denn der alte Kahn wird nicht lange über Wasser bleiben.« Als sie nundem Kapitän die Nachricht brachten, daß sie seinen Befehl ausgerichtet hätten,da mußte ihm die Königstochter einen heiligen Eid schwören, daß sie in ihremLeben niemandem sagen wollte, was hier vorgefallen und daß ein anderer sieerlöst hätte. Danach so fuhren sie weiter und kamen glücklich ans Landund in die Stadt, wo die Königstochter her war; da gab sich der Kapitänfür den Mann aus, der sie von den Spitzbuben befreit hatte und brachte siez u dem Könige; der hatte eine große Freude, daß er seine Tochter endlichwiedersah.
Nun gutl — Der arme Königssohn, der fuhr aber derweilen auf dergroßen See in seinem Kahn. Zwar sein Geld und seine Flöte hatte er ge-rettet, aber was half ihm das, wenn er nichts zu essen hatte. Er meinte, er müßteelendiglich verhungern und hatte sich schon in sein Schicksal ergeben, alseines Nachts der Kahn an das Ufer stieß; da sprang er heraus und band ihnfest, und weil ihn der Hunger trieb, so stieg er auf einen hohen Tannenbaum,°b er nicht von da ein Licht erspähen könnte und so zu Leuten käme, dieihm etwas zu essen gäben; aber er mochte seine Augen anstrengen, wie erw ollte, es zeigte sich nah und fern kein Licht. Da wurde er ganz muthlosund sprach: »Was hilft es mir nun, daß ich der See glücklich entgangenbin; wenn ich hier in der Wildniß vor Hunger umkommen muß, oder denSpitzbuben wieder in die Hände falle. Hätten mich die Wellen verschlungen,s o wäre das wohl für mich das Beste gewesen.« Indem daß er noch sokkgte, gewahrte er, daß in seinem Kahn, den er am Ufer zurückgelassenhatte, sich etwas Weißes regte, und als er näher hinzutrat, so war es derGeist des armen Mannes, für welchen er die zehn Thaler bezahlt hatte, daßer konnte begraben werden. »Weil du so gut gegen mich gewesen bist«, sprachder Todte, »und hast mir ein ehrliches Begräbniß geben lassen, so will ich dichnun zum Dank schnell in die Stadt bringen, wo der Kapitän morgen mitdeiner Frau Hochzeit halten will, wenn du dich nicht noch zur rechten Zeiteinfindest.« Als der Todte das gesagt hatte, führte er den Königssohn in demKahne noch denselben Tag zu der Königsstadt bis zu einem Gasthause, welchesdem Schlosse gerade gegenüber lag. Der Königssohn fragte die Wirthin, ober nicht die Nacht dableiben und ein Zimmer haben könnte und fordertes ich auch ein Glas Wein. Da sah ihn die Wirtin ganz verächtlich an, denner war ganz schmutzig und trug noch sein zerrissenes Matrosenzeug; »gehnur weiter,« sprach sie, »dies ist hier keine Herberge für Leute deinesgleichen;lc h habe das ganze Haus voll vornehmer Gäste, denn morgen ist Hochzeitgegenüber in des Königs Schloß.« Als er aber das Glas Wein mit einemGoldstücke bezahlte, da wurde die Wirtin auf einmal ganz freundlich und gabüim auch ein Zimmer, wo er die Nacht bleiben konnte. Da ging der Königs-sohn hinauf, machte das Fenster auf und fing auf seiner Flöte zu spielen an.
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