ohne zu errölhen freimüthig bemerken, dass es mir bei den vielen Bauten, welcheich schon ausgeführt habe, öfters, besonders aber mit der Fertigung der Bauplänefür das hiesige neue Ständehaus, bei Ausführung derselben nicht besser ergangenist. Ich bin es wegen dieses letzten Falles meiner Ehre sowohl, als auch der Sacheschuldig, das Geschichtliche dieses Baues hier bei Herausgabe der verschiedenenProjecte in der Kürze zu berühren, indem es zugleich für manchen nicht unin-teressant seyn möchte, die gehörige Beurtheilung dieses öffentlichen Gebäudes hier-nach zu bemessen.
Zur Zeit des Pericles, wo in Athen und überhaupt in Griechenland die Baukunstund mit derselben die übrigen schönen Künste im höchsten Flor standen, war esSitte, dass ein jeder Baumeister schriftlich dem Publicum Rechenschaft von seinenArbeiten ablegte, weil über nichts mehr, als gerade über Werke der Baukunstvon Kennern und Nichtkennern, Urtheile gefällt werden, die oft der guten Sachesehr schaden, weil sie sich dann mehr oder weniger eine Zeit lang in Ansehenerhalten, jenachdem der Beurtheiler sich die Miene eines Kenners zu geben, odernicht zu geben wusste. Wird das Publicum hingegen, so wie es ehemals in jenengoldenen Zeiten der Kunst bei den Griechen Sitte war, durch den Baumeisterselbst über alles genügend unterrichtet, was zur Beurtheilung eines Gebäudesgehört, so ist über dessen Arbeiten schon weit leichter ein richtiges Urtheil zufällen , welches sonst oft erst spät von einer andern Generation, die alle Persona-litäten ausser Acht lässt und sich einzig an die Sache hält, ausgesprochen wird.
Da ich nun hier in diesem dritten Hefte die verschiedenen Projecte, weicheichfür das hiesige neue Ständehaus gefertiget, zum Frommen mancher Baukünstlerund zur Beherzigung des Publicums mitzutheilen gedenke, so will ich das Geschicht-liche, in so weit es sich auf den Bau selbst bezieht, als zur Sache gehörig voraus-schicken.