Druckschrift 
Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

so kommt, will ich's schon besser machen.« Nun schickte ihn nach einigetZeit die Mutter in die Stadt, beim Bäcker Brod zu kaufen; als er da die Glutim Backofen bemerkte, fing er gleich groß Geschrei an: »Feuer! Feuer! Wasserher! Wasser her!« griff auch in Eile den ersten besten Eimer und goß Wasserdamit in die Flamme. Auf den Lärm sammelte sich bald eine große MengeMenschen mit Feuereimern, den Brand damit zu löschen; wie die sahen, daßsie gefoppt waren und nirgends Feuer war, außer im Backofen, prügelten sieden Hans zur Stadt hinaus, daß er heulend zu seiner Mutter lief. »Ei, Hans,was heulst du denn so?« fragte ihn die; »hat der Bäcker kein Brot gehabt?«»Das schon,« sagte Hans; »aber als ich hinkam, sah ich den Backofen, derbrannte lichterloh, da habe ich geschrien: He Feuer! Feuer! Wasser her!Wasser her! und da sind die Leute herzugelaufen und haben mich zur Stadthinaus geprügelt.« »Ich sehe wohl ein, Hans,« hat darauf die Mutter gesagt,»es wäre für dich das beste, wenn du eine Frau nähmest.« »Schon recht!Mutter!« sprach Hans; »wenn nur eine käme.« Da ist Hansens Mutter aus-gegangen und hat auch bald eine gefunden, die den Hans wohl nehmenwollte; aber vorher wollte sie ihn erst sehen und auch die ganze Hausgelegen-heit. Wie nun der nächste Sonntag war, fegte die Mutter das Haus undstreute weißen Sand, und als die Braut ankam, brachte die Mutter das Essenherein; den Hans aber schickte sie mit dem Kruge in den Keller, für dieBraut einen frischen Trunk zu holen. Nun saß vorn an im Keller eine Gansauf einem Nest voll Eier und brütete. Wie der Hans an ihr vorbei gehen wollte,machte die Gans den Hals lang und zischte, wie Gänse thun. »Sieh mal!«sagte Hans, »du wolltest wohl beißen!« drehte sich um und klapps! gab erihr mit dem Kruge einen auf den Kopf, daß sie auch gleich todt war. Dafreute sich Hans, daß die Gans nicht mehr beißen konnte und sagte: »Umdie alte Gans ist es mir gar nicht zu thun; aber wer soll nun die Eier aus-brüten!« Da fiel ihm ein, daß in der Kellerecke ein Faß mit Honig stand;er zog darum eilig seine Kleider aus, kletterte in das Faß und drehte sich indem Honig um und um; dann rupfte er die Gans, wickelte sich in die Federnund setzte sich schnell auf die Eier, um sie selber auszubrüten. Mit dem, soguckt die Braut in den Keller, zu sehen, warum Hans mit dem Bier so langeaußen bleibt. Da sah sie denn den wunderlichen Vogel auf dem Neste sitzen,der zischte und schnatterte wie eine Gans. Als das die Braut sah, klapptesie schnell die Thüre zu und ist aus dem Hause gelaufen.

&*■

17. Der kluge Bauer.

Eines schönen Tages pflügte ein Bauer seinen Acker, welcher an einemBache lag, und als er eben wieder wenden wollte, hörte er, daß in dem Bacheetwas knurrte und plätscherte. Wie er nun näher hinzutrat, so sah er, daß

36