»Narr, nimm se doch!« sagte der Schäfer. »O nein, o nein, es ist mirwahrhaftig nicht möglich; aber, wenn du sie willst, so mach auf und steignur statt meiner hier herein.« Das ließ sich der Schäfer nicht zweimal sagen,half dem Pihwitt heraus und stieg dann selbst hinein. Da machte Pihwittden Karren rasch fest zu und trieb dann die Heerde gemächlich dem Strome zu.
Als die Bauern endlich aus der Kirche kamen, setzten sie bald den Karrenin Bewegung; und weil der drinnen fortwährend rief:
»Die Amtmannstochter will ich wohl!Die Amtmannstochter will ich wohl!«so hielten sie's für Spott, trieben den Karren eilig an den Uferrand und stießenihn mit Hurrah in den Strom. Nach diesem nahmen sie den Heimweg; alssie aber von ungefähr über eine fette Trift kamen, ging da eine Heerde derschönsten Scbafe, und der sie weidete, das war Pihwitt. »Ei, Pihwitt,« riefendie Bauern, »haben wir dich nicht eben in's Wasser geworfen? Wo kommstdu her?« »Ja, ja,« sagte Pihwitt, »aus dem Wasser! aus dem Wasser! Als ichda unten ankam, das erste was ich faßte, war jener fette Leithammel, undals ich den nur hatte, kamen die andern Schafe gleich hinterdrein. Ich sollt'seigentlich nicht verrathen, aber es sind auf dem Grunde des Stromes noch vielmehr und, ich möchte fast sagen, noch schönere zu finden als diese hier. Darumseid so freundlich und werft mich noch einmal ins Wasser; denn selbst hinein-zuspringen, dazu habe ich den Muth nicht.« »Ne, ne,« riefen die Bauern alle, »dasthun wir nicht; die schönen Schafe wollen wir selber holen,« liefen darum schnellzum Flusse zurück und stürzten sich kopfüber hinein, daß sie versaufen mußten.
Pihwitt aber behielt die vielen Schafe und war reich, so lange er lebte.
15. Muschetier, Grenadier und Pumpedier.
Ein König hatte drei Töchter, die machten zu ihrer Lust einen Gangin den Wald und setzten sich unter die Blumen in das Gras und strickten.Da kamen des Weges her drei Riesen. Als die die schönen Königstöchtersahen, liefen sie herbei, hoben sie auf ihre Arme und schleppten sie tief inden Wald hinein, bis sie zu einer Höhle kamen. In die Höhle konnte manaber nur durch ein Seil gelangen; an dem ließen sich die Riesen mit ihrenPrinzessinnen tief in die Erde hinab. Zuerst kamen sie in einen großen Saal;da hing an der Wand ein gewaltig langes Schwert und auf dem Tische standeine Flasche Wein und lag ein Brief dabei. Hinter dem Saale waren abernoch drei andere Zimmer, für jeden Riesen eins; da hinein brachten sie dieKönigstöchter und sagten: Hier wollen wir zusammen wobnen. Und dererste Riese schenkte der ersten Königstochter eine goldene Sonne, der zweiteRiese schenkte der zweiten Königstochter einen goldenen Mond, der dritteRiese gab der dritten Königstochter einen goldenen Stern. Aber die Prin-
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