44150Bitterkeit. Aller Zorn, aller Grimm ist ferne vondenen, in deren Hause liebreiches Wesen herrscht.Die Liebe ist freundlich, sagt der Apo-stel. Liebreiche Menschen begegnen sich mit einemgefälligen angenehmen Betragen. Sie sind nichtmürrisch, störrig, hart und roh. Freundlich ist ihrBlick, ihre Rede, ihre Miene, ist ihr ganzesBenehmen. Freundlich sind sie im Geben, freund-lich im Empfangen; freundlich sind sie im Ge-währen, freundlich im Abschlagen; freundlich imRechtgeben, freundlich im Widersprechen; freund-lich, wenn sie helfen, freundlich, wenn sie sichhelfen lassen; freundlich im Tadel, freundlich imLob; freundlich während der Arbeit, freundlichim Genuß der Ruhe; freundlich im Kreise derHausgenossen, freundlich im Kreise anderer Men-schen; freundlich gegen den Hausfreund, freund-lich gegen den Fremden. Da ist also kein lieb-reiches Wesen, wo man so geneigt ist, seineStirn in finſtre Falten zu ziehen; wo man allesmit trübem Sinne anblickt; wo man nichts ganznach seinem Sinne findet; wo man seinen Hausge-nossen keinen gütigen Blick, kein gütiges Wortgönnt; wo man Herz und Sprache zurückhält; woman durch schwankende Blicke, durch ängstliche Be-wegungen, durch einsylbige Worte verscheucht, stattan sich zu ziehen. Nein, da ist kein liebreiches
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