12Sden, sobald sie anders denken und thun; — wennwir meynen, es müsse alles, was wir wünschenund verlangen, sofort in Erfüllung gehen, und unsnun sogleich die Geduld ausgeht, sobald uns eineHoffnung täuscht oder ein Wunsch vereitelt wird;wenn wir mit dem Charakter und dem Benehmenderer, die um uns her sind, keine Nachsicht ha-ben; — wenn wir alles ihr Thun und Lassen stetsmit richterlichen Augen bewachen; wenn wir unserUrtheil darüber nicht zurückhalten, vielmehr die Zeitnicht abwarten können, um unsern Tadel auszuspre-chen; — wenn wir jedes auch noch so geringe Ver-sehen sogleich rügen und bestrafen; — wenn wir je-des geringe Versäumniß so hoch anrechnen, jedenauch noch so geringen Fehler als eine Beleidigungaufnehmen; — wenn wir über jedes Wort, daswir anders erwartet, über jedes Geschäft, das wiranders angeordnet hatten, ergrimmen; — wennwir gegen alle diejenigen, die uns nicht ganz nachdem Herzen sind und nicht alles ganz nach Wunschthun, bitter und feindselig gesinnt sind; — wennwir über jede vermeyntliche Unfreundlichkeit und Käl-te, über jeden Widerspruch sogleich in Zorn gera-then oder wohl gar in Scheltworte ausbrechen: —wohnt dann wohl die Liebe in unserm Hause? Nein;die Liebe ist langmüthig und läßt sich nicht erbittern,sie unterdrückt die Ausbrüche jeder Heftigkeit undeb. u.
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