welcher sie aus den Händender Räuber befreit hatte. Da fing sie laut zu weinen an und ging zu ihremVater und fiel ihm mit Schluchzen rund um den Hals und konnte kein ein-ziges Wort hervorbringen. »Was fehlt dir denn, mein Kind,« fragte der Königda; »daß du so traurig bist, und morgen ist doch dein Hochzeitstag?« »Ach,lieber Vater,« sprach die Prinzessin, »ich darf und darf es niemals sagen, wasmich so traurig macht; das habe ich schwören müssen.« »Nun!« sagte der König,»wenn du es nicht sagen darfst, so darfst du es doch schreiben« und ließFeder, Tinte und Papier holen. Da schrieb sie auf, daß der, welcher in demGasthofe die Flöte spielte, sie von den Räubern erlöst hätte; der Schiffs-kapitän aber wäre ein Betrüger und falscher Mann und gäbe sich mit Unrechtfür ihren Befreier aus. Als das der König las, schickte er gleich einen vonseinen Dienern hin, daß er den Mann holen sollte, der in dem Gasthofe ge-genüber auf der Flöte spielte. Wie aber der Diener hinkam und den Fremdendarum ansprach, so that der ganz säumig und sprach; »Wenn dein Herr, derKönig, mich zu sprechen wünscht, so kann er selber kommen; der^Weg vomKönige zu mir ist nicht weiter als der Weg, welcher von mir zum Königegeht«. Mit der Antwort ging der Diener vor den König und sagte ihm auch,was das für ein schmutziger Gesell wäre, der so verwegen gesprochen hatte.Da redete der König seiner Tochter zu, daß sie sich den Landstreicher sollteaus dem Sinne schlagen; aber die Prinzessin wollte sich nicht eher zufriedengeben, bis ihr Vater selbst hinging und den Mann herüber in das Schloß holte.Da erkannten sich die beiden und fielen sich in die Arme, und dann erzähltensie dem Könige von der Treulosigkeit des Schiffskapitäns und wie das allesso gekommen war. Da gab der König den Befehl aus, daß der Kapitän zurStrafe von vier Ochsen sollte in Stücken gerissen werden; den Königssohnaber vermählte er mit seiner Tochter und machte ihn zum Könige, und dasist er auch geblieben, bis er starb.

23. Der Königssohn Johannes.

Es war mal ein Königssohn mit Namen Johannes, der wollte auf Reisengehn, und ob sein Vater gleich dawidersprach, weil er fürchtete, es könnteihm unterwegs ein Unglück zustoßen, so ließ er sich doch nicht zurückhalten,sondern zog fort in die weite Welt hinein. Mit Anbruch der Nacht kam erin einen großen Wald zu einem Hexenhause, darin wohnte ein altes Weibmit ihrem Manne. Die Hexe war aber so bös geartet, daß sie alle drei Tagewenigstens einen Menschen fraß, den sie vorher in ihrem Backofen gebratenhatte. Als sie nun den schönen Königssohn in ihr Haus treten sah, da lachteihr das Herz im ■ Leibe, daß sie wieder einen guten Braten kriegte. »Du

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